Check-up Aids Eine Impfung in Sicht?

Breit wirkende Antikörper und die Gensequenz des HI-Virus sind entscheidende Faktoren für die Entwicklung einesImpfstoffs gegen Aids. Zürcher Forscher sind einer möglichen Impfung gegen HIV nähergekommen.
Aids Eine Impfung in Sicht?
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Das HI-Virus ist extrem wandlungsfähig. Die Gestalt der Virushülle verändert sich rasant schnell von einer Generation zur nächsten.

Rund 20 000 Menschen in der Schweiz leben mit HIV, dem Verursacher der Immunschwächekrankheit Aids. Laut dem Bundesamt für Gesundheit wurden 2016 – Zahlen für 2017 sind noch nicht erhältlich – in der Schweiz 542 neue HIVDiagnosen gestellt. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von einem Prozent. Zuvor hatten die HIV-Neuinfektionen seit dem Jahr 2008 fast ausnahmslos abgenommen. Dieser abnehmende Trend hat sich somit das zweite Jahr in Folge nicht mehr fortgesetzt. Der Frauenanteil bei den Neudiagnosen beträgt 22 Prozent.

Als Forscher in den 80er-Jahren das HI-Virus identifizierten, waren sie sicher, dass eine Impfung gegen das Virus nur eineFrage der Zeit sei. Ihre Vorstellung: Man nimmt abgetötete HI-Viren und spritzt sie dem Patienten. Das Immunsystem speichert typische Merkmale ab und ist so für eine Begegnung mit dem echten Virus gewappnet. Bei anderen Viruserkrankungen funktioniert das. Nicht so leider bei HIV. Denn es gibt nicht nur ein Virus, sondern eine extrem genetische Vielfalt von Virusstämmen, und dazu sind sie noch überaus wandlungsfähig. Die Gestalt der Virushülle verändert sich rasant schnell von einer Generation zur nächsten.

Zwar verfügen wir heute über Behandlungen wie die hochaktive antiretrovirale Therapie, die die Krankheit in Schach hält. Sie setzt die Viruslast herab, verlängert dadurch das Leben der Patienten. Eine Entfernung des Virus aus dem Körper wird dadurch allerdings nicht erreicht.

Wissenschafter der Universität Zürich und des Universitätsspitals sind einem HIV-Impfstoff möglicherweise einen Schritt nähergekommen. Ihre Erkenntnis: Rund ein Prozent der HIV-infizierten Menschen produzieren Abwehrstoffe, die sich gegen die meisten Virusstämme richten. Diese breit wirkenden Antikörper sind der Schlüssel zu einem wirksamen Impfstoff gegen HIV. Um einen effektiven Impfstoff gegen HIV entwickeln zu können, muss aktiv nach den Virusstämmen gesucht werden, die zur Bildung von breit wirkenden Antikörpern führen.
Einen Kandidaten haben die Forschenden in Zürich bereits gefunden. Basierend darauf wollen sie nun mit der Entwicklung eines Immunogens beginnen. Die Studie wurde im Fachblatt «Nature» publiziert.

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