Fabian Cancellara Immer im Schuss: «Meine Frau hält mir den Rücken frei»

Der Radrennprofi und Botschafter der Uhrenmarke IWC, Fabian Cancellara, spricht mit der «Schweizer Illustrierten» über Zeit, Familie und Gradlinigkeit.
Immer im Schuss: Vom Trainingslager auf Mallorca direkt an die Uhrenmesse in Genf - der Radrennprofi Fabian Cancellara.
© Keystone Immer im Schuss: Vom Trainingslager auf Mallorca direkt an die Uhrenmesse in Genf - der Radrennprofi Fabian Cancellara.

Herr Cancellara, irgendwie rennen oder fahren Sie immer gegen die Zeit …
Eigentlich schon. Privat und beruflich muss alles genau sein und funktionieren. Doch für mich ist das keine Hektik, sondern Qualität.

Der CEO von IWC, Georges Kern, hat Sie mit «Hey, Compagnon» begrüsst. Wie kommts?
Bei der Tortour, dem härtesten Schweizer Radrennen, sind wir zusammen im Laureus-Team gefahren. Das war ein riesiges Erlebnis für ihn und für mich. Morgens um vier Uhr sich gegenseitig motivieren – und dann dieser Teamspirit, das ist speziell und schön.

Was ist die Faszination von Hundertstelsekunden?
Mit gutem Timing kann man das Maximum aus sich herausholen, erlebt Extreme. Mir ist es als Zeitfahr-Weltmeister wichtig, Botschafter einer Uhrenmarke zu sein, die Klasse hat und die die Emotionen des Sports versteht. Es ist wie ein innerer Sieg für mich, bei IWC dabei zu sein.

Mit 18 sagten Sie, dass Sie die Tour de France gewinnen wollen. Ist dieser Sieg noch realistisch?
Theoretisch ist alles möglich, aber es ist nicht mehr das, was ich will. Die Tour de France ist mein Traum, aber nicht mehr mein Ziel. Jetzt kommen die Olympischen Spiele, die Weltmeisterschaften und grosse Klassiker. Ziele gibt es genug.

Aber mit dreissig haben Sie als Radrennfahrer nicht mehr so viel Zeit.
Solange ich motiviert bin, spielt das Alter keine Rolle. Doch seit ich die Drei auf dem Rücken habe, denke ich wirklich über gewisse Dinge anders. Ich bin ruhiger geworden und weiss: Qualität ist das eine, Quantität etwas anderes.

Rechtfertigen Sie so auch die Tatsache, dass Sie wegen Ihres Berufes oft fern von der Familie sind?
Es hört sich doof an, aber ich bin lieber weniger zu Hause, dafür richtig. Klar, es ist schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Zum Glück ist Stefanie eine starke Frau. Sie hat alles im Griff und hält mir so den Rücken frei. Wir sind ein Team.

Vorhin haben Sie mit Ihrer fünfjährigen Tochter telefoniert. Sie stellt sehr viele Fragen…
Für sie ist es auch schwierig, dass ich oft abwesend bin. Es kommt vor, dass sie weint, wenn ich gehe. Dann fällt mir der Abschied natürlich schwer. Und all das, was ich bei ihr verpasse, auf Videos und Fotos anzuschauen, ist unbefriedigend.

Wie erklären Sie Giuliana Ihren Beruf?
Ich sage, dass ich Geld verdienen gehe, da dieses nicht vom Himmel fällt. Dass meine Arbeit das Radfahren ist, versteht sie noch nicht. Für sie heisst es nur: «Papa gaht go Velo fahre.»

Welche Werte geben Sie Ihrer Tochter mit?
Für meine Frau und mich ist es nicht entscheidend, dass sie bald schreiben, rechnen oder lesen kann. Das kommt, wenn sie dazu bereit ist. Aber ein Bitte, Merci, Dankeschön, damit fängt es an.

Was kann sie schon gut?
Sie bringt gewisse Sprüche, die uns zum Staunen bringen. Wenn Sie sagt «Hey, ich bin nöd vo geschter, Papi», ist das sehr amüsant. Das sind die schönen Zeiten.

Sie scheint kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Eigentlich ganz der Vater.
Ich stehe für Ehrlichkeit und Transparenz, so bin ich. Lieber sage ich, was ich denke, bekomme eins auf den Deckel und lerne daraus, statt zu schweigen und mich zu verstecken. Diese Linie hat sich bisher als gut und richtig erwiesen.

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