Weisser Hautkrebs Durchbruch beim Hautkrebs

Die Lage ist prekär: Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen zeigt steil nach oben. Fast acht Prozent der Kosten für Krebstherapien gehen zulasten des weissen Hautkrebses. Ein neues Medikament hilft, irreparable Hautschäden zu vermeiden.
Symptomfrei. Brigitte Brunner hat mit Erfolg am klinischen Versuch des neuen Medikamentes teilgenommen.
© Raja Läubli Symptomfrei. Brigitte Brunner hat mit Erfolg am klinischen Versuch des neuen Medikamentes teilgenommen.

Noch immer steht die Schweiz mit einem traurigen Rekord europaweit an der Spitze: Auch im vergangenen Jahr wies unser Land die höchste Hautkrebsrate auf. Jährlich werden 2100 Melanom-Diagnosen gestellt, rund 300 davon mit tödlichem Ausgang. Beim weissen Hautkrebs explodieren laut Prof. Reinhard Dummer ( siehe Interview Seite 86) die Zahlen der Neuerkrankungen.

Auch Brigitte Brunner leidet unter weissem Hautkrebs, allerdings verursacht durch einen seltenen Gendefekt. Xeroderma pigmentosum heisst die erblich bedingte Hautkrankheit. Als Kind wusste sie noch nicht, dass diese Krankheit sie fürs Leben zeichnen wird. «Ich hatte eine Haut wie ein Salami. Deshalb ging ich zu einem Dermatologen», erzählt die aufgestellte Mutter von zwei schon fast erwachsenen Kindern. Der Dermatologe riet ihren Eltern, Brigitte so oft wie möglich der Sonne auszusetzen, dann würde sich ihre Haut erholen.

Dieser fatale Ratschlag war dann das Startsignal für den Ausbruch des Basalzellkarzinoms. Bei Xeroderma pigmentosum genügt schon eine geringe Sonnenexposition für die Bildung von irreparablen Hautschäden. Bereits in jungen Jahren treten verschiedene Formen von Hautkrebs auf. Immer und immer wieder unterzog sich Brigitte Brunner Operationen, bei denen Basaliome entfernt wurden.

Doch es bildeten sich stets wieder neue. «Normalerweise musste ich mich pro Jahr zwei- bis viermal operieren lassen. Aber als ich mit meiner Tochter schwanger war, hatte ich dreizehn Eingriffe. Ich fühlte mich wie ein Scherenschnitt.»

Vor zwei Jahren stand die Trainerin der Curling-Junioren Baden kurz davor, durch eine neuerliche Operation einen Teil der Lippen zu verlieren. Da entschloss sie sich kurzfristig, bei einer klinischen Studie mit einer neuen Substanz mitzumachen. «Lieber etwas schlucken, das eventuell hilft, als mir das halbe Gesicht zerschneiden zu lassen», sagte sie sich. Leider vertrug sie das Medikament nicht gut. Bevor ihr auch noch die halbe Nase und ein ganzes Ohr weggeschnitten werden sollten, wechselte sie auf Vismodegib, eine Substanz, die ebenfalls klinisch getestet wurde. Seit gut einem Jahr ist Brigitte Brunner in diesem klinischen Programm. Seitdem hat sie Ruhe. Das Basalzellkarzinom hat sich nicht mehr gezeigt.

Obwohl die Nebenwirkungen eher happig sind – Haarverlust, Beeinträchtigung des Geschmackssinns –, bezeichnet Brigitte Brunner ihre Lebensqualität gegenüber früher als wesentlich besser: «Keine kurzfristigen Operationen, keine Schnitte oder Stellen, die gerade am Abheilen sind.» Laut Prof. Reinhard Dummer sind die Nebenwirkungen der Substanz bei Patienten, die nicht aufgrund eines Gendefektes ein Basalzellkarzinom entwickeln, verschieden.

Für die Curling-Junioren ist es völlig normal, dass ihre Trainerin keine Haare hat. Und da Brigitte Brunner das Medikament voraussichtlich über längere Zeit nehmen muss, hat sie sich eine Perücke zugelegt. Sie ist überzeugt, dass ihr das Nachdiplom in Sportpsychologie hilft, primär die positiven Seiten der Therapie zu sehen: «Solange die Vorteile überwiegen, spielen Nachteile keine Rolle.»

 

 

Auch interessant