Kambodscha Zweijähriger Wunderheiler? Alle reissen sich um Kong Keng

Ausgerechnet ein Knirps soll Blinde wieder sehen und Lahme wieder gehen lassen. Weil er anscheinend seinen Grossvater auf wundersame Weise geheilt hat, pilgern nun tausende Kranke in ein kambodschanisches Dorf. Mit der Hoffnung, von dem zweijährigen Kong Keng erlöst zu werden.
Wunderheiler Kong Keng aus Kambodscha
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So klein und schon so berühmt: Dem zweijährigen Kong Keng werden übernatürliche Kräfte nachgesagt.

Sein Name klingt wie King Kong. Na gut, vielleicht fast - und wenn man die beiden Wörter umdreht. Doch Kong Keng soll mindestens genau so stark wie der Kult-Affe sein. Mental, jedenfalls. Denn kräftemässig kann der gerade mal zwei Jahre alte Dreikäsehoch noch nirgends mithalten. Dass man dem kambodschanischen Kind magische Kräfte zuspricht, kommt davon, dass er seinen Opa geheilt haben soll. «Wir haben seine übernatürlichen Kräfte entdeckt, als sein Grossvater krank wurde und er ihn geheilt hat», sagt seine Mutter Sueun zur Nachrichtenagentur DPA. Wie, will sie aber nicht erklären. 

Seit die Geschichte von Kong Keng im Radio lief, ist es in dem beschaulichen Dorf Khnor, das drei Autostunden von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt liegt, vorbei mit der Ruhe. In Kleinlastern, auf Mopeds oder Schubkarren werden tausende Kranke angekarrt - mit dem Wunsch, der kleine Junge möge sie auf wundersame Weise heilen. Ihre oftmals letzte Hoffnung in einem kranken Gesundheitswesen. Die Spitäler sind unterfinanziert, Ärzte verdienen so schlecht, dass sie von den Patienten Schmiergelder verlangen, die jedoch aufgrund der Armut fast nicht aufgebracht werden können. Da sind die 4000 Riel, also umgerechnet rund 90 Rappen, gerade noch so zahlbar. Erst recht, wenn der Junge das halten sollte, was seine Eltern versprechen. 

Im Dorf Khnor soll Wunderheiler Kong Keng Kranke heilen
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Tagtäglich pilgern Hunderte Menschen ins Dorf Khnor. Sie alle hoffen auf die Hilfe von dem angeblichen Wunderheiler-Kind.

Es herrscht eine Art Goldgräberstimmung in Khnor. Jeder will von dem Kranken-Tourismus profitieren. Es gibt Stände mit Mangos, Kokosnüssen und Enteneier. Gar billiges Plastikspielzeug wird feilgeboten - das sei doch ein nettes Mitbringsel für den Wunderknaben, lockt der Verkäufer. Doch der ist nur noch schwer mit Geschenken zu ködern. Zu gross ist der Rummel um seine Person geworden. Der Kleine sei oft genervt, sagt seine Mutter, eine Bäuerin. Deshalb würden den Weitgereisten oft nur ein paar Pflanzenblätter in die Hand gedrückt, die das Kind gesegnet habe. Die solle man dann gemäss der Familie zu Hause aufbrühen.

Das Geschäft läuft blendend: Gemäss Dorfvorsteher Sou Hen werden pro Tag bis zu 700 Blättersträusse verkauft. Tendenz steigend. Auf die Frage, ob sich die Leute nicht davor fürchten, einem Riesenschwindel aufzusitzen, schaut man überrascht drein. Schliesslich, so behauptet man, hätten viele Menschen den Ort geheilt verlassen. Die jedoch lassen sich aber weit und breit nicht finden.

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