Keuchhusten Wenn der Arzt zu husten anfängt

Die Kinderkrankheit Keuchhusten trifft immer mehr Erwachsene. Der alte Impfschutz wirkt zu wenig lang. Die Diagnose wird oft falsch gestellt. Das musste auch Immunologe Beda M. Stadler erfahren.
Wenn der Arzt zu husten anfängt
© Keystone Wenn der Arzt zu husten anfängt

Der Husten war hartnäckig, in der Tat. Aber nie im Leben hätte Prof. Beda M. Stadler, Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern, daran gedacht, dass er an Keuchhusten erkrankt war. «Die Infektionskrankheit ist hochansteckend. Einige Mitarbeiter meines Instituts litten über mehrere Wochen daran, und ich bin derjenige, der sie möglicherweise angesteckt hat. Das ist peinlich, weil ich vergessen habe, die Keuchhustenimpfung aufzufrischen.»

Gemäss dem Immunologen Stadler ist der Keuchhusten-Impfstoff nicht über alle Zweifel erhaben. Ältere Menschen seien noch mit einem heute veralteten Impfstoff immunisiert worden, und man wisse darum nicht wirklich, ab wann und wie oft man als Erwachsener geimpft werden müsse. Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit bestätigt: «Wir sind uns bewusst, dass weder die Impfung noch die Krankheit selber einen lebenslangen Schutz bietet. Deshalb empfehlen wir seit Anfang Jahr zwei zusätzliche Impfdosen: je eine Impfauffrischung bei Teenagern sowie bei jungen Erwachsenen um Mitte zwanzig.»

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. In der Regel beginnt eine Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen und unauffälligem Husten. Diese anfänglich unauffälligen Symptome sind heute ein Problem, weil man im Anfangsstadium ein Antibiotikum nehmen sollte. Beda Stadler ärgert sich deshalb doppelt, weil auch er bloss eine Erkältung vermutete und somit den Moment verpasste, weniger ansteckend zu sein und einen kürzeren Krankheitsverlauf vor sich zu haben. Denn nach ein bis zwei Wochen entwickelt sich bei einer Keuchhustenerkrankung ein stakkatoartiger Husten, der bis zu sechs Wochen anhält. Kommt hinzu: Nach der Anfangsphase nützen Antibiotika nichts mehr, sie können sogar die Symptome verschlimmern, da die sterbenden Bakterien ein Gift freisetzen.

Oftmals verpassen junge Ärzte auch die Diagnose bei Erwachsenen, weil die Krankheit dank Impfung bei Kindern relativ selten ist und bei Erwachsenen nicht ganz so typisch verläuft, da sie noch einen Restschutz haben. Unentdeckt Infizierte können darum ungeimpfte Babys anstecken, für die der Krankheitsverlauf sehr problematisch werden kann.

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