Serie Krebs, Teil 1, Brustkrebs Neue Hilfe bei Brustkrebs!

Bei der onkoplastischen Methode arbeiten Gynäkologen und plastische Chirurgen Hand in Hand. Es wird nicht nur der Tumor entfernt, sondern gleichzeitig auch der Busen verschönert. Experten über die Vorteile dieser Technik und die Fortschritte in der Forschung.
Regelmässige Kontrolle ist sehr wichtig
© RDB/Keystone/GIORGIO BALMELLI Regelmässige Kontrolle ist sehr wichtig

 

Die Zahlen:
Neuerkrankungen pro Jahr: 5245
Todesfälle pro Jahr: 1350
Anteil an allen Krebs-Neuerkrankungen pro Jahr: 32,2 %

 

 Doris G. spürt die Verhärtung in ihrer Brust nicht. Im Gegenteil. Die Mutter von zwei Kindern fühlt sich kerngesund. Bis zum Zeitpunkt der jährlichen Kontrolle bei ihrer Hausärztin. Diagnose: Knoten in der linken Brust mit Verdacht auf Krebs. Sofort überweist die Ärztin die 43-Jährige ins Brustzentrum des Luzerner Kantonsspitals: Mammografie, Ultraschall, Gewebebiopsie. Ergebnis: Der Tumor ist bereits zwei Zentimeter gross.

Über 5000 Frauen erkranken in der Schweiz jährlich an Brustkrebs. Fast jede dritte Frau stirbt daran. Neben der Todesangst plagen die Patientinnen weitere Fragen: Verliere ich meine Brust? Bin ich nach der Operation noch begehrenswert? Soll ich einen ästhetischen Eingriff zum Aufbau machen lassen?

«Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut sich Frauen im Vorfeld informieren», sagt Susanne Bucher, Gynäkologin und Leiterin des zertifizierten Brustzentrums Luzern. Aufgrund dieser Informationsflut ist es wichtig, dass Spezialisten den Patientinnen einen Überblick im Therapie-Dschungel aufzeigen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen brusterhaltenden und brustamputierenden Eingriffen. Können Ärzte aufgrund der Tumorausbreitung die Brust nicht retten, besteht die Möglichkeit, sie zu rekonstruieren.

«Frauen haben heute vermehrt den Anspruch eines wohlgeformten Busens», sagt Urs Hug, plastischer Chirurg des Brustzentrums. Er und sein Kollege Elmar Fritsche bevorzugen deshalb die onkoplastische Methode. Diese Form der Brusterhaltung ist in der Schweiz noch wenig bekannt. Sie vereint das Notwendige mit dem Schönen: Der Gynäkologe und der plastische Chirurg entfernen einerseits den Tumor und nehmen gleichzeitig die Brustverschönerung vor. Sie verkleinern oder straffen die befallene Brust und passen die gesunde symmetrisch an. Frauen, die schon lange unglücklich mit ihrer Oberweite waren, kommen so zu einem rundum zufriedenstellenden Ergebnis. «Ausserdem», betont Dr. Hug, «ist das Risiko, dass der Tumor nicht komplett entfernt wird, kleiner, weil wir bei dieser Methode sehr viel Gewebe entfernen können.»

Je nach Art und Ausbreitung des Tumors braucht die Patientin nach der OP Chemotherapie oder Bestrahlung. Ziel: die möglicherweise noch vorhandenen Tumorzellen im Körper abzutöten. Bei der brusterhaltenden Therapie ist es nach wie vor Standard, die Brust und das Tumorbett nach der Operation zu bestrahlen, um das Rückfallrisiko zu senken. Laufende Studien untersuchen, ob eine einmalige Bestrahlung während der Operation ausreicht. Das würde es den Frauen ersparen, während sechs Wochen täglich zur Bestrahlung zu müssen. «Bei kleineren Tumorstadien wird sich diese Technik höchstwahrscheinlich durchsetzen», erklärt Gynäkologin Bucher.

Das höchste Risiko einer Ausbreitung besteht bei befallenen Lymphknoten. «Die Wächterlymphknoten-Technik bewährt sich nun seit zehn Jahren», sagt Susanne Bucher. Dabei entfernen Ärzte anstelle sämtlicher Achsellymphknoten nur den Knoten, der dem Tumor am nächsten liegt. Eine neu entwickelte Infrarot-Kamera ermöglicht es, den Wächterlymphknoten während der Operation nach dem Spritzen einer fluoreszierenden Substanz zu entdecken. «Diese Methode testen wir nun für den Einsatz im Klinikalltag», so Hug.

