Check-up: Kranke Psyche Gruppentherapie, für geteiltes Leid

An schlimmen Tagen bringt sie nicht einmal die Kraft auf, sich anzukleiden. «Das Einzige, was ich dann noch kann: im Bett liegen bleiben.» Christine Heim leidet unter bipolaren Störungen, bekannt auch als manisch-depressive Krankheit. Das bedeutet, dass ihre Gemütsverfassung von hoch motiviert zu tief deprimiert wechseln kann. Vor einem halben Jahr übernahm Christine Heim das Präsidium von Equilibrium – einem Verein zur Bewältigung von Depressionen.
In der Schweiz leiden 400 000 Personen an Depressionen.
© RDB/Anton J. Geisser In der Schweiz leiden 400 000 Personen an Depressionen.

«Es ist wichtig, dass Betroffene nicht zu lange warten, bis sie Hilfe suchen», erklärt die 47-Jährige. Sie habe jahrelang versucht, die Krankheit zu unterdrücken und zu verschweigen. Doch mit der Zeit wurden die Symptome schlimmer: Christine Heim konnte sich nicht mehr konzentrieren, nicht mehr schlafen, nicht einmal mehr die Wohnung in Ordnung halten. Folge: Zweimal hintereinander verlor sie ihre Stelle als Pharmareferentin. In der Öffentlichkeit fehlt das Verständnis für die Krankheit. Ein Grund: die Tabuisierung. Vor allem junge Leute würden sich nicht getrauen, über ihre Krankheit zu sprechen. Denn in der Pubertät möchte man nicht aus der Reihe tanzen. Doch gerade der Austausch mit Gleichgesinnten hilft.

Deshalb organisiert der Verein Equilibrium Selbsthilfegruppen. In der Schweiz gibt es insgesamt 60 davon. Die meisten werden von Betroffenen selbst besucht, doch auch Angehörige nutzen das Angebot. Die Teilnehmer sprechen über Ängste, Probleme in der Familie und Suizid. Oberstes Gebot: Alles, was besprochen wird, bleibt in der Gruppe.

In der Schweiz leiden 400 000 Personen an Depressionen. Christine Heim setzt sich mit ihrem Verein für diese Menschen ein: «Es ist wichtig, dass die Krankheit endlich den nötigen Respekt gewinnt und Betroffene nicht weiter diskriminiert werden. Sei dies am Arbeitsplatz, bei Versicherungen oder in der Gesellschaft.»

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Zusammen mit Ärzten erarbeitete Equilibrium einen Fragebogen zum Thema Depression. Je mehr Menschen ihn ausfüllen, desto besser können Erkrankte behandelt werden. Herunterladen unter www.depressionen.ch

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