Manon: Fotoschau «HOTEL DOLORES» Besessene Macherin

Manon wurde in den 80er-Jahren zur Schweizer Wegbereiterin der Performancekunst. Seither geht sie oft an ihre Grenzen. Auch in ihrer neuesten Arbeit fordert sie von ihrem Körper alles.
Manon realisierte im Bäderviertel von Baden AG die Fotoserie «Hotel Dolores», 2009/10.
Manon realisierte im Bäderviertel von Baden AG die Fotoserie «Hotel Dolores», 2009/10.

Für die Kunst gibt Manon, 63, vollen Körpereinsatz. Davon zeugt ihre operierte Schulter. Zum Gespräch geht es ins Schlafzimmer der Performerin. Das Gefühl, in einen intimen Bereich eingedrungen zu sein, weicht bald dem Eindruck, sich in einer von Manons legendären Installationen zu befinden. Im «Lachsfarbenen Boudoir» (1974) beispielsweise.

Auch in ihrer neuen Arbeit «Hotel Dolores» geht es Manon nicht darum, Kunst zu machen, sie lebt ihre Kunst: «Ich kann das nicht voneinander trennen.» Als Manon von den verlassenen Hotels im Bäderquartier von Baden las, setzte sie Himmel und Hölle in Bewegung, um den Schlüssel zu diesem Schauplatz zu erhalten. «Ich war wie besessen.» Die Bilder für die Inszenierungen trug sie bereits lange vorher im Kopf. Aus 500 Skizzen realisierte sie während zweier Jahre über 130 Fotografien. Dreissig davon hängen nun im Aargauer Kunsthaus. Die leeren Hotelräume im «Ochsen», «Bären» und «Verenahof» waren kalt, feucht, schimmlig und staubig.

Kein Strom, kein WC. «Ohne die Hilfe meines Lebenspartners hätte ich das Projekt nicht durchziehen können.» Der technisch versierte Jurist schlüpfte auch mal in ein Tierkostüm oder funktionierte als Navigationsgerät. Er habe einen Kompass im Hirn, und so hätten sie jeweils den Weg aus diesem Labyrinth gefunden. «Hotel Dolores» birgt viele Geschichten. «Hier wurde gefeiert, geliebt, gelitten, gestorben.» Mittels Fotografie, Installation, Video und Performance inszeniert die Zürcher Künstlerin diesen emotionsgeladenen Kreislauf des Lebens.

Dolores heisst Schmerzen. Für Manons Schultern war die Arbeit am Projekt zu viel. Mit der ärztlich verordneten Zwangspause geht sie inzwischen gelassen um: «Ich habe noch viele Ideen. Und dabei spornen mich Hindernisse an.» ISOLDE SCHAFFTER-WIELAND

Aargauer Kunsthaus, Aarau
Bis 25. 4. Di–So 10–17, Do bis 20 Uhr.
Tel. 062 - 835 23 30, www.aargauerkunsthaus.ch

 

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