Anders als bei der herkömmlichen Chemo- oder Strahlentherapie richten sich viele der neuen Wirkstoffe gegen tumorspezifische Angriffspunkte. Das heisst, dass sie gezielt Tumorzellen abtöten. Dadurch verringern sich auch die Nebenwirkungen erheblich. Einer dieser neuen Wirkstoffe stört die Signalübertragung und hemmt damit das Wachstum der Tumorzellen. Ergebnis: Die entartete Zelle stirbt ab. Andere Substanzen verhindern die Nahrungszufuhr des Tumors, indem sie die Blutgefässbildung des erkrankten Gewebes unterdrücken. «Der Tumor erhält dadurch nicht mehr ausreichend Blut und verhungert buchstäblich», sagt Susanne Bucher.

Ein vielversprechendes Gebiet der Forschung sind Bisphosphonate. Diese Substanzen wirken am Knochen und werden seit Jahren erfolgreich bei Osteoporose eingesetzt. Laufende Studien zeigen, dass Bisphosphonate auch einen Anti-Tumor-Effekt aufweisen. Erste Forschungsresultate: Patientinnen, die Bisphosphonate einnehmen, leben länger und leiden weniger häufig an Knochenmetastasen. Nun gibt es Hinweise, dass Bisphosphonate gar in der Prävention wirksam sein könnten. Denn sie senken auch bei gesunden Frauen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Doris G. entscheidet sich für den onkoplastischen Eingriff und lässt ihre Brüste verkleinern. Heute ist sie wieder gesund und freut sich über ihre Oberweite: «So habe ich sie mir schon immer gewünscht.»

Check:
Infos und Hilfe bei Brustkrebs

Ursache: 
Brustkrebs entsteht aus einer ursprünglich gesunden Zelle, die sich durch einen genetischen Defekt verändert. Folge: unkontrolliertes Wachstum. Krebszellen können sich über die Blut- oder Lymphbahnen ausbreiten und Ableger bilden (Metastasen).

Symptome:
Tastbarer, meist schmerzloser Knoten im Brustgewebe oder in der Achselhöhle. Wichtig: Nicht jede Verhärtung bedeutet Krebs!

Hautrötungen:
Hauteinziehungen oder anderweitig veränderte Hautstellen – besonders im Bereich der Brustwarze –, selten auch blutiger Ausfluss.

Hilfe: 
Krebstelefon 0800 11 88 11
Helpline: helpline@krebsliga.ch
www.krebsliga.ch
www.leben-wie-zuvor.ch


Die Expertin rät: 

1 Achtung, Übergewicht!
Bei gesunden Frauen scheint vor allem Übergewicht nach den Wechseljahren das Risiko zu steigern. Wenn Sie zu schwer sind, sollten Sie abnehmen und körperlich aktiv werden.

2 Weniger Alkohol
Drei Drinks bzw. 4,5 dl Wein pro Tag erhöhen das Risiko eindeutig. Ein Glas ab und zu ist natürlich erlaubt.

3 Jedes Jahr zum Arzt und bei auffälligen Symptomen sofort zur Abklärung zum Gynäkologen.

4 Selbst-Kontrolle am besten jeden Monat nach der Menstruation. Das Brustzentrum Luzern bietet regelmässig Kurse an.

5 Mammografie oder Ultraschall?
Frauen ab 50 Jahren sollten alle zwei Jahre eine Mammografie machen lassen, sie reicht prinzipiell aus. Bei Frauen mit Knoten oder sehr dichten Brüsten, sollten beide Untersuchungen gemacht werden, da mittels Ultraschall der Knoten genauer beurteilt werden kann.

6 Medikamente:
Antihormonelle Medikamente können das Risiko einer Erkrankung verringern. Sie lösen jedoch erhebliche Nebenwirkungen aus. Deshalb sind sie nur bei Risikopatientinnen sinnvoll.

7 Vererbung:
Nur fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle sind vererbt.

8 Heilungschance:
Dank den heutigen medizinischen Möglichkeiten ist sie sehr gut. Sie hängt von der Aggressivität und dem Stadium des Tumors ab. Je früher man ihn entdeckt, desto höher die Heilungschance. Die 5-Jahres-Überlebenschance beträgt 86 %.

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