Check-up Wehen Linderung per Knopfdruck

Eine neue Studie zeigt: Der Wirkstoff Remifentanil ist anderen Opiaten zur Schmerzbekämpfung während der Geburt überlegen. Der grösste Vorteil: Die Substanz baut sich innerhalb von Minuten ab – bei der Mutter und beim Kind.
 Wehen Linderung per Knopfdruck
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Schmerz, lass nach! Bei Geburten werden Opiate meistens per Periduralanästhesie (PDA) verabreicht. Eine Alternative ist die Gabe direkt über die Vene der Mutter.

Bei manchen reicht die richtige Atemtechnik, bei anderen braucht es potente Medikamente. Die Stärke der Wehenschmerzen variiert von Frau zu Frau. «Opiate haben unter der Geburt eine gute Wirkung», sagt Dr. Monya Todesco, Chefärztin Geburtenabteilung des Kantonspitals Aarau. «Untersuchungen zeigen aber auch klar, dass bei einer Eins-zu-eins-Betreuung mit einer Hebamme weniger Schmerzmittel verabreicht werden.»

In einer neuen Studie, die kürzlich im Fachblatt «The Lancet» vorgestellt wurde, fordern britische Wissenschafter ein Umdenken im Umgang mit Opiaten während der Geburt. Die Forscher verglichen die beiden Substanzen Pethidin und Remifentanil. Beide werden geschluckt oder gespritzt und gelangen über die Plazenta auch zum Ungeborenen. Das Ergebnis der Vergleichsstudie: Unter Remifentanil verlangten die Frauen nur halb so häufig (19 statt 41 Prozent) nach einer PDA als mit Pethidin. Zudem kamen während der Geburt seltener Zangen oder Vakuumglocken zum Einsatz.

Im Kantonsspital Aarau wird seit vier Jahren nur noch Remifentanil als Opioid gegen Wehenschmerzen verwendet. «Wir haben Pethidin bewusst abgesetzt. Die Anwendung ist bei Geburten mit starken Nebenwirkungen verbunden, vor allem beim Neugeborenen», erklärt Dr. Monya Todesco. Die Babys seien danach schläfrig, leiden unter Atemunregelmässigkeiten bis zu Atemstillstand und hätten weniger Interesse, an der Brust zu trinken. Der Grund: Nach zwei bis drei Tagen hat das Neugeborene noch immer die Hälfte des Pethidins im Körper.

Remifentanil wird innert Minuten abgebaut – bei der Mutter und beim Kind. Die Frauen können per Knopfdruck sogar selber über den Zeitpunkt der Verabreichung entscheiden. Ganz wichtig: «Die Anwendung von Remifentanil braucht eine genaue Überwachung der Mutter. Das grösste Risiko wäre ein Atemstillstand bei Überdosierung», sagt Dr. Todesco.

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