Alzheimer Fördern Sie die Reserven Ihres Gehirns

Ein aktiver Lebensstil, körperlich und geistig, ist wichtig für das Gehirn, um Reserven zu bilden. Menschen mit hoher Reservekapazität leben länger ohne Zeichen einer Demenz. Hier die Tipps für ein trainiertes und stimuliertes Gehirn.
Kreuzworträtsel lösen, lesen und am täglichen Geschehen teilnehmen: Das sind nur einige Tätigkeiten, die das Gehirn stimulieren. Ziele setzen und sie umsetzen sind fast noch wichtiger.
© iStopckphoto Kreuzworträtsel lösen, lesen und am täglichen Geschehen teilnehmen: Das sind nur einige Tätigkeiten, die das Gehirn stimulieren. Ziele setzen und sie umsetzen sind fast noch wichtiger.

Dass mit der steigenden Lebenserwartung auch die Häufigkeit von Alzheimer-Demenz zunimmt, ist bekannt. Weil die therapeutischen Möglichkeiten beschränkt sind, sobald die Krankheit einmal ausgebrochen ist, richtet sich das Augenmerk der Forscher zunehmend auf Möglichkeiten, das Auftreten von Alzheimer zu verhindern oder zumindest einige Jahre aufzuschieben.

Begriffe wie «Gehirn-Jogging» und «Hirn-Fitness» hört man häufig: Sie deuten darauf, dass jeder Mensch eine eigene Verantwortung für ein gesundes Altern seines Gehirns hat. «Auch die medizinischen und psychologischen Wissenschaften fördern immer wieder neue Belege zutage, dass der Gesundheitszustand des Gehirns und damit auch das Auftreten von Demenzen mit dem eigenen Lebensstil zusammenhängen», sagt Dr. Simon Forstmeier, wissenschaftlicher Oberassistent am Psychologischen Institut der Universität Zürich und Leiter des Forschungsprojektes «Persönliche Stärken und Gedächtnisprobleme im Alter».

Altersforscher sprechen von der «Reservekapazität des Gehirns». Dr. Forstmeier: «Ein aktiver Lebensstil ist wichtig für das Gehirn, um Reserven zu bilden und das Demenz-Risiko zu senken. Zum aktiven Lebensstil gehören Denk-Aktivitäten, zwischenmenschliche, körperliche und, wie in letzter Zeit verstärkt untersucht wurde, motivationale Aktivitäten.» Was heisst das? «Das bedeutet, dass man sich immer wieder neue Ziele setzt, flexibel mit Veränderungen im Leben umgeht und sich für neue Ideen und Projekte interessiert. Alle diese Aktivitäten bilden die Reservekapazität aus, weil sie das Gehirn fortwährend stimulieren und trainieren», erklärt Dr. Forstmeier. «Personen mit hoher Reservekapazität leben länger ohne Zeichen einer Demenz, weil das Gehirn auf nicht geschädigte Areale zurückgreifen kann.»

An der Universität Zürich wird seit Jahren unter der Leitung von Dr. Forstmeier und Dr. Andreas Maercker, Professor für Psychopathologie und Klinische Intervention, der Einfluss von motivationalen Aktivitäten auf Gedächtnisprobleme und Alzheimer-Demenz erforscht. Beispielsweise konnten sie motivationale Aktivitäten in einer deutschen Studie (AgeCoDe) an 3000 über 75-jährigen Hausarzt-Patienten untersuchen. Nach drei Jahren entwickelten in dieser Studie 300 Personen leichte Gedächtnis- probleme, ein sogenanntes Mild Cognitive Impairment, und 70 eine Alzheimer-Demenz. Berufsbezogene motivationale Fähigkeiten des mittleren Lebensalters senkten das Risiko von Gedächtnisproblemen um 35 Prozent. Das Risiko einer Alzheimer-Demenz war bei genetisch vorbelasteten Personen ebenfalls niedriger, wenn sie gute motivationale Fähigkeiten hatten.

Auch andere Forschergruppen heben die Wichtigkeit von motivationalen Prozessen hervor. Prof. David Bennett aus Chicago etwa hat herausgefunden, dass hochgesteckte Lebensziele das Risiko von leichten Gedächtnisproblemen und Alzheimer-Demenz senken können. Dr. Forstmeier: «Lebensziele motivieren uns, auch bei Widrigkeiten des Lebens Dinge anzustreben und Ziele umzusetzen. Um unser Gehirn fit zu halten, ist es daher nicht nur nötig, viel zu lesen, Kreuzworträtsel zu lösen und körperlich aktiv zu bleiben, sondern immer wieder zu überdenken, was wir anstreben, und uns selbst zu motivieren, unsere Ziele zu verfolgen. Selbst wenn Gedächtnisprobleme vorhanden sind oder sogar die Diagnose Alzheimer-Demenz gestellt wurde, können motivationale Fähigkeiten helfen, diese Herausforderungen besser zu bewältigen. Wenn Gedächtnisprobleme auftreten, ist es besonders wichtig, flexibel zu bleiben und das Leben ständig an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Das heisst auch, dass man sich nie aufgibt, sondern sich an dem festhält, was man noch kann und gern macht.»

 

 

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