Wahlen 2015 Im Porträt: GLP-Präsident Martin Bäumle

Seit dem Gymnasium sind GLP-Präsident Martin Bäumle und Banker Bruno Zenger beste Freunde. Dieser verrät Bäumles grösste Ökosünde. Und was er ihm für den Wahlkampf rät.
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© Monika Flückiger

Nach seinem Herzinfarkt im März 2014 führt Martin Bäumle ein gesünderes Leben.

Ein Streber, das sei er nie gewesen. «Ich bin ein Optimierer», sagt Martin Bäumle, 51. Der Präsident der Grünliberalen steht in seinem ehemaligen Schulzimmer an der Kantonsschule Zürich Nord und kritzelt die Formel für die Erzeugung von Solarstrom an die Wandtafel. «Martin hat immer geschaut, dass es mit den Noten gerade reicht», sagt sein ehemaliger Klassenkamerad Bruno Zenger, 51. «Ausser in Chemie, da war ich ehrgeizig!», wirft Bäumle ein. Doch für eine Sechsermatur habe es in seinem Lieblingsfach nicht gereicht. «Weil ich an der mündlichen Prüfung eine Auswendig-Lern-Frage zog. Ich habe aus Prinzip nie auswendig gelernt. Das meiste wusste ich einfach.»

Schon als 13-Jähriger wälzt Bäumle Bücher über Chemie und Kernphysik. «Je mehr ich wusste, desto mehr Sorgen machte ich mir.» Zu Hause in Dübendorf verbietet er seiner jüngeren Schwester und der Mutter wegen des Ozonlochs, Haarspray zu benützen. Seinen Chemielehrer will er von der Gefahr von Atomkraftwerken überzeugen. «Ich war damals mehr Ökofundi als heute.» «Trotzdem kamst du mit dem Töffli in die Schule», neckt ihn Zenger. «Ja, aber das habe ich schnell wieder verkauft.» Bäumle und Zenger sind seit dem Gymi beste Freunde. Sie sitzen in der Schule nebeneinander, gehen, um Geld zu sparen, mittags in die Migros statt in die Mensa und hecken Streiche aus. «In der S-Bahn sperrten wir den Kondukteur in  die erste Klasse.»

Früh ernst ist es Bäumle mit der Politik. Schon mit 17 engagiert er sich in Dübendorf in der Gruppe Energie und Umwelt. Beim Besuch mit der Schule im Nationalrat kommt es zum Schlüsselerlebnis. Zenger erinnert sich: «Martin trieb FDP-Nationalrat Silvio de Capitani mit seinen Fragen zur Umwelt regelrecht in die Enge.» Erfolgsverwöhnt ist Bäumle mit den Grünliberalen. Die Partei, die der Atmosphärenwissenschaftler nach seinem Austritt bei den Grünen mitgegründet hat, steht 2011 als Wahlsiegerin da - und bleibt auch danach im Trend. Erst im März dieses Jahres wendet sich das Blatt: Das Volk lehnt die erste GLP-Volksinitiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» mit 92 Prozent ab. «Die Niederlage war umso härter, weil das Anliegen meine Idee war.» Längst hat Bäumle aber die Gründe für das Rekord-Nein analysiert. «Wir haben das Ganze zu technisch aufgegleist, zudem war die Grosswetterlage mit dem Frankenschock ungünstig.» Nach dem heissen Sommer aber werde die Klimaerwärmung wieder im Fokus stehen. «Deshalb ist für uns alles möglich.» Und dann macht Bäumle das, was er am liebsten tut: Rechnen. «Die Mitte-Listenverbindung inklusive Ecopop kann uns den vierten Sitz sichern. Optimistisch gerechnet können wir sieben bis acht Prozent Wähleranteile gewinnen. Für den Ständerat gebe ich mir 30 bis 50 Prozent Chancen.»

Seine Art hat Bäumle im Nationalrat den Ruf eines Technokraten eingebracht. Zenger, der bei der Zürcher Kantonalbank im Rechnungswesen arbeitet, ist diese Bezeichnung zu negativ: «Ein Analytiker trifft es besser.» Wenn die beiden wie jedes Jahr gemeinsam in die Motorradferien fahren, analysiere Bäumle laufend die Wettermodelle. Mit Erfolg: «Wir sind noch nie verregnet worden.» Anstrengend werde es hingegen bei Strategiespielen. «Die dauern mit Martin immer länger, weil er alle Optionen durchrechnet.»

Dass das Leben manchmal unberechenbar ist, musste Bäumle im März 2014 erfahren. Er spürt einen Druck in der Brust, geht zum Arzt und muss sofort ins Spital. Diagnose: Herzinfarkt. «Für mich war es ein Schock, doch nicht völlig unerwartet», sagt Zenger beim Mittagessen. Bäumle habe dauernd unter Strom gestanden, ungesund gegessen und wenig geschlafen. «Ich habe ihm stets gesagt, er müsse mal  runterkommen.» Bäumle nickt und nimmt einen Bissen vom Lachsfilet. «Es musste wohl zuerst zum Knall kommen, damit ich handle.» Inzwischen hat Bäumle 14 Kilo abgenommen. Die Excel-Liste, in die er abends die Kalorien eingetragen habe, brauche er nicht mehr. Er fährt mit dem E-Bike zu Sitzungen, mit Frau Yuliya will er Golf spielen lernen.

«Im Wahlkampf musst du aber wieder aufpassen!», sagt Zenger. Bäumle, der den Nitroglyzerinspray zur Gefässerweiterung immer in der Tasche hat, spricht lieber von einer gesundheitlichen «Challenge». Er werde die kommenden Wochen nach dem Optimumprinzip angehen - wie die Matur. Die hat er mit der Note 4,3 bestanden. «Ich hatte sogar noch Reserven!»

Die GLP zählt 3800 Mitglieder. 2011 erreicht sie einen Wähleranteil von 5,4 Prozent. Das Wahlbudget beträgt nach eigenen Angaben 300'000 Franken.

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