Lungenkrebs Frauen, Hände weg vom Glimmstängel!

Immer mehr Frauen leiden an Lungenkrebs – und die TENDENZ IST STEIGEND. Die gute Nachricht: Ein Rauchstopp lohnt sich immer. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.
Frauen, Hände weg vom Glimmstängel!
Frauen, Hände weg vom Glimmstängel!

Lungenkrebs ist die häufigste tödliche Krebserkrankung. Jedes Jahr sterben in der Schweiz rund 3000 Menschen an diesem heimtückischen Leiden. Rauchen ist ein Spiel mit dem Feuer. «Das Risiko, dass ein Raucher Lungenkrebs bekommt, beträgt rund 17 Prozent, es hängt aber stark davon ab, wie viel man raucht, wann man beginnt und ob man inhaliert», sagt Prof. Miklos Pless, Chefarzt Medizinische Onkologie und Leiter des Tumorzentrums am Kantonsspital Winterthur. «Ein Raucher hat verglichen mit einem Nichtraucher ein zehn- bis zwanzigfach höheres Risiko, Lungenkrebs zu bekommen.»

Lungenkrebs fordert von allen Krebsarten bei Weitem am meisten Todesopfer. Prof. Pless: «Die Krankheit tritt relativ früh auf, im Schnitt mit 65 Jahren, und hat eine sehr schlechte Prognose. Das macht Lungenkrebs zu derjenigen Krebserkrankung, die am meisten Lebensjahre raubt. Deshalb ist auch der volkswirtschaftliche Schaden enorm.»

Der Anteil der Frauen mit Lungenkrebs steigt beängstigend an. Inzwischen beträgt er über 30 Prozent. Bei Männern hingegen nimmt die Häufigkeit leicht ab, weil sie zurzeit eher mit dem Rauchen aufhören als Frauen.

Nur 15 Prozent aller Lungenkrebsfälle treten bei Nichtrauchern auf. «Man schätzt, dass mindestens die Hälfte davon durch Passivrauchen verursacht wird. Das sind über 200 Todesfälle pro Jahr, die allein dem Passivrauchen zuzuschreiben sind», sagt Prof. Pless. «Luftverschmutzung und in gewissen Regionen die Radonbelastung spielen sicher auch eine Rolle. Verglichen mit dem Rauchen fallen sie aber kaum ins Gewicht.»

Es gibt keine verlässlichen frühen Zeichen, dass man an Lungenkrebs erkrankt ist. Die typischen Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Gewichtsverlust oder Bluthusten treten alle in einem relativ späten Krankheitsstadium auf. Prof. Pless: «Zurzeit wird diskutiert, ob mit einer jährlichen Computertomografie bei starken Rauchern eine Früherkennung von Lungenkrebs möglich ist. Völlig unklar ist jedoch, wer das bezahlen soll. Zudem stellt sich die Frage, ob eine solche Untersuchung die Raucher nicht in falscher Sicherheit wiegt.»

Rund die Hälfte der Lungenkrebspatienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose schon Ableger. In solchen Fällen ist Heilung nicht mehr möglich. Nur in ganz frühen Stadien können zwischen 60 und 75 Prozent aller Patienten geheilt werden. «Für sie ist Rauchstopp ganz wichtig. Andernfalls ist die Gefahr eines zweiten Lungenkrebses sehr gross», sagt Prof. Pless.

Es gibt aber auch Hoffnung. In den letzten Jahren machte man grosse Fortschritte bei der Suche nach Genmutationen, die für das Wachstum der Krebszellen verantwortlich sind. Gegen diese Mutationen konnten Medikamente entwickelt werden, mit denen diese Arten von Lungenkrebs sehr erfolgreich behandelt werden können. Im Fachjargon nennt man sie «targeted therapy», zu Deutsch: gezielte Antitumortherapie.

Prof. Pless: «Die Lebenserwartung wird dank dieser Medikamente verdoppelt, die Lebensqualität deutlich verbessert, und die Nebenwirkungen sind verglichen mit einer herkömmlichen Chemotherapie gering. Ein Problem ist, dass diese Mutationen eher selten sind und nur rund zehn Prozent aller Fälle von Lungenkrebs ausmachen. Deshalb wird intensiv nach weiteren Mutationen gesucht, um noch mehr gezielt wirksame Medikamente entwickeln zu können. Hier liegt das grösste Potenzial für Fortschritte in den nächsten Jahren.»

Lungenkrebs bleibt damit auf Jahre hinaus die häufigste tödliche Krebsart. Das macht den Rauchstopp umso wichtiger. «Aufhören lohnt sich immer», sagt Prof. Pless. «Nikotin ist ein sehr starkes Suchtmittel. Der Erfolg der Rauchentwöhnung ist viel besser, wenn man sich einem Programm anschliesst. Die meisten Spitäler, die Lungenund Krebsligen bieten solche Programme an.» Und: «Nicht entmutigen lassen, wenns beim ersten oder zweiten Anlauf nicht klappt, sondern unbedingt dranbleiben!»

 

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