Check-up Hippiedroge reduziert Angstgefühle

Vor 75 Jahren entdeckte der Schweizer Chemiker Dr. Albert Hofmann LSD. Jetzt erlebt die Droge eine Renaissance in der Forschung und Therapie von psychischen Krankheiten.  
Hippiedroge reduziert Angstgefühle
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Explodierende Farben und Formen Darüber berichtete Albert Hofmann nach seinem Selbstversuch. 

Der Selbstversuch von LSD-Entdecker Dr. Albert Hofmann vor mehr als 75 Jahren war eher eine erschreckende Erfahrung. Sehstörungen, Schwindel, Angstgefühle, Lähmungen stellten sich kurz nach der Einnahme ein. Erst Stunden nach dem Rausch berichtete er über ein fantastisches Farben- und Formenspiel: «Es drangen bunte Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schliessend, in Farbfontänen zersprühend.»

Sechs Jahre später brachte Sandoz LSD unter dem Namen Delysid auf den Markt. Bis 1970 wurde es zur Therapie von Depressionen, Angst und Alkoholsucht eingesetzt. LSDGuru und Psychologie-Professor Timothy Leary pries die Wunderdroge als neues Lebensgefühl, und LSD nahm Einzug in die Hippie- und Flower-Power-Bewegung. Überdosierungen mit schlimmen Folgen brachten die Droge in Verruf. Nachdem LSD 1966 von den USA verboten wurde, zogen andere Staaten nach. 1973 war es zum letzten Mal einem Therapeuten erlaubt, Patienten mit LSD zu behandeln.

Mit dem Verbot wurde auch die Forschung weltweit verunmöglicht. Mit einer löblichen Ausnahme: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erteilte 1988 einigen Schweizer Psychiatern eine Bewilligung, um psychisch kranke Menschen mit LSD zu behandeln. 2008 führte der Solothurner Psychiater Peter Gasser erstmals weltweit eine Pilotstudie mit zwölf Patienten durch, die unter starken Ängsten litten. Die einen bekamen LSD, die anderen Placebo. Die Angst der LSD-Probanden nahm nach zwei Monaten deutlich ab.

Die neuste Studie zu LSD kommt von der Universität Basel. Wissenschafter der Universitären Psychiatrischen Kliniken konnten in einer Studie nachweisen, dass LSD die Aktivität einer Hirnregion reduziert, die für die Verarbeitung von negativen Emotionen wie Angst von zentraler Bedeutung ist. Bei der Studie wurde die Gehirnaktivität von 20 gesunden Personen nach Einnahme von 100 Mikrogramm gemessen. Während eines MRI wurden den Probanden Bilder von Gesichtern gezeigt, die Wut, Freude oder Angst wiedergeben. Die Darstellung von Angst führte unter LSD zu einer deutlich niedrigeren Aktivität dieser Hirnregion. Die Resultate könnten für die Behandlung von Depressionen oder Angststörungen von Bedeutung sein.

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