Spannungskopfschmerz und Migräne Migräne – jedes zehnte Kind leidet daran

Hartnäckige Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Schülern. Es gibt eindeutige Hinweise, dass Jugendliche durch den Leidensdruck einer Migräne empfänglicher für Drogenmissbrauch werden.
Die elektrische Nervenstimulation sendet sanfte Impulse zu den Nervenbahnen unter der Haut und bringt damit Linderung bei Kopfschmerzen.
© HO Die elektrische Nervenstimulation sendet sanfte Impulse zu den Nervenbahnen unter der Haut und bringt damit Linderung bei Kopfschmerzen.

Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Kopfschmerzen: Bereits jedes dritte Kind im Alter von drei und vier Jahren berichtet über Kopfweh. Bei den Fünfjährigen sind es bereits 40 Prozent. Und unter Migräne leidet schon jedes zehnte Kind. Vielfach sind die Beschwerden sogar chronisch. Kopfschmerzen sind die häufigsten Gesundheitsstörungen in der Schule. In einer repräsentativen Befragung stellte sich heraus, dass zwischen 20 und 50 Prozent der Schüler Kopfschmerzen als wichtiges und hartnäckiges Gesundheitsproblem angeben. Aus dieser Befragung ergaben sich auch eindeutige Hinweise dafür, dass Kopfschmerzen ein wesentlicher Grund für die Entstehung von Suchtverhalten und Drogenmissbrauch sind. Durch den Leidensdruck, den die Kopfschmerzen verursachen, können Kinder für Drogen empfänglich werden und versuchen, auf diesem Weg eine Besserung zu erzielen.

Nicht immer sind Kopfschmerzen bei Kindern ohne Weiteres erkennbar. Es fällt ihnen zum Teil schwer, ihre Beschwerden mitzuteilen. Oft ist das Kind nur mürrisch, zieht sich zurück oder klagt über Unwohlsein oder Bauchschmerzen. Häufig haben die Kinder in der Schule Mühe und bringen schlechte Noten nach Hause. Leiden Kinder unter Migräne, verpassen sie im Schnitt zehn Schultage im Jahr. So kann ein Teufelskreis entstehen. Die Leistungen sacken ab, die Kinder sind gestresst und stehen unter noch mehr Leistungsdruck, was die Beschwerden weiter verschlimmert.

Verständlich, dass sich die Eltern Sorgen machen, ihr Kind könnte an einer Entzündung oder sogar an einem Tumor leiden. Zum Glück ist das nur selten der Fall. Nicht zögern sollten Eltern, den Kopfschmerz ihres Kindes abzuklären, wenn sich Kopfschmerzen zum ersten Mal manifestieren oder besonders heftig ausfallen, ausschliesslich nachts auftreten, am Hinterkopf lokalisiert sind oder zunehmen. Die Konsultation eines Arztes empfiehlt sich auch, wenn sich bestehende Kopfschmerzen markant verändern, ausgeprägte oder ungewöhnliche Begleitsymptome auftreten oder sich die Beschwerden selbst mit gängigen Medikamenten nicht bessern. In solchen Fällen heisst es, lieber einmal übervorsichtig reagieren als etwas Wichtiges verpassen. Eine sorgfältige Befragung beim Arzt und eine neurologische Untersuchung sind unabdingbar. Weitere apparative Abklärungen sind nicht nötig, wenn die klinische Untersuchung unauffällig ist und die Befunde zu Spannungskopfschmerzen oder Migräne passen.

Risikofaktoren für Kopfweh sind vor allem im modernen Lebensstil zu suchen. Elektronische und mediale Reizüberflutung, zu wenig Schlaf, hoher Erfolgsdruck in der Schule, Konflikte in der Familie, Bewegungsmangel, Rauchen, Flüssigkeitsmangel, Auslassen von Mahlzeiten, zu hoher Kaffeeund Alkoholkonsum. Die Korrektur all dieser Verhaltensfehler sowie Entspannungsverfahren stehen deshalb im Vordergrund der Prophylaxe. Sehr geeignet ist auch Biofeedback. Dabei wird zum Beispiel die Anspannung der Stirn- und Schläfenmuskulatur per Elektrode registriert und dem Kind via Computer optisch oder akustisch zurückgemeldet. Solche Methoden machen den Kindern Spass, und sie finden heraus, wie sie diese Signale selber beeinflussen können.

