Schwerhörigkeit Unterhört günstig und unerhört einfach!

Technisch hochstehende Hörgeräte für ein paar Hundert anstatt ein paar Tausend Franken. Was bis vor Kurzem noch undenkbar war, ist heute REALITÄT. Dank einer neuen Verordnung des Bundes und einem neuartigen Vertriebssystem mit mehr als 200 Apotheken und Drogerien.
Dank Wettbewerb und Wahlfreiheit: Massive Preissenkung bei Hörgeräten.
Dank Wettbewerb und Wahlfreiheit: Massive Preissenkung bei Hörgeräten.

Bei der Behandlung der Schwerhörigkeit spielt sich Unerhörtes ab. Bis vor Kurzem kosteten Hörgeräte ein Vermögen. Die Abklärungen dauerten oft monatelang. Und am Schluss landeten die Dinger in einer Schublade, weil viele der älteren Menschen mit Hightech schlicht überfordert waren.

Anbieter und das zuständige Bundesamt für Sozialversicherungen BSV konnten sich während Jahren nicht auf eine gemeinsame Linie für eine Reform der Hörgeräteversorgung einigen. Da machte der Bund kurzen Prozess. Er setzte auf den 1. Juli 2011 eine neue Verordnung in Kraft. Kernstück: mehr Wettbewerb und damit Preissenkungen sowie die Wahlfreiheit der Patienten. Neu zahlt die IV nur noch eine fixe Pauschale von CHF 840.– pro Gerät – AHV-Beitrag CHF 630.– – direkt an den Hörbehinderten, egal, ob man ein teures oder günstiges gekauft hat. Voraussetzung ist, dass ein anerkannter Facharzt den Hörverlust festgestellt hat. Wer sich für ein kostengünstiges Gerät entscheidet, kann die Differenz behalten. Wer ein luxuriöses Gerät wählt, muss den Mehrbetrag selber berappen.

«Die Pauschalen sind so bemessen, dass sie für qualitativ hochstehende Geräte sowie eine fachmännische Anpassung und einen einwandfreien Service reichen», sagt Peter Eberhard, stellvertretender Leiter der Invalidenversicherung im Bundesamt für Sozialversicherungen. «Es ist jedem freigestellt, wo er sein Hörgerät bezieht und anpassen lässt. Das kann ein Akustiker sein, aber auch eine Apotheke oder Drogerie.» Eberhard appelliert an die Eigenverantwortung der Betroffenen: «Geben Sie sich nicht mit dem erstbesten Angebot zufrieden, sondern vergleichen Sie Qualität und Preise. So finden Sie das Gerät, das Ihren Anforderungen und finanziellen Vorstellungen am besten entspricht.»

Hörgeräte in Apotheken und Drogerien? Was auf Anhieb seltsam klingen mag, erweist sich als Erfolgsmodell. Schon mehr als 200 Apotheken und Drogerien bieten in der ganzen Schweiz mittlerweile Hörgeräte an, zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten, ohne Qualitätseinbusse. Technologisch haben sie alles zu bieten, was es für ein modernes Hörgerät braucht: leistungsstarke Unterdrückung von Störgeräuschen und Rückkoppelung, was Pfeifen verhindert, Erkennung von Stimmen, zwei Richtmikrofone für optimales räumliches Hören, vier Programme mit einem Komfortprogramm und drei für spezielle Hörsituationen. Dank einer ausgeklügelten Software und intelligenten Voreinstellungen ist es in den Apotheken und Drogerien möglich, die Patienten in weniger als einer Stunde mit einem Hörgerät zu versorgen. Danach folgt ein unverbindliches Probetragen. Gekauft wird nur, wenn der Patient zufrieden ist. Erweist sich das Hörproblem ausnahmsweise als zu komplex, erfolgt eine Zuweisung an den Spezialisten.

Die anfängliche Aufregung in der Branche hat sich gelegt. Mehrere der etablierten Hersteller bieten inzwischen auch billigere Modelle an. Die Kunden freut es. Und die Schweizer Sozialversicherung, die bisher zwei- bis dreimal mehr für eine Hörgeräteversorgung als die Versicherungen im Ausland bezahlt hat, erhofft sich Einsparungen von jährlich rund 30 Millionen Franken, ohne dass die Qualität der Hörversorgung darunter leidet. Wie immer in solchen Fällen versuchen dubiose Anbieter, sich ein Stück des Kuchens abzuschneiden. So werden zurzeit in grossen Inseraten Billigsthörgeräte angepriesen, die gar keine sind, sondern höchstens Hörverstärker. «Nur Geräte, die geeignet sind, einen Hörverlust zu kompensieren, befinden sich auf der offiziellen Liste und werden von der IV und der AHV finanziert», warnt Eberhard.

Mehr Wettbewerb, massive Preissenkungen und mündige Konsumenten, davon erhofft man sich auch eine Entstigmatisierung der Schwerhörigkeit. Hörgeräte sollen endlich so selbstverständlich werden wie Lesebrillen im Alter. Heute gestehen sich die meisten älteren Menschen jahre- oder gar jahrzehntelang nicht ein, dass sie nicht mehr gut hören, ganz besonders Männer. Und das, obwohl sie den Fernseher lauter stellen und die Angehörigen bitten müssen, deutlicher zu sprechen, obwohl sie besonders in Gesellschaft grosse Mühe haben, einer Unterhaltung zu folgen. Dass sie damit das Hören verlernen, ihre sozialen Beziehungen und ihr gesamtes Denken und Fühlen verarmen lassen, bedenken sie nicht. Bei den meisten hörbehinderten Menschen ist die Beeinträchtigung bei hohen Tönen grösser als bei tiefen. Das ist der Grund, warum die für das Sprachverständnis wichtigen hochfrequenten Konsonanten wie C, S, F und Z oft gar nicht gehört werden. «Mit einer Hörgeräteversorgung sollte man auf keinen Fall so lange warten, bis es nicht mehr anders geht», sagt Peter Eberhard. «Gut hören ist für das menschliche Leben zentral.»

Check 
Das müssen Sie wissen

Erste Zeichen für Schwerhörigkeit:

  • Überhören von Naturgeräuschen wie Blätter-, Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher
  • Überhören von Haushaltsgeräuschen wie Surren des Kühlschranks, Ticken des Weckers usw.
  • Überhören von Telefon oder Klingel
  • Verstärktes Gefühl, dass der Gesprächspartner nuschelt und Nachfragen erforderlich macht
  • Schlechtes Sprachverstehen bei Unterhaltungen im Restaurant mit anderen Gesprächen und Musik im Hintergrund

 

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