Check-up: Künstliches Kniegelenk Beweglich bleiben dank «halben Sachen»!

Künstliche Kniegelenke werden immer öfter eingesetzt. Es braucht aber nicht unbedingt immer eine Totalprothese. Eine halbe hat viele Vorteile, unter anderem die Beweglichkeit.
Immer  mehr Menschen haben ein künstliches Kniegelenk
Immer mehr Menschen haben ein künstliches Kniegelenk

Die Zunahme ist enorm: Immer mehr jüngere, aber auch ältere Menschen haben ein künstliches Kniegelenk. Die Ursachen sind vielfältig und werden derzeit diskutiert. «Prothesenträger haben immer höhere Erwartungen, was Beweglichkeit und Sport beziehungsweise Aktivitäten nach einer Implantation angeht», erklärt der orthopädische Chirurg Lukas G. Lorez. «Sie geben sich nicht zufrieden mit einer deutlich eingeschränkten Beweglichkeit oder Sportverboten. Viele sind noch im Arbeitsprozess.» Dadurch steigen auch die Anforderungen an die orthopädischen Chirurgen und an die Prothesenhersteller.

In der herkömmlichen Knieprothetik ist man bereits bei der dritten Generation angelangt. Die Resultate sind recht gut, wenn auch noch nicht so gut wie bei den künstlichen Hüftgelenken. Weitgehende Beschwerdefreiheit ist in 80 bis 85 Prozent der Fälle möglich. Die durchschnittliche Tragedauer beträgt etwa 15 Jahre, danach ist ein Prothesenwechsel meistens unumgänglich. «Dieser ist technisch anspruchsvoll und bringt nicht mehr die gleich guten Langzeitresultate wie die erste eingesetzte Prothese», ergänzt Dr. Lorez.

Das Knie besteht aus drei Gelenkteilen: einem äusseren und inneren zwischen Ober- und Unterschenkel sowie einem Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel. Sind deren zwei oder drei Teile befallen, implantiert man eine Knietotalprothese. Nur durch die Präzision der Implantation – zum Beispiel mittels Computernavigation – können die Resultate noch verbessert werden.

Ist jedoch nur ein Teil des Knies von der Arthrose betroffen und sind die Bänder noch intakt, muss lediglich dieser Teil ersetzt werden. Man spricht dann von einer halben oder Schlittenprothese. «Die Technik ist nicht neu, scheiterte aber früher oft an der unpräzisen Implantation wegen der noch nicht ausgereiften Instrumente und an der schlechten Selektion der Patienten. Dank den modernen Instrumenten, Implantaten und den gezielteren Auswahlkriterien der Patienten wurden die Resultate zusehends besser und übertreffen sogar jene der Knietotalprothese», sagt Dr. Lorez.

Was sind nun die Vorteile der sogenannten Schlittenprothese? «Auch wenn die Dauer der Operation nicht viel kürzer ist, ist sie doch schonender für das Gewebe. Das führt zu weniger Schmerzen nach dem Eingriff, einer schnelleren Rehabilitation und insgesamt zu einem kürzeren Spital- aufenthalt. Aufgrund des Erhaltes der natürlichen Biomechanik erreichen wir eine bessere Beweglichkeit, sodass sogar das Knien wieder möglich wird», sagt der Facharzt. Sollte sich die Schlittenprothese später einmal lockern, kann eine normale Knietotalprothese implantiert werden. Die Schlittenprothese ist deutlich günstiger als eine Knietotalprothese. Die Erfolgschancen sind höher, je präziser die Auswahlkriterien bei den Patienten sind.

Check-up: Schlittenprothese - ja oder nein?
Kriterien:

  • Es darf nur ein Gelenkteil betroffen sein
  • Das Knie sollte nicht instabil sein
  • Beinachse muss stimmen

Vorteile:

  • Bessere Beweglichkeit, Knien ist möglich
  • Gefühl des eigenen Knies
  • Kürzere Hospitalisation
  • Weniger Schmerzen
  • Schnellere Rehabilitation
  • Wechsel von Schlitten- auf normale Knietotalprothese möglich
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