Silvio Soldini Augenmerk auf das Leben

Vor zehn Jahren brachte «Pane e tulipani» dem Italo-Schweizer Silvio Soldini den internationalen Durchbruch. Jetzt kommt sein jüngstes Werk in die Kinos.
Trotz grauem Wetter lächelt Silvio Soldini entspannt in die Kamera.
Trotz grauem Wetter lächelt Silvio Soldini entspannt in die Kamera.

Anfang Mai. Das Wetter in Zürich ist regnerisch und kalt, doch Silvio Soldini, 51, freuts. Der Italo-Schweizer ist zur Premiere seines Filmes «Cosa voglio di più» (Was will ich mehr) in die Limmat­stadt gereist. «Bei schlechtem Wetter gehen die Leute eher ins Kino!» Er ­lächelt spitzbübisch, Fältchen um seine graubraunen Augen tauchen auf.

Silvio Soldini wirkt scheu, beim Antworten auf die Interview-Fragen lässt er sich viel Zeit. Immer wieder fährt er mit der Hand in sein grau meliertes, dichtes Haar. Er erzählt, dass sein Urgrossvater aus Chiasso stamme, der Letzte in der Familie, der noch in der Schweiz geboren wurde. Und wie dankbar er für die Doppelbürgerschaft sei, die ihm vererbt wurde. «Ohne die finanzielle Unterstützung aus Bern hätte ich meinen ersten Spielfilm (L’aria serena dell’ovest, 1990) wohl nicht drehen können.» Der Film wurde überall begeistert aufgenommen, er bekam mehrere Preise. Einladungen zu prestigeträchtigen Filmfestivals waren die angenehme Folge.

Silvio Soldini beginnt mit 16, sich für Filme zu interessieren. In der «Cinemateca» von Mailand schaut er sich unter anderem Werke von Antonioni und Bergman an. Der junge Mann weiss nicht, was er werden möchte, und studiert zuerst Wirtschaft und Politik. Einige Jahre später schmeisst er jedoch alles hin und – ­finanziell unterstützt vom Vater – beginnt ein Studium in New York an der Film-Universität. Zweieinhalb Jahre später kehrt er nach Italien zurück. Die ersten Arbeiten sind Null-Budget-Filme. «Wir drehten nachts, nach der Arbeit. Hatten kein Geld, dafür Energie für vier.»

Inzwischen sind über 40 Dokumentar- und Spielfilme im Kasten. Mit «Pane e tulipani» (2000) wird Silvio Soldini international bekannt, Bruno Ganz gewinnt den Schweizer Filmpreis als bester Darsteller. «Ich bin froh, dass der Erfolg nicht beim ersten Film kam. So blieb ich mit beiden Füssen auf dem Boden.»

Der sympathische Regisseur lebt in Mailand, getrennt von seiner Frau, und hat drei Kinder. Über seinen nächsten Film redet er nicht. Nur so viel: Es wird eine Komödie.

 Mehr zum Film "Cosa voglio di più" siehe www.schweizer-illustrierte.ch/film

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