Augusto Giacometti im Kunstmuseum Bern Ein Meister der Farben

«Die Farbe und ich. Augusto Giacometti» zeigt das Werk eines Malers, der sich der Schönheit und Harmonie widmete.
Augosto Giacometti
© Erbgemeinschaft Nachlass Augosto Giacometti

Sommer in den Bergen. «Stampa», 1915, Aquarell auf Papier.

Augusto Giacometti (1877–1947) hat für sich und sein Publikum mit Farbe und Pinsel ein Paradies auf Leinwand und Papier gebannt: friedliche Landschaften, Stillleben, Schmetterlingsstudien, Porträts oder Glasmalereien finden genauso ihren Platz im Werk wie abstrakte, schier explodierende Farbstudien, die ihn an die Spitze der Avantgarde katapultierten. Diese Vielseitigkeit wurde ihm später oft als Unentschiedenheit vorgeworfen. Augusto Giacometti selbst sah jedoch keinen Widerspruch darin, sich sowohl realistisch wie auch abstrakt auszudrücken.

Der Meister der Farbe, der sich später zu einem Pionier der Abstraktion entwickelte, ist ein Spross der berühmten Künstlerdynastie aus dem Bergeller Dorf Stampa. Giovanni Giacometti, der Vater des weltberühmten Bildhauers Alberto, war sein Cousin zweiten Grades. Doch im Vergleich zu den beiden Verwandten ist das Werk von Augusto bisher wenig erforscht und auch kaum in Ausstellungen zu sehen gewesen. Die Schau «Die Farbe und ich» im Berner Kunstmuseum will das nun ändern. Mit rund 130 Exponaten bietet die Ausstellung einen Einblick in das farbenprächtige Werk von Augusto Giacometti und stellt es ausgewählten Arbeiten anderer Künstler der Farbe gegenüber: Paul Cézanne, Adolf Hölzel, Johannes Itten, Paul Klee, Josef Albers, Ernst Wilhelm Nay, Richard Paul Lohse, Jerry Zeniuk oder Raimer Jochims. Eindrücklich sind auch Giacomettis Glasmalereien, die gegen Ende der Ausstellung gezeigt werden. Das wohl bekannteste dieser Werke sind seine Fenster im Zürcher Grossmünster. Um den Besuchern der Ausstellung einen möglichst realitätsnahen Eindruck dieser Fenster und ihrer Leuchtkraft zu vermitteln, wurde in der Kirche eine Kamera positioniert, die Bilder der Fenster in Echtzeit ins Museum übermittelt. Gut zu wissen: Da es nun draussen früh dunkel wird, lohnt sich ein Museumsbesuch am frühen Nachmittag.

Kunstmuseum Bern Bis 8. 2. 2015, Di 10–21 Uhr, Mi–So 10–17 Uhr
Tel. 031 328 09 44, Publikation 39.–, www.kunstmuseumbern.ch

Auch interessant