Im Kino Auf dem Güterzug in die ungewisse Zukunft

Sin Nombre (MEX): Auf der Flucht in Richtung USA begegnen sich ein krimineller Junge und ein Mädchen voller Träume.
Möglichst schnell weg: Sayra (Paulina Gaitan) und Casper (Edgar Flores).
Möglichst schnell weg: Sayra (Paulina Gaitan) und Casper (Edgar Flores).

Casper (Edgar Flores) lebte bisher nach den Gesetzen seiner Gang. Und diese sind in Tapachula, einer mexikanischen Stadt an der Pazifik­küste, ­gnadenlos. So bringt Gangboss Lil Mago (Tenoch Huerta Mejía) Caspers Freundin um. Nur weil sie sich in der Nähe eines einschlägigen Bandentreffpunkts blicken liess. Lil Mago erklärt Casper nur, dass «der Teufel sie geholt hat».

Daraufhin nimmt er ihn mit auf eine Mission: Er soll illegale Auswanderer ausrauben, die sich auf einem Güterzug Richtung USA versteckt haben. Jetzt widersetzt sich Casper seinem Boss zum ersten Mal: Als Lil Mago auf dem Zug versucht, sich an einer jungen Frau zu vergehen, greift er ein. Dabei kommt Lil Mago ums Leben. Casper befindet sich ab diesem Moment auf der Flucht vor der Gang. Sayra, die junge Frau, der er geholfen hat, unterstützt ihn dabei.

«Sin Nombre» ist ein geschickt aufgebautes mexikanisches Drama. Die Handlung besteht aus zwei Geschichten, die sich auf dem mit Flüchtlingen beladenen Güterzug kreuzen. Auf der einen Seite ist das brutale Leben von Casper, dem jungen Mann ohne Zukunft, der einen Mord auf dem Gewissen hat. Auf der anderen Sayra, die ebenso junge Mexikanerin, die in den USA ein neues Leben beginnen will. Zwei Dinge ver­binden die beiden Teenager, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Sie ­wollen so schnell wie möglich weg und – sie finden Gefallen aneinander. 

Der 32-jährige Regisseur Cary Joji Fukunaga verarbeitete diese Ausgangslage zu einem sehenswerten Thriller, der auf eindrückliche Weise die gras­sierende Jugendgewalt thematisiert und mit packenden Actionszenen das Publikum auch visuell überzeugt. Der Film kann sich mit offensichtlichen Vorbildern wie «Amores Perros» oder «Cidade de Deus», die ebenfalls aus Lateinamerika stammen, durchaus messen lassen.

Deshalb lohnt sich der Film

  • Er ist so inszeniert, dass Thriller- und Drama-Fans auf ihre Rechnung kommen.
  • Der Beweis, dass es für ein spannendes Roadmovie kein Auto braucht.
  • Die Rollen sind gut besetzt, die jungen Schauspieler sind überzeugend.
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