Profi-Tipps für fröhliche Weihnachten Damit es nicht kracht unterm Tannenbaum

Es ist das Familienfest des Jahres - Weihnachten. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Die Fallhöhe ist umso grösser. Wie lässt sich der Zoff unter dem Tannenbaum vermeiden? Wie gehen Singles mit dem Fest der Liebe um und wie Paare, ohne in eine schwere Krise zu stürzen? SI online hat sich Rat vom Experten geholt.
Weihnachten 2014 Familie Streit Erwartungen
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Besinnliche Weihnachten sind möglich - aber es steckt Arbeit dahinter.

Die Kerzen brennen, die ganze Familie ist zusammengekommen, die Geschenke unter dem Christbaum drapiert und das Essen ist bereit: Weihnachten könnte so harmonisch sein. Ist es aber vielfach nicht. Oft krachts, oft fliegen die Fetzen, oft sprechen Mutter und Tochter kein Wort mehr miteinander. Der Grund? Für den Psychologen Thomas Spielmann liegt der auf der Hand: «Viele streiten an Weihnachten, weil sie unter keinen Umständen streiten wollen. Es gibt einen grossen Erwartungsdruck. Man will sich und anderen beweisen, dass man eine tolle Familie ist. Auch wenn man es das Jahr über nicht ist.» Viele würden auch an den Weihnachtserinnerungen aus ihrer Kindheit hängen. «Dass früher Weihnachten auch nicht immer schön war, wird ausgeblendet.» Ein zweiter Grund für Zoff am Fest der Liebe ist der Stress in der Vorweihnachtszeit, sagt Spielmann. «Berufstätigen bleibt keine Zeit, sich auszuruhen. Da geht man vorbelastet in diese heiligen Tage.»

Die Tipps, die Spielmann nennt, damit es nicht kracht, sind eigentlich ganz einfach:

1. Luft holen und Luft ablassen
«Wer beinahe 24 Stunden am selben Tisch sitzt, muss Stresshormone und Cortisol abbauen. Da hilft ein ausgedehnter Spaziergang mit einem kleinen Feuer am Waldrand. Die Kleinen können sich austoben und zünden so sicher nicht den Weihnachtsbaum daheim an.»

2. Emotionale Gesprächsthemen meiden
«Weihnachten ist nicht die Zeit, um sich emotional blosszustellen. Man hockt ja auch nicht in Slip und Unterhose am Festtagstisch. Emotionale Themen, schwelende Konflikte sollte man besser nicht anschneiden. Jeder Erwachsene wird hier in die Pflicht genommen. Wenns doch krachen sollte, kommt wieder Tipp 1 zum Tragen: raus gehen!»

3. Organisation ist alles
«Deutsche, Österreicher und auch wir Schweizer sind begabte Organisatoren. Ausser an Weihnachten. Hochzeiten werden ja auch bis ins Detail geplant - warum also nicht auch die kommenden Festtage? Wer ist verantwortlich wofür, wer bereitet was vor, wer bringt was mit - diese Fragen müssen im Voraus geklärt werden.»

4. Respekt dem anderen gegenüber
«Weihnachten sind nicht die Tage der Liebe, sondern vielmehr die Tage des gegenseitigen Respekts. Sich spontan an Weihnachten lieben, funktioniert nicht. Aber sich respektieren geht gut.»

5. Für Paare, die zu zweit feiern: miteinander reden
«Zuerst sollen beide Partner für sich überlegen, wie sie die Weihnachtsfeiertage verbringen möchten - das aber nicht erst am 24. Dezember um 17 Uhr, sondern im Vorfeld. Dann tauscht man sich aus. Man schaut sich tief in die Augen und klärt, wozu man für den anderen bereit ist. Die Rede ist von Kompromissen. Jeder sollte auf den anderen zugehen können. Dann ist die Chance auf fröhliche Weihnachten bedeutend grösser.»

6. Für Singles: Auseinandersetzung mit dem Allein-Sein
«Singles müssen sich folgende Fragen stellen: Bin ich Single, weil ich vor etwas davonlaufe? Dann wird es die Person an Weihnachten einholen, weil die Flucht wie ein Damoklesschwert über einen hängt. Oder: Lautet die Antwort ‹Ich bin Single, weil es meine bewusste Entscheidung ist?›, dann verbringt man Weihnachten mit der Person, mit der man es am besten aushält - mit sich selbst. Die Gefahr, dass man sich mit Joints und Alkohol zudröhnt, ist dadurch gering.»

7. Lieber allein als mit der Familie
«Familien, die ohnehin schon total zerstritten sind, deren Jahr von Fehden geprägt ist, rate ich, getrennt zu feiern. Wichtig ist aber auch hier, es den anderen Familienmitgliedern im Vorfeld mitteilen.»

8. Spielmanns Quintessenz
«Man sollte sich den Satz zu Herzen nehmen, den ich in Neuseeland gehört habe: ‹If you can't be with the ones you love, love the ones you're with.› Wenn man nicht bei seinen Liebsten sein kann, dann soll man die lieben, mit denen man zusammen ist. Mein Wunsch ist es, viele Menschen während der Feiertage draussen in der Natur zu sehen.»

SI online wünscht friedliche Weihnachten!

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