Muss das wirklich sein? Bier nach Tiger geworfen: Partys im Zoo arten aus!

Die Menschen reissen sich darum - die Tiere fürchten sich wohl eher davor: Im Sommer öffnet der Londoner Zoo jeden Freitagabend seine Pforten fürs Partyvolk. Auch in Zürich veranstaltet der Zoo Events, allerdins ohne Zwischenfälle, wie ein Sprecher gegenüber SI online betont.

Was machen Londoner Partygänger zwischen Vorglühen und Clubbesuch? Sie gehen in den Zoo. Der öffnet während der heissen Sommermonate jeden Freitagabend von 18 bis 22 Uhr, damit die Erwachsenen auch mal ohne Kinder die Tiere geniessen können. Nur wird Geniessen von manchen Besuchern offenbar falsch verstanden. Wie Theguardian.com schreibt, ist der Schutz der Tiere durch das teilweise betrunkene Partyvolk nicht mehr gesichert.

Erst neulich habe ein Mann ein Bier nach einem Tiger geworfen. Kurz zuvor habe ein anderer Besucher versucht, in den Pinguin-Pool zu kommen, um mit den exotischen Vögeln eine Runde zu schwimmen. Und ein Dritter habe im Alkoholrausch einen Zoowärter gefragt, mit welchem Pinguin sich eine Schlägerei am meisten lohnen würde. Zudem habe vor zwei Jahren eine Gruppe gar ein Terrarium beschädigt, sodass beinahe zwei Schlangen entkommen seien.

IM RAUSCH AUF SCHMETTERLINGE GESTANDEN
Samantha McConnell, eine Besucherin des Events, berichtet von ihrem «Party-Abend» im Zoo. Sie habe beobachtete, wie eine betrunkene Frau in die Voliere getaumelt sei und dabei versehentlich einen Vogel mit einem Zweig getroffen habe. «Der Vogel fiel zu Boden und sie sagte nur ‹Oh, sorry›. Ich konnte es nicht glauben.» Zudem seien gewisse Besucher im Schmetterlingsgehäuse unvorsichtig gewesen und hätten die Tiere am Boden erdrückt. «Ich glaube Party, Alkohol und Tiere sind keine gute Kombination.»

Die Vorfälle sorgen bei Tierschützern und Zoo-Insidern für rote Köpfe. «Während des Tages ist das Wohlbefinden der Tiere und der Naturschutz von grösster Priorität. Am Abend scheint das nicht mehr zu gelten. Die Tiere werden dann wie Ware behandelt. Das sollte nicht der Sinn und Zweck eines Zoos sein. Aber es bringt halt viel Geld ein», beschwert sich ein anonymer Zoo-Kenner.

Eine Sprecherin des Londoner Zoos wehrt sich. Viele Besucher kämen in grossen Gruppen, um Geburtstage oder Junggesellenabschiede zu feiern. Nur wenige Menschen hätten sich bisher daneben benommen. «Wir würden Alkohol verbieten, wenn es nötig wäre. Jedoch sehen wir momentan keinen Grund, das zu tun.» Auch auf den Lärmpegel werde geachtet. Mit einer «Silent Disco»: Die Besucher hören die Musik via Kopfhörer, um die Tiere nicht zu stören. Insider jedoch berichten, es werde regelmässig laut gesungen oder herumgeschrien.

Hierzulande sind solche Zustände laut Dr. Robert Zingg, Senior Kurator des Zoos Zürich, nicht denkbar. Es gäbe feste Wege für die Menschen, die nicht verlassen werden dürfen. Tiere anzufassen ist - ausser im Zoolino - ein absolutes Tabu. Zwar sei im Sommer samstags ebenfalls mehrmals bis 22 Uhr offen - bei der Nacht der Museen gar bis 2 Uhr -, doch laut Zingg gebe es nur selten Probleme. «Die Besucher kann man sich nicht immer aussuchen. Aber verletzt jemand die Regeln, ist es wichtig, dass der Zoo entsprechend reagiert.» Im Fall des Londoner Zoos gehe er davon aus, dass der Zoo «entsprechende Massnahmen trifft oder die Übung abbricht», sollte sich der Event wegen mangelnder Disziplin der späten Besucher nicht weiter bewähren.

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