Wir nehmen ab Lieber langsam Gewicht verlieren!

Nach den Wechseljahren sollte Frieda Longobardi, 65, vorsichtig abnehmen. Denn strenge Diäten schaden in dem Alter Muskeln und Knochen.
Müesli statt Zopf. ­Frieda Longobardi hat sich schon an das neue Frühstück und das viele Trinken gewöhnt.
© Dick Vredenbregt Müesli statt Zopf. ­Frieda Longobardi hat sich schon an das neue Frühstück und das viele Trinken gewöhnt.

Abnehmen ja, aber nicht um jeden Preis. Das sagte sich Frieda ­Longobardi aus Werthenstein LU. Sie ist 65 Jahre alt, wiegt 70 Kilo und ist 1,57 Meter gross.
Als sie sich für die Aktion «Wir nehmen ab!» der Schweizer Illustrierten meldete, waren die Reaktionen aus ihrem Umfeld alles andere als berauschend. «Eine gute Freundin meiner Tochter sagte, ich solle mit dem Abnehmen ja nicht meine Fröhlichkeit verlieren, sonst lohne es sich wirklich nicht. Andere meinten, sie möchten mich nicht anders haben, und an unserem Geburtstagsfest diente das Thema sogar als Vorlage für einen Schnitzelbank. Niemand hat mich in meinem Mut zum Abnehmen bestärkt.»

Es kam, wie es kommen musste – der Erfolg blieb aus, vorerst wenigstens. «Der Zeiger meiner Waage weigert sich standhaft, unter die 70-Kilo-Marke zu sinken, obwohl ich bewusst auf kleinere Portionen achte, mehr Wasser trinke und mich den Tag hindurch mehr bewege. Ich stelle zum Beispiel die Backofenuhr, damit ich jede halbe Stunde um den Esszimmertisch herumhüpfe oder -sprinte. Dann gehe ich x-mal pro Tag in den Keller, nicht wegen der Vorräte, sondern wegen der Treppe. Und beim Telefonieren mache ich Kniebeugen, bis mir der Pfuus ausgeht und ich nicht mehr reden kann. Bis jetzt hat nur die Telefonrechnung, aber noch nicht mein Gewicht ­abgenommen. Wahrscheinlich bin ich einfach ein hoffnungsloser Fall.»

Nein, stimmt nicht, auch wenn das Abnehmen nach den Wechseljahren noch schwerer fällt, als es sonst schon ist. Wichtig ist in dieser Lebensphase, mit möglichst wenig Massnahmen einen maximalen Effekt zu erzielen und sich auf keinen Fall einer Diät zu unterwerfen, unter der die Muskeln und die Knochen leiden. Sich mit ein paar Kilo weniger ein grösseres Osteoporose-Risiko einzuhandeln, wäre ein gesundheitlicher GAU, den es um jeden Preis zu ver­meiden gilt. Also machen wir gemeinsam eine sorgfältige Analyse über die Ein- und Ausfuhr der Kalorien.

Rasch wird klar, wo es bei Frieda Longobardi hapert. Obwohl sie meint, genug zu trinken, ist die Flüssigkeits­zufuhr immer noch zu gering. Auf die empfohlene Menge von 2 Litern täglich kommt sie nicht im Entferntesten. Fehler Nummer 2: Die Portionen sind generell zu klein, besonders, was Früchte und Gemüse angeht, Kohlenhydrate fehlen zum Teil völlig. Dann fehlt die Abwechslung. So besteht das Frühstück Tag für Tag aus Zopf beziehungsweise Brot, Butter, Konfi, Kaffee mit stets zwei Kaffeelöffel Halbrahm. Mehr Fantasie darf es auch beim Mittag- und Abendessen ­leiden, um den Ernährungstrott
zu durchbrechen.Mehr Wasser, mehr Früchte und Gemüse, mehr Abwechslung und noch etwas mehr Bewegung in Form von langen Spaziergängen: Mit diesem Rezept versucht es Frieda Longobardi von nun an, ohne einen schnellen Effekt auf der Waage zu erwarten, der nur von kurzer Dauer wäre – ein Kilo hat sie schon verloren.

Vollschlank muss eine Frau nach der Menopause ohnehin nicht mehr werden. Viel wichtiger ist: beweglich und in Bewegung bleiben. Wenn das gelingt, sind ein paar Kilos zu viel kein gesundheitliches Handicap, im Gegenteil.
 

Mit diesen Tricks hat Frieda Longobardi abgenommen:

  • Jeden Tag konsequent zwei Liter trinken und neue Teesorten ausprobieren
  • Grössere Portionen bei Gemüse, Salat und Früchten
  • Weg mit dem ewig gleichen Frühstück nach dem Muster Kafi complet. Mehr Abwechslung: Flocken, Quark, Joghurt mit reichlich Früchten und einem Stück Vollkornbrot
  • Variantenreichere Mittag- und Abendessen: Hülsenfrüchte, asiatische Gemüsepfanne, italienische Pastagerichte, gebratene Peperoni, Birne mit Hüttenkäse etc.
  • Führen eines genauen Essplans
  • Ausgiebige Spaziergänge

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