Check-up: Alkohol + Arbeit Arbeitsentlastung löst kein Problem!

In der Schweiz sind fünf Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen alkoholabhängig. Wie können Kollegen den Betroffenen helfen?
Alkoholsucht: Die Betroffenen bei der Arbeit zu entlasten, löst das Problem nicht.
© RDB/Vario Press/Ulrich Baumgarten Alkoholsucht: Die Betroffenen bei der Arbeit zu entlasten, löst das Problem nicht.

Was ist schwieriger? Einem Arbeitskollegen diskret beibringen, dass sein Mundgeruch stört, seine Ausdünstung einem den Atem nimmt oder dass sein Alkoholkonsum zum Problem wird? Allen drei ist gemeinsam: Sie gehören zu den Tabuthemen. Die ersten zwei sind für nahe Mitarbeiter äusserst unangenehm, mit räumlichem Abstand aber zu ertragen. Kollegen mit einem Alkoholproblem gefährden in erster Linie sich selber. Besonders betroffen davon sind Angestellte an Einzelarbeitsplätzen, in der Landwirtschaft, im Gastgewerbe, Nachtund Bauarbeiter, Vertreter sowie Personen, die in einem Lager arbeiten, bei der Polizei und Medienschaffende. In der Schweiz sind fünf Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen alkoholabhängig.

Schon bei 0,3 Promille nehmen Aufmerksamkeit und Konzentration ab. Bei 0,5 Promille sind Reaktion und Wahrnehmung deutlich beeinträchtigt, und bei 0,8 Promille merkts jeder: Der Betroffene fällt durch einen unsicheren Gang auf, sein Denken und seine Wahrnehmung sind massiv reduziert. Die Arbeitsleistung nimmt ab, die Sicherheit ist eingeschränkt. Je nach Job kann das für den Betroffenen gefährlich werden. Die WHO hat dazu Zahlen veröffentlicht: Knapp jeder vierte Arbeitsunfall ist auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Unbewilligtes Fernbleiben von der Arbeit ist bei Personen mit einem problematischen Konsum vier- bis achtmal häufiger. Den Ausfall von Produktivität schätzt die WHO sogar auf 25 Prozent. Je nach Unternehmenskultur droht einem betroffenen Angestellten unter diesen Umständen schnell die Kündigung des Arbeitsverhältnisses.

Wie sollen Mitarbeitende oder Vorgesetzte reagieren? Die Betroffenen bei der Arbeit zu entlasten, löst das Problem nicht. Sie direkt auf ihre Abhängigkeit ansprechen ist auch nicht die richtige Strategie. Der Sorge um ihr Wohlbefinden Ausdruck zu geben, ist die Botschaft, die am ehesten ankommt. Das gibt Betroffenen das Gefühl, ernstgenommen zu werden und motiviert sie, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen.

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