Serie Teil 2: Medikamente und ihre Anwendung Rezept zum optimalen Umgang mit Schmerzmedikamenten

Im zweiten Teil unserer Schmerz-Serie zeigen wir Ihnen, wie Schmerzmedikamente am besten wirken. Aber vergessen Sie nie, eine erfolgreiche Schmerztherapie braucht Geduld – vom Arzt genauso wie vom Patienten!
Rezept zum optimalen Umgang mit Schmerzmedikamenten
Rezept zum optimalen Umgang mit Schmerzmedikamenten

Über eine Million Schweizerinnen und Schweizer leiden unter chronischen Schmerzen. In unserer dreiteiligen Serie zeigen wir zusammen mit dem Schmerz Zentrum Zofingen Mittel und Wege auf, um mit chronischen Schmerzen nicht nur besser umzugehen, sondern sie effektiv zu behandeln. Sie können dazu selber enorm viel beitragen.

Im ersten Teil erklärten wir in acht Schritten, wie Sie den Schmerzen ihre oft katastrophale Bedeutung nehmen und Lebensbereiche, die Sie zuvor an Ihre Schmerzen abgetreten haben, nach und nach zurückerobern können. Im zweiten Teil sagen wir Ihnen hier, was Sie über Schmerzmedikamente wissen müssen, damit sie optimal wirken.

1. Schmerzmedikamente sind sinnvoll und wichtiger Bestandteil der modernen Schmerztherapie.
• Die Therapie soll möglichst früh beginnen. Das beugt der Chronifizierung und der Ausbildung des Schmerzgedächtnisses vor.

2. Die Schmerzmittel sollen Schmerzen reduzieren und die Lebensqualität verbessern.

3. Bei guter Wirkung müssen allerdings gewisse Nebenwirkungen in Kauf genommen werden.
• Besprechen Sie alle Nebenwirkungen mit Ihrem Arzt. Nur wenn Sie offen über Nebenwirkungen berichten, kann die Medikation Ihren Bedürfnissen angepasst und Ihre Lebensqualität verbessert werden. • Es gibt kein Medikament ohne Nebenwirkung – aber ohne adäquate Schmerztherapie kommt es zur Chronifizierung.
• Eine undifferenzierte Medikamenteneinnahme kann sich auch ungünstig auswirken.

4. Vereinbaren Sie mit Ihrem Arzt ein realistisches Behandlungsziel.
• Bei chronischen Schmerzen ist eine 50-prozentige Schmerzreduktion ein erreichbares Ziel.

5. Ihr behandelnder Arzt muss alle Ihre Medikamente kennen.
• Auch die Einnahme von nicht ärztlich verordneten Medikamenten.
• So können ungünstige Wechselwirkungen im Voraus erkannt werden.

6. Begleiterkrankungen und Allergien müssen bekannt sein.
• Damit Ihr Arzt für Sie optimal verträgliche Medikamente auswählt.

7. Halten Sie die Dosierungen und Einnahmeintervalle ein.
• Einige Medikamente wirken nur bei ausreichender Dosierung.
• Bei Dauerschmerzen sind retardierte Präparate ideal: Sie geben ihren Wirkstoff langsam und gleichmässig über einen längeren Zeitraum ab.
• Für Durchbruchschmerzen wird zusätzlich eine Reservemedikation verordnet: Diese können Sie ohne festes Zeitschema in Abhängigkeit von der Schmerzintensität einnehmen. Solche Mittel wirken schnell, aber nur kurz.
• Ist eine Verordnung nicht verständlich für Sie, dann fragen Sie noch einmal genau nach und lassen Sie sich ein schriftliches Verordnungsschema ausdrucken.
• Besprechen Sie jede Dosierungsänderung oder ein Absetzen der Medikation mit Ihrem Arzt.

8. Besprechen Sie Ängste und Vorurteile gegen Schmerzmittel offen mit Ihrem Arzt.
• Vor bestimmten Substanzklassen bestehen unbegründete Ängste – unter Umständen ist aber genau so eine Substanz ideal gegen Ihre Schmerzen. Vertrauen Sie dem Urteil des Spezialisten.

