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Noch vor wenigen Jahren waren Opiate in der Schmerztherapie nur Krebspatienten vorbehalten. Heute werden sie nicht nur gegen Tumorschmerzen, sondern auch bei Rücken- und Nervenschmerzen sowie nach Operationen angewendet.
Mithilfe von Opiaten wieder im Spiel: Nati-Stürmer Alex Frei freut sich mit Trainer Thorsten Fink bereits zwei Monate nach seinem Oberarmbruch über den Cupsieg des FC Basel.
© Daniela Frutiger / EQ Images Mithilfe von Opiaten wieder im Spiel: Nati-Stürmer Alex Frei freut sich mit Trainer Thorsten Fink bereits zwei Monate nach seinem Oberarmbruch über den Cupsieg des FC Basel.

Ende Februar brach sich Nati-Stürmer Alex Frei den Oberarm. Nach der Operation halfen ihm Opiate, die Schmerzen besser zu ertragen und sich schnell zu erholen. Dennoch gibt es nur wenige Medikamente in der Medizin, die so viele Ängste auslösen und so kontrovers diskutiert werden wie Opiate. Sogar in wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass unter Medizinstudenten und Ärzten bis hin zu Schmerzspezialisten ungerechtfertigte Ängste vor Opiaten bestehen. Heute gibt es wissenschaftliche Studien, die klar belegen, bei welchen Schmerzarten Opiate sinnvoll und sicher eingesetzt werden können. Damit ist der Einsatz der Opiate bei Nervenschmerzen, Rückenschmerzen oder in der postoperativen Schmerztherapie unbestritten und keine Glaubensfrage mehr. Gegenüber gewöhnlichen Schmerzmedikamenten haben sie eine Reihe von Vorteilen.

  • Die Opiate schädigen kein Organ und sind damit für eine Langzeittherapie geeignet – besonders wichtig in der Therapie chronischer Schmerzen.
  • Opiate wirken gegen Nervenschmerzen – gewöhnliche Schmerzmedikamente nicht.
  • Opiate sind wesentlich stärker wirksam als gewöhnliche Schmerzmedikamente und eignen sich somit besonders für die Therapie starker Schmerzen.

Jedes wirksame Medikament hat auch Nebenwirkungen, so auch Opiate:

  • Opiate haben keinen entzündungshemmenden und abschwellenden Effekt wie andere Schmerz- und Rheumamittel.
  • In den ersten Tagen können Nebenwirkungen wie Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Übelkeit auftreten. Meist sind diese Nebenwirkungen innert einiger Tage wieder verschwunden.
  • Opiate führen zu Darmträgheit, und die Patienten neigen zu einer Verstopfung des Darmes. Diese Nebenwirkung kann man gut mit verträglichen Medikamenten behandeln.
  • Bei Männern können Opiate für die Dauer der Einnahme zu Erektionsstörungen führen. Wichtig ist, dass das Problem offen zwischen Patient und Arzt angesprochen wird, um diese Nebenwirkung so gering wie möglich zu halten oder zu behandeln.

Wann sollte man von gewöhnlichen Schmerzmitteln auf Opiate wechseln?

  • Wenn die Wirkung der gewöhnlichen Schmerzmittel nicht mehr ausreicht.
  • Wenn Nervenschmerzen diagnostiziert werden.
  • Wenn die Schmerztherapie länger andauert. Die Anwendung gewöhnlicher Schmerzmittel über Monate hinweg kann unter anderem die Magen- und Darmschleimhaut schädigen.

Im Gegensatz zu normalen Schmerzmitteln und auch im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten müssen Opiate ausgesprochen individuell dosiert werden. Ein Grund  dafür sind genetische Unterschiede an den Rezeptoren, die zu unterschiedlichen Reaktionen auf Opiate führen. Daher darf der Patient zu Beginn einer Opiattherapie nicht enttäuscht sein: Der Arzt fängt mit einer niedrigen und gut verträglichen Dosierung an, die aber noch nicht bei allen Patienten wirksam sein wird. Oft kann es mehrere Tage bis Wochen dauern, bis für den Einzelnen seine effektive und verträgliche Dosierung erreicht wird.

Opiate werden am besten in einer Form verordnet, bei der das Medikament über einen längeren Zeitraum gleichmässig an den Köper abgegeben wird. Pflastersysteme zum Beispiel geben die Opiate über die Haut ab und wirken drei bis vier Tage in Abhängigkeit vom Präparat. Neu gibt es auch Tabletten mit einer kontrollierten Freisetzung über 24 Stunden, sodass nur eine Einnahme pro Tag notwendig ist. Die gleichmässige Konzentration des Wirkstoffes im Blut führt zu einer verbesserten Verträglichkeit und ist gegen Dauerschmerzen besonders effektiv.

Die psychische Sucht kommt bei medizinisch korrekter Einnahme der Opiate nicht vor. Sie hat nichts mit dem Missbrauch von Opiaten in der Drogenszene zu tun, wo sie intravenös injiziert werden: Die Einnahme der langsam frei werdenden Opiate verursacht weder einen Kick noch einen rauschähnlichen Zustand, sondern führt zu einer «langweiligen», weil gleichmässigen Wirkstoffkonzentration im Blut. Die Schmerzen werden gezielt reduziert, der Patient erlangt die Kontrolle über seine Schmerzen und kann sein Leben wieder aktiv gestalten.

7 goldene Regeln im Umgang mit Opiaten

1 Opiate werden am sinnvollsten in einem multimodalen Therapiekonzept angewendet und sollen zur Aktivierung des Patienten beitragen.

2 Opiate schädigen kein Organ und wirken gezielt an den zuständigen Rezeptoren.

3 Die Dosierung erfolgt immer individuell – eine Standarddosierung gibt es nicht.

4 Die Basis bilden Präparate, aus denen Opiate langsam und gleichmässig freigesetzt werden. Injektionen sind in der chronischen Schmerztherapie nicht erlaubt.

5 Haben Sie keine Angst vor einer Sucht. Nehmen Sie die Präparate regelmässig ein, da eine körperliche Gewöhnung auftritt.

6 Viele Nebenwirkungen treten nur in den ersten Tagen auf, aber eine Darmträgheit kann unter Opiaten anhalten. Dagegen gibt es gut verträgliche Medikamente.

7 Erwarten Sie nicht zu viel: Eine Halbierung der Schmerzen ist ein guter Erfolg!

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