Schweizer Illustrierte Ein Kaktus ist keine Bombe

Tagebuch von Nik Niethammer, Chefredaktor.
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Ricardo Lumengo Wer ihn bekommt, ärgert sich. Manchmal grün und blau. Einige schmeissen ihn auf den Kompost. Andere greifen in die Tasten, schreiben böse Briefe. Beschimpfen den Chefredaktor für die zu Unrecht vergebene stachelige Schelte.
Wir wissen längst: Der Kaktus der Schweizer Illustrierten sticht.

Dass unser «Präsent» aber gleich ein ganzes Quartier in Aufregung versetzt, überrascht auch uns. Das kam so: Am Montag vergangener Woche öffnet Ricardo Lumengo, Berner SP-Nationalrat angolanischer Herkunft, zu Hause in Biel ein Express-Paket. Darin habe er «ein rundes Ding ausgemacht, von Zeitungspapier umwickelt», erzählt der 48-Jährige. «Als ich es auspacken wollte, hat es mich gepikst.» Lumengo stutzt, läuft zur Nachbarin. Diese rät ihm, sofort die Polizei zu alarmieren – sie vermutet eine Paketbombe!

Minuten später stehen zwei Polizisten und zwei Sprengstoff-Experten in Lumengos Stube; in Vollmontour und mit einem Röntgengerät im Gepäck. Vorsichtig untersuchen sie das ominöse Paket, Lumengo bringt sich währenddessen auf dem Balkon in Sicherheit.

Nach bangen Minuten die erlösende Erkenntnis: Im Paket steckt keine Bombe, sondern ein Kaktus. Absender: Schweizer Illustrierte. Wir schickten ihn Lumengo, nachdem er sich geweigert hatte, sein Nationalsratsmandat niederzulegen – obwohl er vom Strafgericht Biel-Nidau wegen Wahlfälschung verurteilt worden war.

Während der Polizeiaktion sei die Anspannung im Quartier gross gewesen, sagt der Politiker. Der Amoklauf des Bieler Rentners Peter Hans Kneubühl im September habe Spuren hinterlassen. «Zum Glück ging die Sache gut aus. Und die Polizei stellt mir keine Rechnung.»

Etwas peinlich sei ihm die Angelegenheit im Nachhinein schon, gibt Lumengo zu. Er werde den Kaktus deshalb besonders liebevoll hegen und pflegen.
Seien Sie versichert, lieber Herr Lumengo, wir werden das überprüfen!

Dr. Beat Richner Der grosse deutsche Journalist Hanns Joachim Friedrichs («Tagesthemen») hat einmal gesagt: «Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemeinmacht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.»

Geht es nach Friedrichs, den ich sehr bewundere, bin ich kein guter Journalist. Denn ich mache mich gemein. Gemein mit der Sache von Kinderarzt Dr. Beat Richner. Was er seit nunmehr 19 Jahren in Kambodscha leistet, ist herausragend, bewundernswert, übermenschlich. Ich habe mich bei meinem Besuch im Juli mit eigenen Augen überzeugen können.

Ich bitte Sie, liebe Leserin, lieber Leser, deshalb von ganzem Herzen: Unterstützen Sie Beat Richner, spenden Sie für die Kinderspitäler von Kantha Bopha! Den Einzahlungsschein finden Sie auf Seite 35!
Ich wünsche Ihnen eine besinnliche erste Adventswoche mit Ihrer Schweizer Illustrierten!

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