Wir nehmen ab Richtig essen will gelernt sein!

Magerkost statt währschafte Mahlzeiten. Helga und Charles Meister haben zusammen schon neun Kilo verloren. Trotzdem: Die Abnehmkandidaten machen noch vieles falsch. Lesen Sie mehr und sehen Sie sich das Video dazu an.
Im Gespräch mit Ehepaar Meister aus  Matzendorf SO erfährt Dr. Samuel Stutz (r.), warum es mit dem Abnehmen nicht richtig klappt. Charles Meister erzählt ihm: «Mir ist klar, dass ich mich nur im Kreis drehe und mein Wille 
allein nicht reicht.»
© Dick Vredenbregt Im Gespräch mit Ehepaar Meister aus Matzendorf SO erfährt Dr. Samuel Stutz (r.), warum es mit dem Abnehmen nicht richtig klappt. Charles Meister erzählt ihm: «Mir ist klar, dass ich mich nur im Kreis drehe und mein Wille allein nicht reicht.»

Helga und Charles Meister stehen mit beiden Beinen im Leben. Gemeinsam führen sie eine Aluminiumgiesserei in Matzendorf SO mit fünf Angestellten. Als sich die beiden Anfang Jahr für die Schweizer Illustrierte-Aktion «Wir nehmen ab!» anmeldeten, war der 51-Jährige bei einer Grösse von 180 cm 100 Kilo schwer. Seine 41-jährige Frau wog
70 Kilo bei einer Grösse von 168 cm. Seither hat er fünf und sie schon vier Kilo abgenommen. Mittags essen sie zu Hause immer etwas Warmes, am Abend etwas Kleines. Mit den zwei Hunden gehen sie zweimal am Tag laufen.

Auf den ersten Blick sieht das alles sehr gut aus. Erst beim genauen Hinhören läuten die Alarmglocken. Vor vier Jahren haben beide bereits einmal 13 Kilo abgenommen. Wenig später waren sie wieder da, die Kilos. Da ist er also, dieser gefährliche Jo-Jo-Effekt, der den Stoffwechsel und das Herzkreislauf­system mehr belastet als ein gleich­bleibendes Übergewicht. Es überrascht deshalb nicht, dass sich bei ihm immer dann Bluthochdruck und er­höhte Cholesterinwerte einstellen, wenn der Zeiger auf der Waage wieder noch oben zeigt. Machen wir also zu dritt ein bisschen Detektivarbeit. Schon die Frage nach dem Frühstück deckt das erste Problem auf: Es existiert gar nicht! Eine Tasse Kaffee, zu mehr reiche die Zeit nicht, erzählen sie. Hin und wieder mal ein Müesli, aber nur, wenn es parat steht. Oder dann im Vorbeigehen einen Riegel oder ein Schoggistängeli, wenn gerade eines herumliegt. Logisch, dass sich am Morgen schon bald der Hunger bemerkbar macht. Heisshunger natürlich.
 

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 «Schneuggen» nennen Meisters jene schlechte Gewohnheit,
bei einer sich bietenden Gelegenheit zu naschen, seien es Chips oder irgendetwas Süsses. Was dabei an Kalorien zusammenkommt, ahnt das beruflich stark engagierte Paar nicht im Entferntesten. Wenn Charles mittags nach Hause kommt, gehts sofort ran an die Wurst oder ans Schnitzel mit Pommes frites. Eine rahmige Sauce und Kräuterbutter dürfen nicht fehlen wie auch öfter mal ein Glas Wein. Eine gutschweizerische Küche mästet. Horrend auch das Tempo beim Essen! «Ich esse viel zu schnell», weiss Charles Meister selber. «Um 12 Uhr komme ich nach Hause. Um 12.10 Uhr gehe ich schon wieder. Es ist der Beruf, der mich stresst. Ich habe Verantwortung für meine Mitarbeiter. Abschalten kann ich deshalb nur sehr schwer. Ich bin immer angespannt und gebe Vollgas. Und ich habe immer Hunger.» Stressesser nennt man dieses Phänomen. Es sind Menschen, die Ihre Emotionen und den Stress vor allem über das Essen statt über andere Mechanismen regulieren.

Oft kommt es vor, dass er eine Mahlzeit auslässt, mit dem vermeintlich ­guten Willen, Kalorien einzusparen. Aber auch das geht jeweils schief, wenn dann die nächste Mahlzeit umso üppiger ausfällt, weil der Heisshunger zu gross geworden ist. Bleiben noch die Geschäftsessen. Auch hier die zu erwartende Misere: währschafte bürgerliche Küche mit ein paar Gängen und einem üppigen Dessert. Nach den fetten Jahren setzten sich die beiden auf eine selbst gewählte Magerkost. «Wir essen einfach weniger – die Hälfte von vorher», lautet der einfache Nenner. «Weniger Fettes und leichte Kost» klingt zwar noch gut. «Teigwaren ohne Sauce» auch. Bei «Abends nur noch ein Joghurt» wirds aber bereits wieder kritisch. «Und trinken tun wir auch nur sehr wenig.»

Lange werden Meisters diese Tortur nicht durchhalten, auch wenn ihr Wille sehr stark ist. Beide wissen um die Gefahr, bald wieder ins alte Fahrwasser zurückzufallen, sobald der erste Elan erschöpft ist. Dass so abnehmen nicht gesund ist, zeigt schon allein die Tat­sache, dass sich der Kleinunter­nehmer nach 14 Minuten auf dem Hometrainer bereits so energielos fühlt, dass er aufhört.

Tipps:

  • Als Zwischenmahlzeit keine verarbeiten Produkte wie Riegel oder Stängeli, sondern eine Frucht, ein Rüebli oder eine Peperoni.
  • Wenn Süsses, dann in kleinen Mengen und richtig lange geniessen.
  • Nicht mit der Brechstange abnehmen. Lieber sachte, dafür bleibend. Nur Dinge ändern, die man langfristig beibehalten kann
  • Das Essen entstressen. Ein Kerzli anzünden und so lange sitzen bleiben, bis es erlischt. Die gemeinsame Zeit beim Essen geniessen.
  • Stress anders verarbeiten. Mit einem Spiel, mit Bewegung oder etwas Entspannendem.
  • Am Morgen zwei Liter Wasser bereitstellen und im Laufe des Tages trinken.
  • Keine Mahlzeiten mehr auslassen. Ein Frühstück essen, beim Mittagessen den Teller zur Hälfte mit Gemüse füllen, abends viel Salat sowie etwas Stärke- und Eiweisshaltiges.
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