Gefässerkrankung Sicher in die Ferien - ohne Thrombose!

Nicht nur auf Langstreckenflügen besteht ein erhöhtes Thromboserisiko – auch auf langen Car- oder Autofahrten sowie Zugreisen können sich in den Venen Blutgerinnsel bilden. Der Experte Dr. Matteo Rossetto erklärt, wie man am besten vorbeugen kann und welche Übungen auch im Sitzen helfen.
Touristenklasse-Syndrom: Durch ungenügende Beinfreiheit wird der Blutdurchfluss verlangsamt. Das kann gefährlich werden!
© Keystone Touristenklasse-Syndrom: Durch ungenügende Beinfreiheit wird der Blutdurchfluss verlangsamt. Das kann gefährlich werden!

Die Beinvenenthrombose hat sich vor allem als «Touristenklasse-Syndrom» einen Namen gemacht. Zwar besteht nach wie vor ein erhöhtes Thromboserisiko auf Langstreckenflügen, aber man weiss heute, dass die Bildung von Blutpfropfen in den Venen nicht allein durch veränderte Luftdruckverhältnisse oder die niedrige Luftfeuchtigkeit in Flugzeugen zu erklären ist.

«Die eingeengte Sitzposition über mehrere Stunden, insbesondere in der Touristenklasse, ist vor allem das Problem», erläutert Dr. Matteo Rossetto, Facharzt für Innere Medizin und Sportmedizin. «Durch wenig Beinfreiheit sind die Venen in der Leiste und der Kniekehle während der gesamten Reise abgeknickt, und der Blutdurchfluss wird verlangsamt.» Hinzu kommt, dass der Luftdruck in der Kabine niedriger ist, als es unser Körper gewohnt ist, was einem Ausflug auf einen Berggipfel von etwa 2500 Metern entspricht. Als Folge davon dehnen sich die Venen aus, der Blutfluss wird langsamer. Oft schwellen auch die Füsse an und passen nach der Landung kaum mehr in die Schuhe.

Zudem ist im Flugzeug die Luftfeuchtigkeit, die am Boden normalerweise zwischen 20 und 30 Prozent beträgt, nur noch etwa 3 Prozent, also ein trockenes Wüstenklima. Dadurch verliert der Körper zusätzlich Flüssigkeit, und das Blut wird dickflüssiger. «Die wichtigste Massnahme ist hier Bewegung», rät Dr. Rossetto. «Man sollte einmal pro Stunde aufstehen, kurz umhergehen, sich ein bisschen dehnen. Dies gilt im Übrigen nicht nur für Flugreisen, sondern ebenfalls für lange Car-, Auto- oder Zugfahrten.» Auch einfache Fussübungen, die man im Sitzen machen kann, fördern die Durchblutung der Beine (siehe Box).

Ebenso wichtig ist es, genügend zu trinken, vorwiegend Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte. «Auf Kaffee sollte man möglichst verzichten, da dieser die Urinausscheidung fördert und somit den Körper zusätzlich austrocknet. Auch Alkohol sollte man meiden, da er die Venen erweitert und den Blutstrom noch verlangsamt», warnt Dr. Rossetto.

Besonders gefährdet für Thrombosen sind vor allem Menschen, die schon einmal eine Thrombose hatten, solche mit Krampfadern, ältere Menschen, Übergewichtige und Schwangere. «Auch Menschen, die vor Kurzem operiert wurden oder hormonelle Mittel einnehmen, zum Beispiel die Pille oder Medikamente in den Wechseljahren, sind stärker gefährdet. Genauso Menschen, bei denen eine genetische Neigung zu Thrombosen diagnostiziert wurde», sagt Dr. Rossetto.

Vorbeugen kann man in diesen Fällen bereits im Vorfeld. «Menschen, die besonders thrombosegefährdet sind, sollten vor der Reise ihren Arzt konsultieren und sich, wenn nötig, das Blut medikamentös verdünnen lassen. Ein Aspirin hilft hier nicht ausreichend», empfiehlt Dr. Rossetto. Auch Kompressionsstrümpfe sind hilfreich und wirken primär gegen Bein- und Knöchelschwellungen.

Entsteht trotz allen Vorsichtsmassnahmen eine Thrombose, ist schnelles Handeln gefragt, denn bei einer Thrombose handelt es sich um einen Notfall. Das Blutgerinnsel kann zum einen die Venen blockieren, es kann sich aber auch lösen und in die Lunge gelangen und zu einer Embolie führen, einem lebensbedrohlichen Gefässverschluss.

Erste Hinweise auf eine Venenthrombose sind nicht immer einfach zu erkennen und fehlen manchmal sogar gänzlich. Beschwerden wie ein plötzliches Anschwellen der Wade, verbunden mit leicht ziehenden Schmerzen, können jedoch erste Anzeichen sein. Druckempfindlichkeit und eine Überwärmung des betroffenen Beines können weitere Hinweise sein. «Bei einem entsprechenden Verdacht sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, damit die Behandlung umgehend eingeleitet werden kann. Löst sich ein Gerinnsel und gerät ins Herz oder in die Lunge, sind schlagartig einsetzende Brustschmerzen, Atemnot und Schock die Folgen. Auch hier ist sofortige ärztliche Hilfe notwendig», erklärt Dr. Rossetto. Holen Sie sich vor Ihrer Reise Rat bei Ihrem Arzt, damit Sie Ihren Urlaub unbeschwert antreten können.

Reisegymnastik für die Beine:
Auch im Sitzen können Sie etwas für Ihre Beine und Füsse tun:

  • Stellen Sie beide Füsse auf den Boden. Heben Sie nun die Zehen und dann die Fersen kräftig an. 10 Mal wiederholen.
  • Heben Sie einen Fuss an, und kreisen Sie mit dem Fussgelenk 10 Mal nach aussen und 10 Mal nach innen. Danach das Gleiche mit dem anderen Fuss.
  • Heben Sie ein Bein an, und umfassen Sie mit beiden Händen das Knie. Ziehen Sie es leicht gegen den Körper und halten es fünf Sekunden. Mit jedem Bein 10 Mal wiederholen.
  • Wiederholen Sie diese Übungen nach Möglichkeit jede Stunde.


Check: Das sollten Sie wissen!
So vermeiden Sie Thrombosen: 

  • Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, gehen Sie vor Reiseantritt zu Ihrem Arzt, und lassen Sie sich beraten.
  • Wählen Sie bequeme Kleidung, die nicht einschneidet.
  • Trinken Sie viel und regelmässig während der Reise, jedoch keinen Kaffee und keinen Alkohol.
  • Etwa alle zwei Stunden aufstehen und kurz umhergehen.
  • Jede Stunde Reisegymnastik im Sitzen durchführen.
  • Bei Anzeichen einer Thrombose sofort den Arzt aufsuchen.
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