Hilfreich sind auch sogenannte Fantasiereisen. Die kleinen Patienten lernen, sich Bilder und Situationen vorzustellen, die ihnen guttun. Ein Beispiel ist etwa, in kritischen Situationen in Gedanken einen Regenschirm aufzuspannen, um sich darunterzusetzen. Mit solchen Massnahmen lernen die Kinder, sich gegen Belastungsfaktoren sozusagen zu immunisieren.

Die Schmerzattacken selber lassen sich durch Ruhe in einem abgedunkelten Raum und Zuwendung stoppen. Bei kleinen Kindern helfen oft wenige Stunden Schlaf oder eine vorgezogene Nachtruhe. Ein kaltes Tuch auf der Stirn und Pfefferminzöl, das an Schläfe, Scheitel und Nacken sanft eingerieben wird, können Kopfschmerzen lindern.

Regelrechte Wunder bei Spannungskopfschmerzen und Migräne kann die Behandlung mit einem sogenannten TENS-Gerät (transkutane elektrische Nervenstimulation) bringen. Seine Wirkung beruht auf der Behandlung der Nackenmuskulatur mit einem sanften Reizstrom, der körpereigene schmerzunterdrückende Systeme aktiviert. Bei der TENS-Behandlung werden zwei grosse Elektroden auf der Nackenmuskulatur befestigt. Das Gerät sendet dann sanfte Impulse zu den Nervenbahnen unter der Haut. Das hat zur Folge, dass die körpereigenen schmerzhemmenden Systeme aktiviert werden. Die Therapie kann schon ab dem sechsten Lebensjahr eingesetzt werden. Auch bei schmerzhaften Muskelverspannungen, rheumatischen Erkrankungen, Neuralgien, Hexenschuss, Sehnenentzündungen, Schmerzen nach Verletzungen und Operationen und Menstruationsbeschwerden hilft der Reizstrom von TENS.

Mit Medikamenten ist sorgsam und erst in zweiter Instanz umzugehen. Eltern sollten ihr Kind niemals selbst mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln ohne ärztliche Kontrolle behandeln. Schon Kinder können einen medikamentenbedingten Dauerkopfschmerz entwickeln, wenn sie zu häufig Schmerzmittel nehmen. Zudem ist längst nicht jedes Schmerzmedikament für Kinder geeignet.

Zur Akuttherapie eignen sich Paracetamol oder Ibuprofen. Sie sollten nicht häufiger als zehn Tage im Monat gegeben werden. Auch Migräne-spezifische Mittel können vom Arzt eingesetzt werden. Zur Vorbeugung der Schmerzattacken haben sich Entspannungsverfahren als wirksamer erwiesen als Medikamente. Ob bestimmte Nahrungsmittel Migräneattacken auslösen können, ist nicht gesichert. Völlig kontraproduktiv sind strenge Diäten, weil sie Mangelerscheinungen und Wachstumsstörungen zur Folge haben.

Unbehandelte Kopfschmerzen können der Anfang eines von Schmerz bestimmten Lebens sein. Solche Kinder haben als Erwachsene ein erhöhtes Risiko, unter Kopfschmerzen zu leiden. Je früher die Kinder behandelt werden, desto grösser ist die Chance, dass die Schmerzen eines Tages nicht chronisch werden. Spätestens nach drei Monaten sollten die Eltern mit dem Kind zum Arzt, wenn der Kopfschmerz häufig und belastend ist.

CHECK
Das müssen Sie wissen

  • Bei welchen Kopfschmerzen muss man sofort zum Arzt?
  • Wenn der Schmerz plötzlich und heftig einsetzt.
  • Wenn das Kind zusätzlich hohes Fieber hat.
  • Wenn das Kind den Kopf nicht beugen kann.
  • Wenn das Kind ungewohnt stark erbricht.
  • Bei starker Benommenheit.
  • Wenn erstmalig ein Krampfanfall auftritt.
  • Bei erstmaligem Auftreten von Symptomen wie Seh- und Sprachstörungen, Schwäche in Armen und Beinen oder einer Gangunsicherheit, die länger als eine Stunde dauern.

Mehr Informationen über die TENS-Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne: www.doktorstutz.ch

 

 

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