Check-up COPD: Lungen-Krankheit macht atemlos!

Jeder zweite Raucher erkrankt an COPD, wenn er nicht vorher an Lungenkrebs oder einem Herzinfarkt stirbt. Das Lungenleiden steigt rasant an.
Rauchstopp jetzt! Wer 25 Jahre alt ist, hat die höchste Lungenfunktion. Danach nimmt sie leicht ab. Beim Raucher rapide.
© RDB/KEYSTONE/EPA/J.C. Hidalgo Rauchstopp jetzt! Wer 25 Jahre alt ist, hat die höchste Lungenfunktion. Danach nimmt sie leicht ab. Beim Raucher rapide.

Atmen wie durch einen Strohhalm, so fühlt sich die chronische obstruktive Lungenkrankheit, kurz COPD, an. Jede kleine Anstrengung wird zur Qual. Dazu kommt die Angst zu ersticken. Denn die zerstörten Lungenbläschen sind nicht mehr in der Lage, genügend Sauerstoff ans Blut abzugeben. COPD steht heute weltweit an vierter Stelle der häufigsten Todesursachen, über drei Millionen Menschen sterben jährlich daran. Und im Gegensatz zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die tendenziell leicht abnehmen, ist COPD rasant im Steigen begriffen.

In der Schweiz sind rund 400 000 Menschen von COPD betroffen, neun von zehn sind Raucher oder ehemalige Raucher. Erstaunlich: Die wenigsten Menschen in der Schweiz wissen, was COPD ist. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage vom vergangenen November. Nur gerade acht Prozent wussten, dass es sich um eine Lungenkrankheit handelt. Neue Studien zeigen, dass fast ein Viertel der 40- bis 60-jährigen Raucher davon betroffen ist, darunter immer mehr Frauen.

Eine vergleichsweise kleinere Rolle als Auslöser von COPD spielen Feinstaub bei der Arbeit, Spray und Dämpfe im Haushalt, organischer Staub in der Landwirtschaft und eine genetische Veranlagung. Oft wird die Krankheit zu spät diagnostiziert, meist erst, wenn bereits Atemnot auftritt. Dann ist es allerdings schon zu spät, denn zu diesem Zeitpunkt ist bereits rund die Hälfte der Lungenkapazität unwiederbringlich verloren. «Frühe Symptome wie morgendlicher Husten und Auswurf werden als harmloser Raucherhusten abgetan», sagt Dr. Otto Brändli, Präsident der Lungenliga Zürich.

«Kampfraucher» wie zum Beispiel Winston Churchill oder der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt hatten und haben möglicherweise einen genetischen Vorteil wie eine höhere Konzentration des Schutzenzyms Alpha-1-Antitrypsin, das der Lungenkrankheit vorbeugt.

COPD ist eine systemische Erkrankung. «Wenn die Krankheit nur die Lungen befallen würde, wäre sie halb so schlimm. Die Reserven der Lungen sind sehr gross», erklärt Dr. Brändli. «COPD ist eine Art chronische Lungenentzündung. Diese Entzündung schädigt auch die Muskeln. Die Forschung ist auf diesem Gebiet ziemlich weit fortgeschritten und zeigt deutlich: Bei fortgeschrittener COPD ist der Muskelabbau sehr stark», fügt der Pneumologe an. «Die mottende Entzündung ist zudem ein Kofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.»

COPD ist eine unheilbare, aber behandelbare Krankheit. «Heilbar ist sie, wenn man früh genug mit Rauchen aufhört. Das ist der wichtigste Teil der Therapie», erklärt Dr. Brändli. Zeigt die COPD bereits erste Folgen, ist körperliches Training die wirksamste Art, um der angeschlagenen Lunge zu helfen. Trotz Atemnot müssen Muskeln, Kreislauf und Herz trainiert werden, damit die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden kann. Begleitet wird das körperliche Training, das bei speziell geschulten Physiotherapeuten durchgeführt wird, mit einer medikamentösen Therapie.

Eine Studie mit knapp 6000 Patienten über vier Jahre zeigt, dass COPD-Patienten von einer frühen Behandlung mit modernen Bronchodilatatoren gleich mehrfach profitieren. «Sie verzögern die Verschlimmerung der Krankheit, senken die Anzahl Spitalaufenthalte sowie das Sterblichkeitsrisiko und verbessern langfristig die Lebensqualität. Im Spätstadium der COPD kommen Steroide und Antibiotika zum Zug und als letzte Option die Sauerstoffheimtherapie», sagt der Pneumologe. Eher selten wird eine Lungenvolumen-Reduktion durchgeführt, da diese Operation oft nach drei bis vier Jahren wiederholt werden muss. Eine Lungentransplantation kommt wegen des meist schon schlechten Allgemeinzustandes des Patienten eher selten infrage. Wichtig ist vor allem: Raucher und Raucherinnen sowie ehemalige Raucher sollten ab 40 ihre Lungenfunktion testen lassen!

Mehr Infos zu COPD und Adressen von speziell ausgebildeten Physiotherapeuten unter www.lungzurich.org

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