Doris Leuthard «Sie ist unsere Swiss Lady!»

Bundespräsidentin Doris Leuthard auf Triumphzug durch den Aargau. Warum sie sich «Prügelmädchen» nennt und wer sie mit Pippi Langstrumpf vergleicht.

Bundespräsidentin Doris Leuthard hat viele Talente. Ihr Amtsvorgänger Hans-Rudolf Merz sagt, sie sei klug, erfahren im Regieren und – als ehemaligen Textiler verzücke ihn das natürlich –, «Doris besitzt politisches wie modisches Gespür».

Und noch ein Talent hat Leuthard: Sie inspiriert musikalische Primarlehrer. Überall, wo sie auftritt, singen Schulkinder vom Lehrer getextete «Doris-Leuthard-Lieder».

So auch letzten Donnerstag. Die Bundespräsidentin und ihre Gäste ­reisen ab Bern per Extrazug durch Leuthards Heimatkanton Aargau. Bereits beim ersten Halt, in Murgenthal, singen die Schüler Pepe Lienhards «Swiss Lady» mit abgeändertem Text: «… und wer sie einmal gehört hat, der weiss, nur Doris klingt so schön!»

Die Leute winken, klatschen. Heisses (!) Rivella wird ausgeschenkt, der Beck nebenan wirbt mit seinem ­«Tageshit, Nussstange für 1.60 Franken», doch die Murgenthaler haben ­heute nur Augen und Ohren für ihren Jahreshit – Doris.

Der magistrale Extrazug wird von der «Doris Leuthard»-Lok gezogen: 84 Tonnen schwer, 8300 PS stark, «Zugkraft Aargau» ist auf die
Re-460-Lokomotive gepinselt, welche die CVP-Bundesrätin vor drei Jahren auf ihren Namen taufen durfte.

Ihr richtiges Patenkind erwartet sie dann in Aarau: Rehema, 9, empfängt ihr Gotti zusammen mit Leuthards Eltern, Ruth und ­Leonz, Ehemann Roland Hausin und vielen Schaulustigen. Die Bundesprä­sidentin dankt ihrem Amtsvorgänger Merz, der ein spezielles Jahr hinter sich hat. Mal sei Merz Held gewesen, sagt Leuthard, dann wieder Prügel­knabe. «Darum stelle ich mich jetzt schon darauf ein, das ‹Prügelmädchen› zu sein.»

Durch Aaraus Bahnhofs-Katakomben, eingeklemmt im Feierabend-Pendlerstrom, ellbögeln sich Leuthard und Gäste zum Extrazug zurück. Auf den letzten Halt freut sich die Magistratin ganz besonders: ihre Wohngemeinde Merenschwand. Alle sind sie gekommen und heissen ihre Doris willkommen.

Und auch hier inspiriert Leuthard den musikalischen Primarlehrer: Statt «Hey Pippi Langstrumpf» singen die Drittklässler «Hey Doris Leuthard». So viele liebe, bekannte Gesichter – Doris Leuthards Stimme bricht, sie hat Tränen in den ­Augen. «Hier bin ich daheim, hier bin ich nicht die Frau Bundespräsidentin, sondern einfach nur eure Doris.»

Riesiger Applaus, der Musikverein spielt den «Doris-Leuthard-Marsch», danach «New York, New York». Die Merenschwander werden ihre Doris in deren Präsidialjahr unterstützen. Wie turbulent so ein Amtsjahr sein kann, weiss keiner besser als Bundesrat Merz.

Aber die kalendarischen Zeichen für Doris’ Präsidialjahr ständen günstig, weiss der Appenzeller. In seinem Jahr habe es dreimal einen Freitag, den 13., gegeben. «Du, Doris, wirst es nur mit einem einzigen zu tun haben.»

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