Corinne Güdemann Mit nüchternem Strich

Corinne Güdemann zeigt neue Zeichnungen. Von farbigen Frauenporträts über Paarstudien bis zu Knäueln schlafender Menschen.
Corinne Güdemann Künstlerin Ausstellung Zürich
© Willy Spiller

Präzise Die Künstelerin Corinne Güdemann in ihrem Ateiler in Zürich-Wipkingen.

Als sich Corinne Güdemann, 54, vor einem Jahr nach Paris aufmachte, um in der Cité des Arts ihr sechsmonatiges Atelierstipendium in Angriff zu nehmen, hatte sie noch keine konkrete Vorstellung, was für Arbeiten entstehen sollten. Klar war nur, sie wollte zeichnen. Dann entdeckte sie auf ihren abendlichen Streifzügen durch den Louvre ihre Faszination für die flämische Malerei. «Die idealisierten Frauenporträts von van Eyck haben mich beeindruckt.» So fotografierte die Zürcher Künstlerin mittelalterliche Edeldamen mit aufwändigem Kopfputz, Spitzenkrägen und ondulierten Frisuren und setzte sie im Atelier in individuelle Porträts um. Auf grobkörnigem, schwarzem Papier und mit Farbstift gemalt, erhält die daraus entstandene Serie «Ladies & Queens» ein wenig die Anmutung von auf Leinwand und in Öl gemalten Werken. «Zeichnungen sind flüchtiger, unmittelbarer und meist weniger aufwendig als Malerei», sagt Corinne Güdemann, die auch den seriellen Charakter dieser Technik schätzt. In ihrer aktuellen Ausstellung zeigt sie denn auch Werke aus einer weiteren Serie, aus «Paare, Gruppen, Knäuel». Tanzende Menschen, Jugendliche beim Raufen, Gruppen von Personen, die neben- oder übereinander liegen (siehe oben) und zu schlafen scheinen. Oder sind sie gar bewusstlos? Corinne Güdemann zeichnet und malt naturalistisch – nicht fotorealistisch. Ob mit Pinsel und Ölfarbe oder mit dem Zeichenstift, die Künstlerin bildet Dinge und Körper mit klarem Strich und nüchtern ab. Stets schwingt dabei etwas Melancholisches mit. Am deutlichsten zeigt sich das bei den Ölbildern mit Bäumen, einem wiederkehrenden Motiv. Durch das Hervorheben der netzartigen Struktur der Äste erhalten selbst harmlos erscheinende Sujets wie kletternde Kinder in einem Baum eine unterschwellig unheimliche Komponente.

Galerie Stephan Witschi, Zürich
7. 2.–14. 3., Mi–Fr 14–18, Sa 13–17 Uhr
Tel. 044 242 37 27, www.stephanwitschi.ch

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