Atelierbesuch bei Karina Wisniewska Der Klang der Farben

Musik, Literatur, Malerei: Das künstlerische Repertoire von Karina Wisniewska scheint unbegrenzt. Nach Erfolgen im Ausland schafft sie nun auch bei uns den Durchbruch.
Die Malierin Karina Wisniewska in ihrem Atelier hoch über Baden AG.
© Fabienne Bühler Die Malierin Karina Wisniewska in ihrem Atelier hoch über Baden AG.

Der Blick aus dem Atelier von Karina Wisniewska, 43, in Ennetbaden AG ist überwältigend. Wie auch der riesige ovale Raum selbst. Rundum stehen oder hängen Werke der Künstlerin: monochrom, klar, abstrakt. Geometrische und ornamentale Elemente gaukeln Dreidimensionalität vor. Je nach Lichteinfall entstehen Schattenwürfe, die das rhythmisch angelegte Muster in Schwingung versetzen. Die Linien zieht Wisniewska mit sicherer Hand. «Ich lasse mich vom Pinsel führen», erklärt sie die Makellosigkeit des Strichs. «Wenn ich den Willen einsetze, funktioniert das nicht.» Sich mitreissen lassen – nicht bestimmen wollen: Diese Zauberformel hat sie bereits als Musikerin gelernt.

Ihre Karriere als Malerin schwungvoll an­gestossen hat die unlängst beim Benteli-Verlag publizierte Monografie «Bewegte Stille / Silent Dynamism». Danach gings Schlag auf Schlag: An der Kunst Zürich 09 verkaufte Karina Wisniewska sämtliche ausgestellten Werke. Ebenso schnell kam die Einladung der Zürcher Galerie Anne Mosseri-Marlio, die ab dem 29. 1. ihre Arbeiten zeigt. Und der TV-Auftritt bei Kurt Aeschbacher (4. 2.) wird ihren Bekanntheitsgrad wohl noch einmal erhöhen. Starallüren kennt die Vielumworbene nicht. Begeistert erzählt die Künstlerin, wie sie ihren Ehemann an Fussball- und Eishockeyspiele begleitet. Und gerne in der Masse des Publikums stehe.

Die Tochter polnisch-schweizerischer Eltern wird in Venedig (I) geboren und bekommt als Fünfjährige den ersten Klavierunterricht. Von 1992 bis 2000 tritt sie international als Pianistin und Kammermusikerin auf. Ihre CD-Einspielungen werden ausgezeichnet, ihr Können 1997 mit dem Europäischen Kulturpreis ge­würdigt. Parallel dazu schreibt sie Essays, lektoriert die Studioausgabe des gesamten Shakespeare-Werkes und malt.
Ein Ausrutscher mit der Schere, ein Schnitt in den Finger bringt im Millenniumsjahr die Wende. Die Künstlerin verkauft den Flügel. Macht die Malerei zu ihrem neuen Instrument. «Während ich vorher die Werke grosser Komponisten spielte, bin ich heute Schöpferin meiner eigenen Bildkompositionen.» Ordnet Farbklänge zu Farbsinfonien, lässt die Energie der Musik in ihre Werke fliessen.

«Musik und Malerei finden zu einer lebendigen Symbiose, die ihre Kraft aus dem Reichtum des Augenblicks schöpft.». Am liebsten arbeitet sie nachts, wenn die Welt schläft. Dann experimentiert sie mit Pigmenten, Quarzsand und Lack. Hantiert mit Pinsel und Acrylfarbe, perfektioniert ihre Technik bis zur Vollkommenheit. Virtuos und diszipliniert – wie schon als Pianistin. Zahlreiche Ausstellungen in renommierten Galerien in den USA, Asien, Australien und Europa bestätigen ihr Können. Jetzt steht Karina Wisniewska auch die Welt der Kunst offen.
 

Anne Mosseri-Marlio Galerie Zürich
Bis 27. März 2010
Di–Fr 12–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr
Tel. 043 243 03 80
www.annemoma.com

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