Betrifft Brustkrebs Diagnostische Revolution

Nur drei Stunden benötigt ein von Basler Forschern entwickeltes Gerät für die Diagnose von Brusttumoren. Die Technik basiert auf der Rasterkraftmikroskopie und zeigt auch das Potenzial für Metastasen.
Mit 10 000 Messungen pro Probe erstellt Artidis einen nanomechanischen Fingerabdruck des Brustkrebses.
© Evi Bieler, Marija Plodinec, Doderick Lim Mit 10 000 Messungen pro Probe erstellt Artidis einen nanomechanischen Fingerabdruck des Brustkrebses.

Die Zeit zwischen Biopsie und Diagnose ist für Frauen mit Verdacht auf Brustkrebs eine emotionale Berg-und-Tal-Fahrt. Was, wenn der Tumor bösartig ist? Wird die Brust entstellt, ist gar eine Amputation nötig? Dazwischen die leise Hoffnung, dass die Geschwulst sich als harmlos erweist. Jährlich durchleben rund 5500 Frauen in der Schweiz dieses tagelange quälende Warten.

Dem Team um Prof. Dr. Roderick Lim vom Biozentrum und Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel ist es zusammen mit Dr. med. Marko Loparic und Dr. Marija Plodinec gelungen, einen Fingerabdruck für Brustkrebs zu erstellen. Die Technik dafür basiert auf der Rasterkraftmikroskopie. Dabei tastet das Diagnose-Tool Artidis (Automated and Reliable Tissue Diagnostics) mit der nur wenige Nanometer langen Spitze des Rasterkraftmikroskops das Gewebe der Biopsie ab. Mit 10 000 Messungen pro Probe liefert Artidis einen nanomechanischen Fingerabdruck des Tumors. «Das Resultat liegt innerhalb von drei Stunden vor», erklärt Prof. Lim. Bei der herkömmlichen Untersuchung dauert es Tage, bis das Resultat bekannt ist. Bei der Auswertung von hundert Biopsien zeigte sich den Wissenschaftern, dass sich die Profile von bösartigen und gutartigen Tumoren sowie von gesundem Gewebe voneinander unterscheiden.

Die Forscher konnten aber nicht nur gutartige von bösartigen Tumoren unterscheiden, die Untersuchungen gaben auch Aufschluss über das Potenzial des Karzinoms für Metastasen. Bei bösartigem Gewebe fanden sie weiche Zellen, die sich durch ihre Struktur leichter in das umliegende Gewebe ausbreiten können. Ein Meilenstein in der Diagnostik, denn die Kenntnis darüber, ob das Karzinom bereits Metastasen gebildet hat, entscheidet nicht selten über Leben oder Tod.

Wie geht es weiter? Prof. Lim: «Zurzeit entwickeln wir Demo-Geräte. Das erste ist in der Augenklinik des Unispitals Basel zur Abklärung von Netzhaut-Erkrankungen im Einsatz.» Nächstes Ziel ist der Start vorklinischer Studien Ende 2013, zusammen mit der Firma Nanosurf. Lim betont, dass Artidis nicht nur auf Brustkrebs fokussiert ist. Neben Brustgewebe können damit verschiedene Gewebearten wie Knorpel, Haut, Retina, Blutgefässe oder Blasengewebe untersucht werden. Das Tool hat das Potenzial, Krankheiten bereits in der Entstehungsphase zu erkennen.

www.nature.com/ naturenanotechnology

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