Die neuen Nationalräte im Porträt So strahlen Sieger: Meyer (SP) & Dobler (FDP)

Scharfmacher, Single, Seconda. Bauer, Bobfahrer und Pausenclown: Die «Schweizer Illustrierte» zeigt die 8 spannendsten der 49 neuen Nationalräte. Im 1. Teil: Mattea Meyer (SP) und Marcel Dobler (FDP).

MATTEA MEYER, 27, SP ZÜRICH
Geht es um Mattea Meyer, geizen die Medien nicht mit Lob: Überfliegerin! Shootingstar! Und das ist nicht einmal übertrieben. Obwohl Meyer erst 27 Jahre alt ist, hat sie schon zehn Jahre politische Erfahrung: Mit 17 trat sie der SP bei, mit 22 kam sie in den Winterthurer Gemeinderat, mit 23 in den Kantonsrat. Und jetzt der Nationalrat! «Es ist überwältigend», sagt Meyer.

Die Politikerin wohnt in einer kleinen Zwei-Zimmer-Dachwohnung im linken Winterthurer Quartier Veltheim - wo die SP bei den Wahlen mehr als 30 Prozent der Stimmen geholt hat. In der Küche stehen Blumen vom Wahlsonntag. Zum Mittagessen wärmt sie Spaghetti mit Tomatensauce vom Vorabend. «Ich esse nur sehr wenig Fleisch», sagt Meyer.

Die linken Überzeugungen kommen nicht von ungefähr. Meyers Vater hat als Agraringenieur lange Zeit Biobauern beraten, die Mutter ist ausgebildete Kindergärtnerin und arbeitet als Bibliothekarin. Beide haben selbstverständlich immer SP gewählt. Meyers Lieblingsbuch als Kind war «Die rote Zora». «Es hat mir gefallen, wie eine starke junge Frau zusammen mit anderen gegen Ungerechtigkeit kämpft.» Das will sie nun auch in Bern tun. «Es kann nicht sein, dass die Schere zwischen den Reichen und den Armen immer mehr aufgeht.»

MARCEL DOBLER, 35, FDP ST. GALLEN: DER SIEGERTYP
Marcel Dobler hat einen politischen Blitzstart hingelegt. Ohne jegliche Erfahrung holt der 35-Jährige als Nummer 5 auf der St. Galler FDP-Liste einen Sitz im Nationalrat. «Ich gebe immer Vollgas, gell», sagt Dobler zu seinem Piloten Pius Meyerhans und geht in die Hocke. «Gut?», ruft dieser. «Gut, los!», schreit Dobler. Die beiden schieben den 200-Kilo-Bob in wenigen Sekunden aus dem Startplatz in Meyerhans' Scheune, springen in den Schlitten und rollen die kurze Trainingsbahn hinunter - auf Schienen statt auf Eis.

Dobler ist gut im Schuss: 100 Meter schafft er in 11 Sekunden. «Unsere Mission ist die Qualifikation für die WM», sagt er ganz unbescheiden. Der 35-Jährige ist ein Siegertyp. Vor 14 Jahren gründet er als Informatikstudent zusammen mit zwei Gamer-Kollegen die Firma Digitec. «Wir haben zwar nicht gerade in der Scheune angefangen, aber ganz einfach in einer 25-Quadratmeter-Wohnung.» 2012 verkaufen sie das inzwischen führende Online-Unternehmen für IT- und Unterhaltungselektronik für eine zweistellige Millionensumme an die Migros. Zwei Jahre später steigt Dobler aus. «Ich müsste nicht mehr arbeiten. Aber einfach rumliegen, das macht doch nicht glücklich!»

Er holt sein abgebrochenes Studium nach, verbringt viel Zeit mit seiner Frau und den zwei Kindern (14 Monate und 2 Jahre alt) und bereitet den Einstieg in die Politik vor. «Als Unternehmer hat mich Politik schon immer interessiert.» So will er sich etwa für günstigere Parallelimporte engagieren. Deshalb hat er bereits während des Wahlkampfs einen Internetpranger gegen überhöhte Preise lanciert. In Bern möchte er seine Qualitäten als Teamplayer einbringen. Und wer weiss, vielleicht sitzt bald ein Bob-Weltmeister im Nationalrat!

 

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Posted by Marcel Dobler on Dienstag, 20. Oktober 2015


Weitere Porträts: In der neuen «Schweizer Illustrierten» Nr. 43 - ab 23. Oktober am Kiosk, auf Ihrem iPad oder im WebReader. Und täglich auf SI online. 

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