Diagnostik Verräterische Spuren im Blut

Eine neue Untersuchung revolutioniert die Krebsdiagnostik. Mit einem einzigen Bluttest können viele Krankheiten mit hoher Zuverlässigkeit diagnostiziert werden. Und das in einer sehr frühen Phase.
Verräterische Spuren im Blut
Verräterische Spuren im Blut

Ein Bluttest, der frühzeitig Auskunft darüber gibt, ob ein Mensch an einem Tumor erkrankt ist, davon träumt die Medizin schon lange. Jetzt wird dieser Traum Wirklichkeit. Micro-RNA heissen die winzigen Moleküle, die eine wichtige Rolle im komplexen Geschehen der Genregulation von Zellen spielen. Sie tragen nicht wie andere Arten von RNA die Erbinformation für bestimmte Eiweisse, sondern lagern sich an definierte Abschnitte der RNA an und wirken so auf die Eiweissproduktion ein. Damit sind sie an unzähligen Krankheitsprozessen beteiligt.

Mehrere wissenschaftliche Teams konnten zeigen, dass bei Patienten mit Krebsleiden ganz spezifische Micro-RNA-Signaturen vorliegen, die nicht nur eine Abgrenzung zu Gesunden, sondern auch eine Krebsfrühdiagnose erlauben. Die Trefferquote war in den meisten Fällen sehr hoch. Bei Eierstockkrebs betrug sie 90 Prozent. In der Medizin sind das traumhafte Quoten, die kaum eine andere Untersuchungsmethodik erreicht. Es wird immer klarer, dass mit einem einzigen Bluttest eine Vielzahl von Erkrankungen mit hoher Zuverlässigkeit diagnostiziert werden kann. So hat erst vor Kurzem ein Team des Krebsforschungszentrums in Heidelberg entdeckt, dass eine Kombination von vier verschiedenen Mikro-RNA-Molekülen im Blut sich für eine frühe Brustkrebsdiagnose eignet.

Die Entdeckung der Micro-RNA liegt noch nicht lange zurück. Erst seit einigen Jahren weiss man, wie die kleinen Moleküle – kurze Abschnitte der Erbsubstanz – das Leben in einer Zelle mitbestimmen. Sie heften sich an andere Abschriften der Erbsubstanz, die zur Produktion von Eiweissen benötigt werden. Durch das Anheften werden die Bauanleitungen abgeschaltet oder sogar eliminiert, bevor sie zur Eiweissproduktion verwendet werden können. Auf diese Weise kontrolliert die Zelle Art und Menge der Proteine.

Die feine Balance zwischen an- und abgeschalteten Genen ist in den Organen unterschiedlich und verändert sich im Lauf der Entwicklung und unter Umwelteinflüssen. Wird diese Balance gestört, kommt es zu Krankheiten wie beispielsweise Krebs. 2006 bekamen zwei amerikanische Biologen den Nobelpreis für ihre Entdeckung, dass winzig kleine RNA-Moleküle sich an andere Erbinformationen einer Zelle anlagern können und so verhindern, dass diese in Proteine übersetzt werden.

 

Auch interessant