Aortenklappen-Implantat Neuer Schwung für schwache Herzen!

Das Risiko eines Eingriffs am offenen Herz ist für ältere Patienten deutlich erhöht. Seit einigen Jahren ersetzen Kardiologen verkalkte Aortenklappen minimalinvasiv. Ein Verfahren, das manchem Senior zu neuer Lebensqualität verhilft. Die Therapieform reduziert die Mortalität um einen Fünftel gegenüber Medikamenten.
Nachkontrolle. Dr. René Maire kontrolliert, ob der Klappenersatz bei Willi Tschümperlin korrekt funktioniert.
Nachkontrolle. Dr. René Maire kontrolliert, ob der Klappenersatz bei Willi Tschümperlin korrekt funktioniert.

Am Mittwoch wird gejasst, jeden Mittwoch, im «Bahnhöfli» in Uetikon ZH. Das lässt sich Willi Tschümperlin, 94, nicht nehmen. Und irgendwie ist das «Bahnhöfli» ein bisschen sein Zuhause, war er doch jahrelang Wirt dort. Sein ursprünglicher Beruf war allerdings Schreiner. Den hat er auch viele Jahre ausgeübt, bis er seine Frau, die im «Löwen» in Pfäffikon SZ servierte, kennenlernte. «Sie hatte halt Freude am Wirten. Und wir hatten die Möglichkeit, das Restaurant zu übernehmen», erzählt der vife Senior. Nach dem «Löwen» kam dann das «Bahnhöfli» in Uetikon, mit zusätzlich 18 Zimmern. «Das waren schöne 15 Jahre, aber wir mussten viel arbeiten», ergänzt er.

Ausser einer Tuberkulose-Erkrankung in den 60er-Jahren war Willi Tschümperlin immer gesund. Doch zwischen Herbst 2011 und Frühling 2012 stürzte er ohne ersichtlichen Grund drei Mal, jedes Mal war er kurz ohne Bewusstsein. Die Abklärungen beim Männedorfer Kardiologen Dr. René Maire ergaben eine verkalkte Aortenklappe mit einer deutlichen Einengung, also einer fortgeschrittenen Aortenstenose. Nach einigen Monaten kam der betagte Senior schon bei der kleinsten Anstrengung ausser Atem, dazu kam ein beängstigendes Beklemmungsgefühl. Es lag nun bereits eine schwere Aortenstenose vor, und Dr. René Maire entschloss sich, Willi Tschümperlin für einen kathetergestützten Aortenklappen-Ersatz (siehe Box) anzumelden. «Natürlich muss man sich fragen, ob ein solcher Eingriff in diesem Alter noch sinnvoll ist. Für einen Senior im gleichen Alter, der im Pflegeheim lebt und sich kaum noch bewegt, würde man diesen Eingriff sicher nicht mehr durchführen. Bei Willi Tschümperlin ist das anders: Er hat noch eine gute Lebensqualität, wohnt allein in seiner Eigentumswohnung, ist vif, humorvoll und nimmt am sozialen Leben teil. Zudem wohnen seine zwei Töchter in unmittelbarer Nähe», sagt Dr. Maire. Alle diese Faktoren haben den Kardiologen bewogen, Willi Tschümperlin für den katheterbasierten Aortenklappen-Ersatz am Universitätsspital Zürich anzumelden.

Der Eingriff Anfang Dezember vergangenen Jahres verlief problemlos. Kranzarterien, die teilweise ebenfalls verengt waren, wurden beim gleichen Eingriff mit Stents behoben. «In den Folgewochen entwickelte Willi Tschümperlin auf Grund der Medikamentensituation eine Niereninsuffizienz», erzählt Dr. René Maire. Durch die Reduktion der Medikamente ging es aber bald wieder bergauf mit dem rüstigen Senior. Und heute verpasst Willi Tschümperlin jeweils am Mittwoch keinen Jass mehr.

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