Aus den Fängen von Tierquäler Ulrich K. gerettet «Armer Teufel» sucht ein neues Zuhause

Tierretter Armee! Oberst Liechti und seine Rekruten päppeln in Schönbühl BE die Tiere vom Hof des Thurgauer Tierquälers Ulrich K. auf. Am Donnerstag werden sie verkauft. Brisant: Der Erlös geht an den Tierquäler!
Tierquäler Hefenhofen Oberst Jörg Liechti
© Remo Naegeli

Oberst Jürg Liechtis grösstes Sorgenkind: Diese rund zehn Jahre alte Stute. Er nennt sie schlicht «armer Teufel».

Oberst Jürg Liechtis grösstes Sorgenkind ist schwarz, weiblich, geschätzte zehn Jahre alt und hat die Nummer 8 auf ihrem rechten Vorderhuf eingebrannt. Rasse und Name der Stute mit den dunklen traurigen Augen kennt Liechti nicht. Er nennt sie schlicht «armer Teufel».

Statt einem kräftigen geraden Rücken zieht sich die schwarze Haut direkt über die Wirbelsäule des Tieres. Statt runder, musklöser Füddlibaggen, stehen ihre Hüftknochen wie bei einem heruntergehungerten Model hervor. «So etwas zu sehen tut mir weh», sagt Liechti.

Der arme Teufel und 92 weitere Pferde  sind derzeit die wohl meistbeachteten Tiere der Schweiz. Sie alle stammen vom Hof des Thurgauer Tierquälers Ulrich K. Die grausigen Bilder einer ehemaligen Mitarbeiterin, die den Skandal an die Öffentlichkeit brachten, haben nicht nur Tierschützer erschüttert: Fohlen, die verdreckt und bis auf die Rippen abgemagert leblos im Heu liegen, verschimmeltes Brot in den Futtertrögen, rosa glänzende Wunden. Besonders tragisch: Obwohl ihr Besitzer Ulrich K. bereits 2011 wegen Tierquälerei verurteilt wurde, durfte er weiter Pferde halten.

Tierquäler Hefenhofen Ulrich K.
© ZVG

Ulrich K. wurde bereits 2010 wegen Tierquälerei verurteilt. Dennoch durfte er weiterhin Pferde halten.

Seit einer Woche kümmern sich Oberst Liechti und seine Rekruten im Kompetenzzentrum Veteriärdienst und Armeetiere in Schönbühl bei Bern um die Pferde. «Als am vergangenen Montag der Anruf kam, ob ich innerhalb von einem Tag 60 Pferde zu uns transportieren und aufnehmen kann, schluckte ich zwar erst mal leer. Doch es war völlig klar, dass ich da zusage!»

Und selbst als sich herausstelle, dass es 93 statt 60 Tiere sind, machte Liechti keinen Rückzieher. Um Platz zu schaffen liess er für seine 50 Armeepferde Zelte aufstellen oder verschob sie in andere Stallungen. Pferde sind die grosse Leidenschaft des Tierarztes und Vaters zweier Buben. Zu Hause im Berner Seeland besitzt er zwei eigene Pferde. «Es sind nicht nur wunderschöne kraftvolle Tiere, sie sind auch sehr sensibel.»

Die Stuten gaben alles für ihre Fohlen

Viele der Pferde vom Thurgauer Hof kamen in einem stark verwahrlosten Zustand nach Schönbühl: Verkotetes Fell, zerzauste Mähnen, viel zu grosse Hufe. Doch Gewalt musste laut Liechti wohl keines erleiden. «Man kann sie gut am Kopf streicheln. Das wäre nie möglich, wenn die Tiere geschlagen wurden.» Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht schaut Liechti den zehn Freiberger Stuten und ihren Fohlen beim Grasen zu.

Für die Muttertiere und ihre Kinder hat die Armee extra eine eigene Weide eingezäunt. «Sie brauchen besonders viel Aufmerksamkeit. Die Stuten sind völlig ausgesaugt!» Sie hätten alles dafür gegeben, damit ihre Kinder nicht verhungern müssen. 47 Train-, 20 Veterinärdienst- und vier Hufschmiedrekruten päppeln die Tiere auf. Gerade die Hufschmiede haben viel zu tun. Weil sich die Pferde im Thurgau fast nicht bewegen konnten sind ihre Hufe viel zu lange gewachsen. «Das sind wie bei Menschen die Fussnägel. Nun sind sie bei den Pferden so lange, dass sie darauf stehen wie auf Bananen!» Auch der «arme Teufel» bekommt eine Manicure. Und lässt die Prozedur seelenruhig über sich ergehen.

Tierquäler Hefenhofen Oberst Jörg Liechti
© Remo Naegeli

Bei den verwahrlosten Pferden sind die Hufe viel zu lange gewachsen. Nun bekommt der «arme Teufel» eine Manicure.

Noch bis am Donnerstag sind die Pferde in Schönbühl in Pflege. Dann werden sie verkauft. «Ziel ist, dass bis Ende Woche die Mehrheit der Pferde ein neues zu Hause hat», sagt Liechti. Auch der «arme Teufel». Dieser brauche besonders viel Pflege. «Es kann Monate dauern, bis er wieder ganz bei Kräften ist!»

Beim Veterinäramt des Kantons Thurgau gehen derzeit hunderte Telefonate ein von hilfsbereiten Menschen, die sich für eines der Pferde interessieren oder Geld spenden möchten. Pikant: Das Geld für den Verkauf der Pferde geht an Ulrich K. «Der Erlös steht nach Abzug aller Kosten des Kantons Thurgau Ulrich K. zu», schreibt Walter Hofstetter, Leiter Informationsdienst des Kantons Thurgau, auf die Anfrage der «Schweizer Illustrierten».

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