Krebsforschung Zwei neue Mittel machen Hoffnung

Seit mehr als zwanzig Jahren suchen Forscher nach einem Medikament gegen den schwarzen Hautkrebs. Nun gibt es Neuigkeiten: Am weltweit grössten Onkologie-Kongress Asco in Chicago sorgten gleich zwei neue Medikamente für Aufregung.

Die Schweiz führt einen traurigen Rekord: Nirgends in Europa erkranken so viele Menschen an Hautkrebs. 15 000 sind es jährlich. Bei 2000 Patienten handelt es sich um Melanome, den schwarzen Hautkrebs. «Es ist die gefährlichste Form aller Hautkrebsarten, weil er bei etwa 15 bis 20 Prozent Ableger in anderen Organen bilden kann», erklärt Prof. Reinhard Dummer, stv. Klinikdirektor der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich. «Das bedeutet Lebensgefahr!» Jährlich sterben 250 Menschen daran.

Zwanzig Jahre lang hat er geforscht. Stundenlang durch das Mikroskop geschaut, etliche Proben genommen, Tausende Fachartikel nach Informationen durchsucht. «Zum Teil war ich richtig frustriert», erzählt Prof. Dummer. Trotzdem gab er den Kampf gegen das Melanom nie auf. Er habe immer daran geglaubt, dass irgendwann eine erfolgreiche Therapie gefunden wird. Nun hat er endlich stichfeste Beweise. Am weltweit grössten Onkologie-Kongress Asco in Chicago (USA) sorgten gleich zwei Studien zum Thema Hautkrebs für Aufsehen. Die Fachleute sind sich einig: Diese Ergebnisse werden die Standard-Therapie verändern.

Bei den Wirkstoffen handelt es sich um Ipilimumab der Pharmafirma Bristol-Myers Squibb und Vemurafenib von Roche. Beide können den Krebs zwar nicht heilen, verlängern aber das Leben der Betroffenen. Bis anhin verabreichte man den Patienten Dacarbazine, eine Chemotherapie. Es beschädigt die Erbsubstanz und bremst dadurch das Zellwachstum. «Doch wir kamen damit nicht weiter. Egal wie hoch man es dosierte, der Effekt blieb immer derselbe», sagt Prof. Dummer. Mit dem Antikörper Ipilimumab greifen die Forscher den Tumor nicht direkt an, sondern unterstützen die Aktivierung des Immunsystems.

Bereits vor einem Jahr vermeldeten Forscher am Asco-Kongress erste Erfolge mit Ipilimumab. «Dabei verdoppelte sich der Anteil jener Patienten, die nach einem und nach zwei Jahren noch am Leben waren», erklärt Prof. Dummer. An der neu vorgestellten Studie nahmen 502 Patienten teil, die noch keine Chemotherapie hinter sich hatten. Zudem kombinierte man Ipilimumab mit Dacarbazine, der Standard-Therapie.

Normalerweise beträgt die durchschnittliche Überlebensdauer mit Dacarbazine neun Monate. Mit Ipilimumab lebten die Patienten durchschnittlich zwei Monate länger. «Natürlich klingt das nach wenig. Aber das ist nur ein Mittelwert. Nach zwölf Monaten lebte noch knapp jeder zweite Ipilimumab-Patient, bei der Vergleichsgruppe war es jeder Dritte.»

Die Nebenwirkungen von Ipilimumab sind allerdings erheblich: In der jüngeren Studie musste einer von sechs die Therapie abbrechen. Die häufigsten Probleme: Darm- und Leberentzündungen. Erstaunlich: Je höher die Nebenwirkungen, desto besser schien der Patient auf das Medikament anzusprechen. «Noch müssen wir herausfinden, bei welchen Patienten es am besten nützt», sagt Prof. Dummer.

Diese Frage stellt sich beim zweiten Melanom-Medikament mit dem Wirkstoff Vemurafenib nicht. Es nützt nur bei Patienten, deren Melanome eine bestimmte Braf-Mutation aufweisen. Denn bei Vemurafenib handelt es sich um einen Hemmer, der auf das Braf-Protein wirkt. Es greift den mutierten Eiweisskörper an, beeinträchtigt aber das gesunde Signal kaum. Nachteil: «Nur etwa 50 Prozent aller Melanom-Patienten besitzen dieses veränderte Protein», sagt Prof. Dummer. Vorteil: «Bei diesen 50 Prozent ist die Erfolgsrate sehr hoch.» Laut den Herstellern reduzierte sich das Risiko, zu sterben, in den ersten sechs Monaten um 63 Prozent.

Im Gegensatz zu Ipilimumab wirkt Vemurafenib schnell. «Bei Ipilimumab dauert es zehn bis zwölf Wochen, bis die Wirkung 100 Prozent beträgt», sagt Prof. Dummer. Die Pharmafirmen Bristol-Myers Squibb und Roche wollen deshalb zusammenarbeiten. Sie hoffen, dass man die beiden Medikamente irgendwann kombinieren kann. «Mit Vemurafenib könnte man die Zeit gewinnen, die es braucht, bis Ipilimumab wirkt», erklärt Prof. Dummer.

Bis jetzt sind beide Medikamente noch nicht in der Schweiz zugelassen. Doch im Rahmen von Studien kommen sie in spezialisierten Spitälern bereits zum Einsatz.

 

CHECK: Das sollten Sie wissen!

  • So schützen Sie Ihre Haut:
  • Sonnenbrand vermeiden.
  • Über Mittag von 11 bis 15 Uhr im Schatten bleiben.
  • Hut mit Nackenschutz und geeignete Kleidung tragen.
  • Sonnenbrille mit 100 Prozent UV-Schutz bis 400 nm tragen.
  • Sonnenschutzmittel mit genügend hohem Lichtschutzfaktor verwenden.
  • Nase, Ohren, Lippen und Nacken besonders gut schützen.
  • Kleinkinder bis zu einem Jahr nie der direkten Sonne aussetzen.
  • Infos unter www.krebsliga.ch
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