Markus Raetz Der Augentäuscher im Kunstmuseum Bern

Der Berner Markus Raetz erforscht unsere Wahrnehmung. Das Kunstmuseum Bern zeigt nun sein druckgrafisches Werk.
Markus Raetz im Kunstmuseum Bern
© Philippe Halsman Archive

Markus Raetz im Kunstmuseum Bern. 

Entweder alles oder nichts – deutlicher als uns Markus Raetz mit seiner Arbeit «TOUT–RIEN» die (mögliche) Unmöglichkeit der Gleichzeitigkeit vor Augen führt, gehts nicht. Vergnüglicher ebenso wenig. Wer die kleine Drahtskulptur von links aus betrachtet, liest Tout, von rechts aus jedoch Rien. Ein Wort, ein Gegensatz. Verflixt! Markus Raetz, 72, gehört zu den wichtigsten Schweizer Künstlern der Gegenwart. Mit seinen Werken erforscht der Berner gekonnt unsere visuellen Sinneseindrücke. Er zeigt auf, dass sich die Wirklichkeit je nach Standpunkt ganz anders präsentiert und uns die eigene Wahrnehmung bisweilen einen gehörigen Streich spielt. Die aktuelle Schau im Kunstmuseum Bern rückt nun das druckgrafische Werk ins Zentrum. Kombiniert mit einigen wichtigen Skulpturen aus allen Schaffensphasen ermöglicht die Ausstellung einen spannenden Einblick in Raetz’ vielfältige, technisch versierte und oft humorvolle Auseinandersetzung mit unseren Wahrnehmungsprozessen.

Mittels unterschiedlichster Techniken wie Aquatinta, Kaltnadelradierung, Heliogravüre oder Direktätzung mit dem Pinsel entstehen vielfältige Druckgrafiken, die in seinem umfangreichen œuvre einen gewichtigen Teil einnehmen. Wie die Serie «Profil III», eine Abfolge von 14 Zustandsdrucken eines Frauenkopfs. Ganz anders der Kupferstich «M.O. nach Man Ray», der Raetz’ Freude an der simplen Linie zeigt, die hier Schatten suggeriert, dort räumliche Tiefe entstehen lässt. Oder die Serie «No W Here», bei der Markus Raetz mittels Pinsel-Direktätzung mit Salpetersäure auf Kupferplatte verwunschene Landschaftsbilder entstehen lässt. «Die Möglichkeit, mit Linien Raum darzustellen, prägt meine Arbeit wesentlich.»

Wer noch etwas tiefer in die faszinierende Gedankenwelt des Künstlers eintauchen will, dem sei der Dokumentarfilm von Iwan Schumacher an Herz gelegt. Er wird im Anschluss an die Ausstellung gezeigt.

Kunstmuseum Bern
Bis 18. 5., Di 10–21, Mi–So 10–17 Uhr
Tel. 031 328 09 44, Publik. CHF 150.– (840 Seiten)
www.kunstmuseumbern.ch

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