«Le Trianon» Luzern Jung, mutig und mal etwas anders

Wir empfehlen, jede Schwellenangst zu diesem Fünfsternehaus zu überwinden. Denn Markus Thomczyk gehört zu den besten Köchen der Stadt.
Neues Interieur Seit dem Umbau fühlen sich hier alle wohler – auch Küchenchef Markus Thomczyk und Hoteldirektor Michael Hoferer (l.).
© Bruno Voser Neues Interieur Seit dem Umbau fühlen sich hier alle wohler – auch Küchenchef Markus Thomczyk und Hoteldirektor Michael Hoferer (l.).

 Das «Trianon» im vornehm-schönen Grand Hotel National wurde gründlich entstaubt. Helles Parkett und moderne Möbel haben Einzug gehalten in den historischen Mauern, und auch Luzerns schönste Hotelbar kriegte eine Frischzellen-Kur. Das «neue» Restaurant passt besser zum Chef: Markus Thomczyk, 32 Jahre jung, mags auch mal unkonventionell und unerschrocken. Er gehört zu den besten Köchen der Stadt.

Was kommt aus der Küche? Zunächst mal gar nichts. Die Brigade wills besonders gut machen, lässt sich gehörig Zeit bis zum ersten Gang. Dafür zündet sie ein echtes Feuerwerk! Die Suppe? Flusskrebse, Kalbsragout und erfreulich dosierter Kaviar liegen bereits im Teller, dann wird eine wunderschöne Kartoffel-Lauch-Creme dazugegossen.

Vitello tonnato? Thomczyk kombiniert mit höchster Eleganz Thunfisch und Kalb, Kapern und Meerrettich. Gänseleber? Wir kriegen eine ziemlich entfesselte Interpretation – die Leber perfekt gebraten, dazu Calvados-Apfelpüree und eine XXL-Räucheraalpraline. Carpaccio? Ein Zander muss unters scharfe Messer, wird mit sautierten Pilzen und Gemüse gratiniert, erntet Applaus am Tisch.

Die Hauptgänge? Thomczyks Kreationen sind nicht gerade federleicht, die Teller reichlich beladen. Beispiel Duo vom Kalb: Die Kalbskopfbacken sind sauber geschmort, das Filet kriegt noch eine «Zwiebelhaube» ab, Pilze und gefüllte Kartoffelwürfel gibts auch noch.

Beispiel lackierter Schweinebauch: Die Würfel von der Sau werden mit grillierten Jakobsmuscheln, geschmorten Äpfeln, Pak Choi und Kräuter-Kartoffelstampf serviert. Beispiel Wolfsbarsch: Er wird confiert, auf Belugalinsen mit Estragonbrandade und violetter Senfsauce serviert. Das alles ist untadelig zubereitet, aber wir vermuten: Etwas weniger (an Komponenten) wäre mehr!

Wir kommen wieder – spätestens im Sommer, wenn die mutige «Trianon»- Küche draussen an Quai und See serviert wird.

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