Check-up 3D-Druck revolutioniert die Medizin

Ein neues Ohr? Neue Muskeln? Ein neuer Penis? Die Möglichkeit, mit der 3D-Technologie Ersatzteile für den menschlichen Körper herstellen zu können, beflügelt die Fantasie der Wissenschafter.
3D-Modell eines Herzens
© HO

3D-Modell eines Herzens (Massstab 1:1) mit Tumor aus dem Drucker.

Zähne, Hüftgelenke oder auch Knochen kommen bereits aus dem 3D-Drucker. Wissenschafter träumen jetzt aber bereits von ganzen Organen aus biologischem Gewebe. Diese mögliche Revolution lässt Patienten hoffen, die auf ein Spenderorgan warten. Da die neuen Organe aus Stammzellen des Betroffenen bestehen würden, die in Kulturen vermehrt wurden, sind sie für den Organempfänger kein Fremdkörper. Will Wenmiao Shu von der Heriot-Watt University in Edinburgh hat bereits einen Printer entwickelt, der menschliche embryonale Stammzellen drucken kann. Daraus lassen sich praktisch alle Gewebetypen des Menschen entwickeln.
Knorpel für Ohren und Nase sowie Muskelgewebe werden vom Bioprinting-Team des Wake Forest Institute für Regenerative Medizin in North Carolina bereits gedruckt. Am gleichen Institut forscht Anthony Atala daran, mit Patientenzellen in Penisform Männern, die durch Unfall oder Krebs ihr bestes Stück verloren haben, ein neues Glied durch 3D-Drucker zusammenzusetzen. Vor zwei Jahren hat er bereits Kaninchen einen Penis aus dem Drucker transplantiert. Die Langohren seien danach ihrem Ruf als «Rammler» mehr als gerecht geworden.
In der Schweiz hoffen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten von der Klinik Hirslanden in Zürich, ab nächstem Jahr Kinder mit Ohrdeformitäten mit Ohrmuscheln aus dem 3D-Printer behandeln zu können. Entwickelt hat die Bioprinter-Technologie Marcy Zenobi-Wong von der ETH Zürich.
Neulich standen die Herzchirurgen des Universitätsspitals Basel vor einem heiklen Eingriff: Sie mussten einem Patienten einen Tumor aus der Herzscheidewand entfernen. Ein komplexes Unternehmen, da man nicht wusste, ob der Tumor überhaupt operabel war. Radiologen erstellten mit dem Printer ein 3D-Modell des Herzens in Originalgrösse samt Tumor. Dabei zeigte sich, dass der Pfirsichkern-grosse Tumor gut abgrenzbar und in keine wichtige Struktur des Herzens eingewachsen war.
Der Druck von 3D-Modellen eröffnet Chirurgen ganz neue Möglichkeiten. Eine Fehlbildung oder Erkrankung kann so viel plastischer dargestellt werden, der Eingriff wird planbarer und kann schonender durchgeführt werden, Operationszeiten werden verkürzt.

 
 
 
 
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