Schon gefahren: Mercedes G-Klasse Denkmalpflege

Selbst nach 33 Jahren lässt Mercedes den G nicht sterben. Im Gegenteil: Der sich weiterhin blendend verkaufende Kult-Offroader erhält eine Modellpflege und auch noch einen V12.
Rustikal: Auch nach der Modellpflege bleibt die G-Klasse aerodynamisch wie eine Schrankwand. Den Fans gefällts, wozu also ändern?
Rustikal: Auch nach der Modellpflege bleibt die G-Klasse aerodynamisch wie eine Schrankwand. Den Fans gefällts, wozu also ändern?

Hip ist, wer Mercedes G fährt. Selbst Papst Benedikt hat einen im Fuhrpark – in unschuldigem Weiss natürlich. Und dennoch erstaunt, dass die Nachfrage nach dem seit über drei Jahrzehnten fast unverändert gebauten und mittlerweile arg rustikalen Geländesaurier trotz happigen Preisen nicht abreisst. Stolz verrät der Marketingverantwortliche Mathias Geiser: «Im letzten Jahr haben wir mit weltweit 6600 Exemplaren wieder einen neuen Rekord aufgestellt, notabene im 32. Produktionsjahr.»

Nur logisch, dass die Designer an der Bauernschranksilhouette nichts ändern durften – ein neuer Kühlergrill und LED-Tagfahrlichter, mehr nicht. Innen und technisch dagegen wurde, das ist das Erfolgsgeheimnis, einmal mehr alles auf neuen Stand gebracht: Das Cockpit durfte modernisiert werden und wurde bedienfreundlicher den Limousinen angepasst. Aber selbstverständlich musste der charakteristische Haltegriff auf der Beifahrerseite bleiben. Stellt sich Otto Normalautofahrer schon die Frage, warum in einer so nachhaltigen Zeit so viele Menschen weiterhin GKlasse kaufen, versteht er noch weniger, weshalb sich über 40 Prozent auch noch für die leistungsstärksten und exorbitant teuren AMG-Varianten entscheiden. Kostet doch der nun erstmals mit einem 6,0 Liter grossen V12 angebotene G 65 AMG atemberaubende CHF 356 000.– und ist damit das zurzeit teuerste Mercedes-Modell. Gut, der stolze Besitzer erhält dafür einen 2,6 Tonnen schweren Koloss mit 612 PS und 1000 Nm Drehmoment, der dumpf grollend in 5,3 Sekunden auf Tempo 100 sprintet und bis zu (elektronisch begrenzten) 230 km/h schnell wird. «Das braucht zwar keiner», gibt Geiser zu, «aber es macht sich auf den Boulevards in Amerika, China oder im Nahen Osten gut.»

 

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