Erfolgreiches Therapiekonzept Grosseinsatz gegen Schmerzen

Kein Arzt und keine einzelne Therapie können chronische Schmerzen einfach wegzaubern. Dr. Ulf Klostermann vom Schmerz Zentrum Zofingen erklärt, wie man Schmerzen erfolgreich behandelt und Medikamente richtig einsetzt.
Frühzeitig handeln! Je mehr Raum wir dem Schmerz geben, desto stärker macht er sich breit.
Frühzeitig handeln! Je mehr Raum wir dem Schmerz geben, desto stärker macht er sich breit.

Schmerz ist immer das, was der Patient als solchen empfindet. Objektiv messen lässt er sich nicht. Schmerz ist keine Einbahnstrasse. Das heisst, es werden nicht nur Schmerzsignale aus dem Körper zum Gehirn übermittelt. Vielmehr gehen auch auf der Gegenspur Signale vom Gehirn ins Rückenmark und sorgen dafür, dass Schmerzsignale gefiltert werden.

Diesen Filter können wir ein grosses Stück weit selber beeinflussen, indem wir die Schmerzsignale mit positiven Sinnesempfindungen in Konkurrenz setzen. Je mehr Raum wir dem Schmerz geben, desto stärker macht er sich breit. Wird ein Schmerz chronisch, entwickelt er sich zu einer eigenständigen Krankheit. Der Körper hat den Schmerz auswendig gelernt. Deshalb ist frühzeitige Schmerzbekämpfung entscheidend.

Viele Patienten sind verzweifelt auf der Suche nach einer Therapie, die endlich den Schalter für die quälenden Schmerzen umlegt. Weder eine einzelne Therapie noch ein einzelner Arzt kann chronische Schmerzen erfolgreich behandeln. Auch eine einzelne Medikamentengruppe ist nicht die Lösung. Opiate alleine bringen bei Nervenschmerzen oder chronischen Schmerzen 30 bis 50 Prozent Schmerzreduktion. Integriert in ein Gesamtkonzept sind die Erfolgsraten noch besser. Das erfolgreichste Therapiekonzept ist multimodal: Verschiedene Therapien werden auf den Patienten individuell angepasst und kombiniert.

Opiate sind gezielt wirksam und effektiv. Opiate gehören zu den potentesten Schmerzmitteln. Heute kommen sie bei unzähligen Schmerzsyndromen zur Anwendung, bei Rücken- und Nervenschmerzen sowie nach Operationen. Opiate sind im Gegensatz zu Rheuma-und Schmerzmitteln für die Organe nicht toxisch, das heisst sie verursachen weder Magen-, Herz-, Kreislaufprobleme noch Nierenleiden. Deshalb sind sie für die Langzeittherapie besser geeignet als die meisten anderen Schmerzmittel.

Bei korrekter Anwendung gibt es keine Sucht. Opiate sind mit vielen Vorurteilen behaftet. Eines der meist genannten ist die Abhängigkeit. Wichtig ist der Unterschied zwischen Sucht und körperlicher Abhängigkeit. Opiate können eine körperliche Abhängigkeit, das heisst eine Gewöhnung, verursachen. Deshalb sollten Opiate nicht schlagartig abgesetzt werden und Dosisanpassungen nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen. Sucht ist etwas völlig anderes. Sie kommt bei medizinisch korrekter Einnahme von langsam frei werdenden Opiaten nicht vor.

Jeder Patient braucht seine Dosierung. Opiate müssen individuell dosiert werden. Der Arzt startet mit einer niedrigen und gut verträglichen Dosierung. Opiate werden idealerweise so verordnet, dass das Medikament gleichmässig abgegeben wird. Es gibt Pflaster und Tabletten mit einer kontrollierten Freisetzung über 24 Stunden, sodass nur eine Einnahme pro Tag notwendig ist. In bestimmten Fällen wird die Basisthera pie mit einer Feuerwehrübung ergänzt: Ein schnell und kurz wirksames Opiat steht als Tropfen, Tablette oder Lutscher zur Verfügung.

Co-Analgetika führen häufig zu Missverständnissen. In der chronischen Schmerztherapie, wenn Nervenschmerzen vorliegen, greifen die Ärzte zu besonderen Schmerzmitteln. Es handelt sich hauptsächlich um Antidepressiva und Antiepiletika, die ursprünglich gegen Depressionen oder gegen Epilepsie entwickelt wurden. Im Beipackzettel wird häufig nicht einmal ihre Wirkung gegen chronische Schmerzen erwähnt. Vertrauen Sie Ihrem Schmerzspezialisten, wenn er zu diesen Medikamenten greift.

Depressionen, Schmerzen, Angst und Schlafstörung. Viele Patienten mit chronischen Schmerzen bekommen Depression, Ängste und Schlafstörungen. Wichtig ist, auch diese Zusatzerkrankungen zu behandeln. Das ist der Grund, weshalb in multimodalen Therapiekonzepten immer auch die Psychologie eine grosse Rolle spielt. Die Patienten werden trainiert, mit Schmerzen besser umzugehen. Viele Tricks und Kniffe führen zu einer neuen Aufmerksamkeit, die Patienten entdecken neue Aktivitäten und finden einen Weg aus der Einbahnstrasse. Bei akuten Schmerzen ist eine Schonhaltung sinnvoll, bei chronischen Schmerzen überhaupt nicht. Wird beispielsweise der Rücken längere Zeit geschont, schwindet die Rückenmuskulatur und die Schmerzen werden immer schlimmer.

Infiltrationen oder die interventionelle Schmerztherapie. Röntgenkontrolle und Ultraschall erlauben gezielte Injektionen an kleinsten Nervenstrukturen. Damit lassen sich häufig Rückenoperationen vermeiden. 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle können inzwischen mit Infiltrationen behandelt und müssen nicht operiert werden. Schmerzen sieht man nicht im Röntgenbild oder auf dem MRI. Schmerzende Strukturen am Rücken können häufig erst mit interventionellen Techniken identifiziert werden.

Neuromodulation – Nerven nicht zertrennen, sondern stimulieren. Viele Patienten fragen, ob man den schmerzenden Nerv nicht einfach durchschneiden könne, um endlich Ruhe zu haben. Bei Phantomschmerzen wurde genau das gemacht. Jeder weiss, wie quälend Phantomschmerzen sein können. Durchschneiden ist keine Lösung. Aber es gibt die Neurostimulation. Dabei wird eine elektrische Stimulation auf Nerven oder das Rückenmark abgegeben. Die modernen, miniaturisierten Systeme werden komplett in den Körper implantiert. Die Behandlung ist hocheffektiv und weitgehend ohne Nebenwirkung.

Check
Das sollten Sie wissen!

  • Handeln Sie frühzeitig. Wenn der Schmerz chronisch wird, entwickelt er sich zu einer eigenständigen Krankheit.
  • Ein Medikament alleine reicht meistens nicht aus, am besten versuchen Sie es mit einer multimodalen Therapie. Psychotherapie ist ein wichtiger Aspekt.
  • Opiate sind bei Langzeittherapien besser geeignet als die meisten anderen Schmerzmittel. Bei korrekter Anwendung besteht keine Suchtgefahr.
  • Bei Nervenschmerzen helfen auch Antidepressiva und Antieptileptika.

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