Spinalganglien-Stimulation Elektrische Impulse Stoppen gezielte Schmerzen

Endlich ohne chronische Schmerzen leben – den Wunsch vieler Patienten erfüllt jetzt eine Neue Therapie. Dabei werden gezielt einzelne Nervenwurzeln mit einem Schrittmacher stimuliert. Experten sprechen von einem Quantensprung in der Schmerzbehandlung.  
Chronische Schmerzen
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Chronische Schmerzen werden oft nicht ernst genommen und als psychisch bedingt abgetan.

Mithilfe einer neuen Behandlungsmethode können Menschen mit chronischen, unerträglichen Schmerzen nach Unfällen oder Operationen jetzt auf Schmerzfreiheit hoffen. Das als Spinalganglien-Stimulation bezeichnete Verfahren, bei dem ein kleines Gerät, ähnlich einem Herzschrittmacher, gezielt einzelne Nervenwurzeln stimuliert, wird bisher nur in wenigen spezialisierten Zentren angeboten, unter anderem in der Schmerzklinik Zürich.
Die Behandlung chronischer Schmerzen bei Nervenverletzungen nach Unfällen oder Operationen ist eine sehr grosse Herausforderung. Komplexes regionales Schmerzsyndrom oder Morbus Sudeck nennt man diese schwere Form von chronischem Schmerz. Und es werden immer mehr Betroffene. Das Syndrom tritt hauptsächlich nach Verletzungen, Knochenbrüchen oder Operationen an den Extremitäten auf, seltener nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Infolge der Verletzung kommt es zu einer Fehlregulation des Nervensystems, die den normalen Heilungsverlauf blockiert.

Leitsymptom sind unverhältnismässig starke oder unverhältnismässig lang andauernde Schmerzen in Ruhe mit zum Teil brennendem Charakter und einer stark erhöhten Schmerzempfindlichkeit auf blosse Berührung. Typischerweise leiden die Betroffenen auch an motorischen Störungen wie Muskelschwäche, Zittern und Muskelkrämpfen. Im Anfangsstadium der Krankheit kommt es zu Rötungen, Schwellungen und Überwärmung der Haut mit erhöhter Neigung zum Schwitzen. Fortgeschrittene Symptome sind Osteoporose und Gelenkversteifung sowie Muskelschwund an der betroffenen Extremität.

Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich. Es gibt milde Formen, aber auch so gravierende, dass ein normales Leben unmöglich ist und ein Verlust des Arbeitsplatzes droht. Tragisch ist, dass die Schmerzen oft als psychisch bedingt abgetan werden und von den Betroffenen erwartet wird, sie mit der Zeit zu überwinden, denn eigentlich fehle ihnen ja nichts. Kommt dazu, dass viele Versicherungen die Patienten sich selber überlassen und nach Möglichkeit die Kostenübernahme für Behandlungen verzögern oder sogar verweigern.

Die Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms ist schwierig und für Ärzte und Patienten frustrierend. Herkömmliche Behandlungsformen inklusive Medikamente haben nur einen sehr beschränkten oder gar keinen Nutzen. Seit Kurzem gibt es in führenden Schmerzzentren eine neue Behandlungsform, die Spinalganglien-Stimulation. «Dass man mit elektrischer Stimulation eine Schmerzlinderung erreichen kann, ist schon lange bekannt. Mit der bisherigen Methode stiess man jedoch an Grenzen. Mit der neuen Methode lassen sich die betroffenen Nervenwurzeln viel gezielter stimulieren und vor allem auch dauerhaft behandeln», erklären Dr. Michael Hartmann und Dr. Andreas Bätscher von der Schmerzklinik Zürich. Vor dem Eingriff lässt sich mit einfachen, ambulant durchführbaren Tests herausfinden, welche Patienten davon profitieren können.
Der Spinalkanal, der innerhalb der Wirbelsäule verläuft, wird punktiert. Über eine Nadel wird eine Sonde direkt an die betroffenen Nervenwurzeln gebracht. In einem zweiten Schritt wird ein Schrittmacher implantiert. Die Patienten spüren das kleine Gerät kaum, das sich unter der Haut oberhalb der Pobacke oder in der Bauchdecke befindet. Sie können über eine Fernbedienung den Schrittmacher regeln und so ihre individuelle Intensität der Schmerzunterdrückung selbstständig bestimmen.

Die Erfahrungen mit der Spinalganglien-Stimulation bei Patienten mit chronischen Schmerzen an Armen und Beinen oder auch in der Leistenregion sind ausgezeichnet. Die Spinalganglion-Stimulation ermöglicht eine effektive Behandlung der Extremitäten, besonders der die Hand beziehungsweise den Fuss versorgenden Nervenwurzeln. Studien zeigen eine deutliche Besserung der Schmerzsymptomatik und massive Kosteneinsparungen. Es lohnt sich also, wenn Patienten mit einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom sich eingehend informieren und eine wirksame Behandlung einfordern. Und die Hausärzte tun gut daran, ihre Patienten rechtzeitig an ein erfahrenes Schmerzzentrum zu überweisen, um unnötiges Leiden, Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzung zu vermeiden.

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