Albert Anker in Schaffhausen Chronist mit Pinsel

In Schaffhausen wird zurzeit eine spannende Ausstellung über einen der prominentesten Maler der Schweiz gezeigt: Albert Anker.
Detailreich. Man kann sich an «Der Gemeindeschreiber», 1874 (Sammlung Christoph Blocher), kaum satt sehen.
© Kunsthaus Zürich Detailreich. Man kann sich an «Der Gemeindeschreiber», 1874 (Sammlung Christoph Blocher), kaum satt sehen.

Heute würde Albert Anker (1831–1910) vielleicht zum Fotoapparat greifen, um seine Welt abzulichten. Damals genügten ihm Pinsel und Stift. Der Maler aus Ins, der ab 1853 zwischen seinem Heimatdorf und dem sich in Umbruch befindenden Paris pendelte, besass den Blick fürs Atmosphärische. Seine Werke sind präzise Abbildungen der Realität, liebevoll mit Details angereichert. Besonders gern malte er Kinder. Für das wunderbare Gemälde «Schreibunterricht II», wurde Albert Anker 1866 am Pariser Salon mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. «Mädchen mit Milchkanne und Korb» bezaubert durch die feine Pinselführung sowie das Spiel von Licht und Schatten. Zum Repertoire des Schweizers gehörten auch Szenen aus dem täglichen Leben: «Die Ziviltrauung» dokumentiert den Eintritt der Schweiz in die Moderne, ebenso «Der Gemeindeschreiber», dessen Tätigkeit durch die Gründung des Bundesstaates 1848 und die Flut neuer Gesetze an Bedeutung zunahm. Landschaftsbilder sind im Œuvre des Berners selten anzutreffen, dabei soll Anker mal gesagt haben: «Ich würde sie gerne malen, doch sie bringen zu wenig Geld ein.»

Die Ausstellung «Albert Anker und der Realismus in der Schweiz» zeigt an Hand von 70 Originalwerken das Schaffen Ankers im Kontext des damaligen Kulturbetriebes. Man gewinnt Einblick in die Maltechnik des Künstlers, trifft auf originale Requisiten wie die Milchkanne des kleinen Mädchens (Bild rechts unten), wird mittels Videoinstallation mitten in das Paris der Umbruchzeit katapultiert. Als Sahnehäubchen, in drei Sälen vereint: Hauptwerke wie «Die Kinderkrippe» oder «Das kleine Mütterchen». Ergreifend schön. 

Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Bis 1. 9. Di–So 11–17 Uhr, Tel. 052 633 07 77, www.allerheiligen.ch

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