9. Schmerzmittel müssen der Schmerzstärke angepasst werden.
• Starke Schmerzen benötigen auch starke Schmerzmittel: Das können beispielsweise Opiate sein. Die WHO-Gesundheitsorganisation hat dazu internationale Empfehlungen abgegeben.

10. Schmerzmittel müssen dem Patienten angepasst werden.
• Die Wirkung und die Verträglichkeit sind individuell verschieden – jeder Patient reagiert anders.
• Die Opiate müssen individuell dosiert werden – jeder Patient benötigt seine auf ihn zugeschnittene Dosierung.

11. Schmerzmittel müssen der Schmerzart angepasst werden.
• Rheumatische Beschwerden und akute Schmerzen reagieren gut auf nichtsteroidale Antirheumatika.
• Nervenschmerzen sprechen dagegen besser auf Opiate und sogenannte Co-Analgetika an.
• Chronische Schmerzen reagieren anders als akute Schmerzen auf Medikamente.

12. Schmerzmittel müssen der Schmerzdauer angepasst werden.
• Bestimmte Medikamente sind als Dauermedikation geeignet – andere können zu Organschäden führen. Ihr Arzt wird Sie beraten.

13. Für die Therapie chronischer Schmerzen gelten besondere Regeln.
• Nicht alle Medikamente, die bei akuten Schmerzen wirken, helfen auch bei chronischen Schmerzen.
• Bei chronischen Schmerzen werden Co-Analgetika eingesetzt, die bei akuten Schmerzen nicht wirken.
• Dies können Antidepressiva oder Antiepileptika sein. Sie sind häufig nicht als Schmerzmittel gekennzeichnet, werden aber trotzdem gezielt gegen chronische Schmerzen eingesetzt.

14. Schmerztherapie braucht Geduld – aufseiten des Patienten wie des Arztes.
• Co-Analgetika wie Antidepressiva oder Antiepileptika wirken nicht sofort. Die Medikamente müssen langsam gesteigert werden und wirken erst, wenn eine bestimmte Wirkdosis erreicht ist.
• Niemand kann vorhersagen, welches Medikament Ihnen helfen wird. Auf dem Weg zu Ihrer optimalen Pharmakotherapie können also auch nicht wirksame oder nicht verträgliche Medikamente liegen.
• Auch langfristig muss die Effektivität der Pharmakotherapie ärztlich überprüft werden.

15. Bei komplexen medikamentösen Behandlungen wird Ihr Hausarzt einen Schmerzspezialisten hinzuziehen.
• Das ist richtig und vernünftig: Die moderne Schmerztherapie erfordert spezialisiertes Fachwissen und besondere Erfahrung.
• Auch der Schmerzspezialist arbeitet im Netzwerk der beteiligten Ärzte zum Nutzen des Patienten.

16. Jeder Patient hat das Recht auf eine gute Schmerzbehandlung, unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft oder sozialem Status.
• Alter ist kein Schmerzmittel – viele ältere Patienten leiden an Schmerzen, werden aber nicht immer ausreichend gegen ihre Schmerzen behandelt.

Mehr Infos über die Therapie von chronischen Schmerzen: www.schmerzzentrum.ch

Nächste Woche stellen wir eine Schmerztherapie vor, die Sie selber durchführen können.

CHECK
Das müssen Sie wissen

  • Chronischer Schmerz hat seine Warnfunktion verloren und sich verselbstständigt. Bereits kleinste Reize können als Schmerzsignale empfunden werden.
  • Achten Sie auf die Schmerzsignale Ihres Körpers, und beginnen Sie möglichst früh mit einer Behandlung. Beim Schmerz gilt: Der Patient hat immer recht!
  • Lassen Sie sich bei der Wahl eines bestimmen Mittels nicht von Angstmacherei und Vorurteilen leiten! Jedes Medikament mit einer Wirkung kann auch Nebenwirkungen haben.
  • Reichen herkömmliche Wirkstoffe nicht aus, kommen andere Medikamenten- gruppen in Betracht, seien es die Co-Analgetika und vor allem die Opiate. Opiate sind nicht organschädigend und deshalb langfristig verträglich. Fachgerecht eingesetzt, führen sie oft zu erstaunlichen Resultaten.
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