Kino: Les Plages d'Agnès (F) Agnès Varda: Eine Frau blickt zurück

Les Plages d'Agnès (F) Die Grande Dame des französischen Kinos, Agnès Varda, inszeniert sich in einem reizenden Porträt gleich selber.
Frischer Wind: Filmerin Agnès Varda ist mit ihren 80 Jahren noch immer voll in Fahrt.
© Agora Films Sàrl Frischer Wind: Filmerin Agnès Varda ist mit ihren 80 Jahren noch immer voll in Fahrt.

Sie gilt als die Grossmutter der Nouvelle Vague. Also von jener Stilrichtung des Kinos, die im Frankreich der 50er-Jahren entstand und Regisseure wie Jean-Luc Godard oder François Truffaut unsterblich machte. Agnès Varda setzte 1954 mit ihrem Film «La Pointe-Courte» neue Massstäbe. Vor zwei Jahren feierte die Regisseurin, Produzentin und Künstlerin ihren 80. Geburtstag. Zu diesem Anlass drehte die Franco-Griechin gleich einen Film über sich selber.

In «Les plages d’Agnès» geht sie weit in ihre Kindheit zurück an die belgische Nordseeküste, wo sie mit ihren Eltern oft in den Ferien war. Hier ist der Ausgangspunkt ihres Films, hier macht sie mit der Installation eines fantastischen Spiegelgartens klar: Jetzt wird die Vergangenheit reflektiert. Und diese gibt im Fall von Agnès Varda natürlich einiges her. Sie erzählt von ihrer Flucht nach Frankreich im Zweiten Weltkrieg, von ihren ersten Jobs als Fotografin, ihrem Durchbruch als Filmerin, ihren Jahren in Los Angeles. Dass sie dabei die 68er-Revolte in Paris verpasste. Und auch vom Tod ihres Mannes, des Regisseurs Jacques Demy.

 

Vardas Autobiografie ist eine originelle Mischung aus spannendem Archivmaterial, fiktiven Inszenierungen der Vergangenheit und spontanen Porträts aus der Gegenwart. Etwa als sie mit dem Filmteam in ihr Elternhaus zurückkehrt, wovon sie keine wirklichen Erinnerungen hat – und stattdessen den jetzigen Hausherrn, einen leidenschaftlichen Eisenbahnsammler, in den Mittelpunkt rückt. Vardas gibt sich im Film als neugierige, manchmal auch zurückhaltende und dann wieder extravagante Persönlichkeit, die mit Jim Morrison befreundet war, mit Harrison Ford und Jane Birkin drehte, Fidel Castro fotografierte. Und die im hohen Alter immer noch ihr Leben für die Kunst lebt.

Deshalb lohnt sich der Film

  • Das Leben von Agnès Varda ist spannend, sie hat viel zu erzählen.
  • Der Film ist keine trockene Biografie, sondern ein originelles Essay.
  • Für Filmliebhaber auch wegen des starken Archivmaterials ein Muss.

Bewertung: * * * * 
Länge: 110 Min.
von und mit Agnès Varda, im Kino.

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