«Viva» in Oberwil BL Mutig, aber sorgfältig

Kreativ und klassisch auf sehr hohem Niveau: Die Küche von Erik Schröter imponiert und bereichert die Basler Szene. Auch die Weinkarte kann mithalten.
Überzeugend: Küchenchef Erik Schröter und Restaurantbesitzer Philipp Oser bieten, was Gourmets mit hohen Ansprüchen wünschen.
© Dick Vredenbregt Überzeugend: Küchenchef Erik Schröter und Restaurantbesitzer Philipp Oser bieten, was Gourmets mit hohen Ansprüchen wünschen.

Dass hier ein ambitionierter Koch am Werk ist, zeigt schon die Karte. Sie passt zum Lokal mit den grosszügig platzierten Tischen, zur perfekten Mise en place und zu den engagierten Servicemitarbeitern. Philipp Oser, IT-Unternehmer und Besitzer des neuen Lokals, hat Erik Schröter von Ungarn nach Oberwil geholt. Einen Koch, der im Osten Deutschlands Karriere machte und an Anlässen wie dem G-8-Gipfel tätig war.

Wir waren zweimal da. Während der Eröffnungstage, als noch nicht alles ganz klappte, wir aber schon spürten, dass hier auf sehr hohem Niveau gekocht wird. Der zweite Besuch räumte letzte Zweifel aus.

Ein Rehfilet aus der Sommerjagd etwa war in einen leicht mit Szechuanpfeffer gewürzten, dünnen Briocheteig gehüllt und wurde von kleinen Griessgnocchi und Beurre rouge mit Portweinnote begleitet. Grüner und weisser Spargel sowie in Gölles-Brand marinierte Kirschen waren weitere Beilagen: ein anspruchsvoller, sehr sorgfältig zubereiteter Gang. Dann wurde ein gebratener Langustino mutig mit einem panierten Milkenschnitzel und mit dünn geschnittener Coppa vom Wollschwein kombiniert. Oder hauchdünne Rhabarberstreifen verbanden Gänseleberwürfel wie Brücken ihre Pfeiler. Trotz artifiziell gestalteten Tellern: Schröter kocht solide und klassisch, neben edlen Produkten hat auch Währschaftes Platz. Den raren Fisch begleiteten gebratene «Pfaffenstückchen», die französisch «Sot-l’y-laisse» genannten Rückenfilets. Das gabs auch zu den Kalbsschwanzravioli mit Lauch und Morcheln. Die Haxe und der Rücken vom Innerschweizer Wollschwein mit Rotweinschalotten wurden von einer ausgezeichneten, aus dem Schmorjus hergestellten Demi-Glace begleitet.

Das rätselhaft tönende Dessert «Tannenspitz mit Erdbeeren und Bergpfeffer» war höchst kompliziert aufgebaut: Auf einem Erdbeerragout eine Schicht Vanilleeis mit dem Aroma von tasmanischem Pfeffer. Darauf lag grüne Glace auf Sauerrahmbasis mit dem Geschmack von jungen Tannennadeln. Zuoberst ein Schweif aus Valrhona-Bitterschokolade mit einem Molekularschaum von Myrrhenkerbel. Ein unglaubliches Kunstwerk!

Restaurant Viva
Hauptstrasse 41
4104 Oberwil
Tel. 061 401 56 80

Montag bis Freitag geöffnet.
Alle Kreditkarten ausser Diners EC-Direct und Postcard

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