Die neuen Nationalräte im Porträt So strahlen Sieger: Gmür (CVP) & Arslan (Basta)

 Scharfmacher, Single, Seconda. Bauer, Bobfahrer und Pausenclown: Die «Schweizer Illustrierte» zeigt die 8 spannendsten der 49 neuen Nationalräte. Im 3. Teil: Andrea Gmür (CVP) und Sibel Arslan (Basta).

ANDREA GMÜR, 52, CVP LUZERN
Valentin, Julian, Marina, Tobias - kommt ihr mal?» Es poltert auf der Treppe, dann betreten vier strahlende Jugendliche das Wohnzimmer und setzen sich kichernd neben ihre Mutter. «Wir sind mega stolz, dass sie es geschafft hat», sagt Tochter Marina, 17. Mit 138 Stimmen Vorsprung hat Andrea Gmür, 51, das Rennen um den Nationalratssitz für sich entschieden. «Ein Fotofinish», sagt die passionierte Joggerin.

Ihren Sieg hat die Kantonsrätin auch der Familie zu verdanken. So machte Julian, 19, Botengänge für Wahlcouverts, und Valentin, 22, weibelte bei der Jungwacht um Stimmen. «Diese Unterstützung war rührend.» Auch ihr Mann Philipp, 52, CEO von Helvetia Schweiz, tuckerte mit ihr im Dreirad-Wahlmobil durch den Kanton. «Das war für mich selbstverständlich! Andrea hat ja mit mir vor 30 Jahren auch die richtige Wahl getroffen.»

Politik war bei Andrea Gmür immer Familiensache. Ihr Vater Jakob Schönenberger sass zwölf Jahre für die St. Galler CVP im Ständerat. «Wenn mir der linke Kanti-Lehrer jeweils sagte, dass mein Vater wieder komplett danebenliege, war das natürlich nicht lustig.» Dennoch entschied sich auch Gmür für die CVP. «Die Mitte liegt mir, ich suche Lösungen, keine Konflikte.»

Ein schöner Nebeneffekt der Wahl: Sie sieht Sohn Valentin öfter - er studiert in Bern. «Du kannst gern bei uns in der WG schlafen!», sagt er. «Wir gehen lieber zusammen Mittag essen», antwortet sie. Alle lachen.

SIBEL ARSLAN, 35, BASTA BASEL-STADT
Das rot-grüne Lager in Basel jubelt, die Rechte reibt sich verwundert die Augen. Mittendrin steht Sibel Arslan. Seconda mit türkisch-kurdischen Wurzeln, 35 Jahre alt, Juristin und Politikerin der Partei BastA! (Basels starke Alternative), die mit den Grünen ein Bündnis bildet. «Die Reaktionen auf meine Wahl sind überwältigend. Auf der Strasse erhalte ich Glückwünsche, mein Handy läutet unaufhörlich.»

Weniger begeistert zeigt sich die «Basler Zeitung» (BAZ), die ihr bereits jetzt den Rücktritt nahelegt. Schon im Dezember sorgte die BAZ mit einer Kampagne dafür, dass Arslan eine ihr zugesagte Stelle als Leiterin des Straf- und Massnahmenvollzugs nicht antreten konnte. Der Journalist hielt ihr unbezahlte Rechnungen und mangelnde Qualifikation vor.

Arslan zuckt mit den Schultern: «Man weiss ja, wer die BAZ führt und welche Gruppen sie destabilisieren möchte.» Und sie kontert mit einem Zitat des indischen Freiheitskämpfers Gandhi: «Zuerst ignorieren sie dich. Dann lachen sie dich aus. Dann bekämpfen sie dich. Und dann gewinnst du.» Unangenehm findet Arslan, dass sie sich wegen ihrer Herkunft immer wieder erklären muss. All die Fragen, ob sie nun Kurdin, Türkin, eine halbe oder eine ganze Schweizerin sei. «Die Schweiz ist meine Heimat, und ich bin gerne Bürgerin dieses Landes.» Und falls dies jemanden beruhige: «Mein Freund ist ein waschechter Schweizer.»

Elf Jahre alt war Arslan, als sie in die Schweiz kam. Ihr Basler Dialekt ist völlig akzentfrei. Seit zehn Jahren politisiert sie im Grossen Rat in Basel, ist Fraktionspräsidentin, in der lokalen Politik eine feste Grösse. Vor ihrer neuen Aufgabe in Bern hat sie dennoch grossen Respekt. «Es arbeiten dort viele sehr erfahrene Leute. Ich werde versuchen, meine Anliegen engagiert zu vertreten. Vor allem Umwelt- und sozialpolitische Themen und Gender-Fragen.» Daneben will sie auch die Familie und ihre Hobbys pflegen. «Die Tage sind einfach zu kurz für alles! Doch mein politisches Engagement wird bestimmt nicht nachlassen.» Das wird auch in Bern vielen gefallen. Und einigen nicht.

Weitere Porträts: In der neuen «Schweizer Illustrierten» Nr. 43 - ab 23. Oktober am Kiosk, auf Ihrem iPad oder im WebReader. Und täglich auf SI online.

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