Fotograf Willy Spiller Aus Spass am Hier und Jetzt

Der Zürcher Fotograf Willy Spiller blickt lieber nach vorn als zurück. Für seine erste umfassende Einzelpräsentation in einer öffentlichen Institution tauchte er tief in die Vergangenheit ein.
Die letzte Rose: Willy Spiller fotografierte Jean Tinguely zwei Wochen vor dessen Tod 1991.
Die letzte Rose: Willy Spiller fotografierte Jean Tinguely zwei Wochen vor dessen Tod 1991.

Willy Spiller, 64, ist Vollblut-Fotograf. Seit 45 Jahren. Wie ein Seismograf bewegt sich der Zürcher durchs Leben, empfänglich für die kleinsten Reize. Mal als Reporter für namhafte Titel, mal als Porträtist von Künstlern und Dichtern. Paul Nizon, 82, Schriftsteller und Freund, hat ihn einst treffend charakterisiert: «Ich habe mich oft gefragt, was Willy Spillers Fotografie so unverblümt und lebensfrisch, so packend erscheinen lässt, noch aus langjährigem Abstand. Ich glaube, es ist ein Gemisch aus schamloser Neugier und schurkischer Komplizität, aber auch brüderlicher Kompassion.»

Willy Spiller, der sich nie um eine grosse Ausstellung gekümmert hat – er mochte «lieber den Wind der Welt um die Ohren» –, findet plötzlich Freude am Durchstöbern seines Archivs: die Zürcher Unruhen (1968), weltweite Reportagen, Aktionen des Künstlerduos Fischli/Weiss oder jene von Roman Signer, Porträts von Sylvie Fleury, Mario Botta, Jean Tinguely. Für den grossen Maler und Plastiker aus Fribourg sollte Spiller das Atelier in Soisy-sur-l’Ecole (F) fotografieren. Beim Verlassen des Ateliers schnitt Tinguely seiner Frau Niki de Saint Phalle ein paar Rosen.

Zwei Wochen später war Tinguely tot – und diese bewegende Aufnahme die letzte vom grossen Meister. Seit einiger Zeit verkleinert Spiller seinen Bewegungsradius und widmet sich wieder dem lokalen Geschehen.

Seine zwei Teenager-Töchter bewahren den Fotografen vor dem Abheben und inspirieren ihn täglich für sein neuestes Langzeit-Projekt: Hier und Jetzt. Willy Spiller, der unter anderem auch für die Schweizer Illustrierte tätig ist, fotografiert täglich. Vermehrt mit dem Handy, das er auch zum Filmen einsetzt. «Das ermöglicht spontaneres Arbeiten, ich bin wieder dort, wo ich als junger Mensch angefangen habe.» In «Stromschnellen der Freiheit» werden nebst gross- und kleinformatigen Bildern auch Kurzfilme gezeigt. 

HAUS FÜR KUNST URI Altdorf UR.
Bis 20. 5., Do/Fr 14–18, Sa/So 11–17 Uhr
Tel. 041 - 870 29 29 
www.hausfuerkunsturi.ch

 

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