VIDEOCRACY (I/S) Der Cavaliere und seine schillernde Scheinwelt

VIDEOCRACY (I/S) Italien und das Fernsehen: Wer ausser Silvio Berlusconi in der bunten TV-Welt sonst noch eine Rolle spielt.
Perfekter Showman: Italiens schillerndes Medien- und Staatsoberhaupt Silvio Berlusconi.
© Emmevi / Dukas Perfekter Showman: Italiens schillerndes Medien- und Staatsoberhaupt Silvio Berlusconi.

Italienisches Fernsehen, so will es der Film «Videocracy», besteht eigentlich nur aus einem Moderator und unglaublich vielen hübschen Showgirls in knapper Bekleidung. Praktisch jede Italienerin will Velina, so nennt man die jungen Damen, werden: Ein bisschen TV-Ruhm, und schon angelt man sich einen Serie-A-Fussballer oder einen bekannten Musiker. Erfunden wurde die Velina von Silvio Berlusconi, seines Zeichens italienischer Ministerpräsident und Herr über die staatliche TV-Anstalt RAI sowie Chef des grössten nationalen Privat-TV-Anbieters Mediaset.

Dumm nur, wenn man in Italien als Junge geboren wurde und im Fernsehen berühmt werden will. Wie Ricky Canevali, die unglamouröse Hauptfigur in «Videocracy». Dieser glaubt nämlich, ein Muskelprotz wie Jean-Claude Van Damme zu sein, singen zu können wie Ricky Martin und demzufolge auf der Bühne unwiderstehlich zu wirken. Doch auch nach dem x-ten Casting will es einfach nicht klappen.

Der Dokumentarfilm «Videocracy» von Erik Gandini zeigt ein von Berlusconi kreiertes TV-Italien: farbenfroh, herausgeputzt und schillernd bis zum Gehtnichtmehr. Neben dem mittlerweile 73-jährigen Staatsoberhaupt zieht der mächtige TV-Produzent und Berlusconi-Freund Lele Mora die medialen Fäden: Er sorgt dafür, dass selbst ein Erzfeind in Gestalt des unglaublich eitlen Paparazzo Fabrizio Corona für Berlusconi schliesslich zum Glücksfall werden kann.

Regisseur Gandini verzichtet auf eine Hauruck-Technik, wie sie der ebenfalls politische Regisseur Michael Moore pflegt. Vielmehr setzt er elegant die feine Klinge an und kratzt am glänzenden Lack von Berlusconi und dessen Italien. Einziger Wermutstropfen: Der spannende Dokumentarfilm widerspiegelt den subjektiven Eindruck des Regisseurs - leider mit wenig journalistischem Anspruch.

Das macht den Film aus
- Er ist atmosphärisch dicht und mit viel Unterhaltungswert inszeniert.
- Die Protagonisten sind schillernd und nehmen kein Blatt vor den Mund.
- Er gibt Einblick in Italiens Welt der Schönen und Reichen.

L: 85 Min., R: Erik Gandini, D: Lele Mora, Fabrizio Corona, Ricky Canevali. Start: 10. 6.

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